Zum Abschluss der Unesco-Weltkonferenz der Sportminister in Berlin hat sich der deutsche Gastgeber Hans-Peter Friedrich unerwartet kampfeslustig gezeigt. Eingerahmt von drei Frauen auf dem Podium nahm der CSU-Politiker die Sportverbände ins Visier. Es ging um die Finanzierbarkeit von Großveranstaltungen, und Angela Merkels Mann fürs Sportliche rügte, dass die Ansprüche einiger Sportorganisationen ins Unbezahl- und Unvertretbare gewachsen seien.

Friedrich forderte, dass auch kleineren Ländern wieder Zugang zum Kandidatenkreis der Ausrichter gewährt werden müsse, notfalls im Zusammenschluss: „Wir dürfen die Anforderungen nicht so hochschrauben, dass kleinere und nicht so reiche Länder ausgeschlossen werden.“ Auch monierte er, dass eine Sportveranstaltung unmöglich eine Volkswirtschaft in die Bredouille bringen dürfe, weil Bauten verlangt würden, die später ohne Nachnutzung blieben. „Wir müssen“, sagte Friedrich forsch, „den Verbänden, die zur Großmannssucht neigen, Grenzen aufzeigen.“

Für den Mann an der Spitze des Bundesministeriums des Innern sind das beinahe spektakuläre Töne. Und Lernfähigkeit sollte man dem Minister nicht absprechen. Doch stieß die beim Thema Wettbewerbsmanipulation auf bekannte Grenzen. Zwar zählte Friedrich auch da vordergründig die Sportverbände an, weil deren Sanktionen „möglicherweise nicht ausreichen“, also schärfer zu fassen seien. Zu verstehen war das aber als Absage an die sofortige Einführung eines Straftatbestands Sportbetrug, wie ihn Bochumer Ermittler gerade verlangt hatten – und wie ihn der hinter den Kulissen virulent anwesende Thomas Bach, Anführer des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Anwärter auf den Chefposten im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), bekämpft.

Überhaupt tut man gut daran, die Bekundungen vor internationalem Publikum an der eher flüchtigen moralischen Konsistenz der Regierungspolitik zu messen. Das gilt auch für die Rede der Kanzlerin in Berlin. Merkel blieb ihrem Hang zur Fußball-Ehrentribüne halbwegs treu, referierte übers Hochglanzbild des Sports („Vorbildfunktion“, „großartiges Image“), dem jedoch Manipulationsversuche, Doping oder Korruption Schaden zufügten. Weshalb solchen „Machenschaften entschlossen entgegenzutreten“ sei. Die Kanzlerin wünschte „ein klares politisches Signal“.

In die Kuriositäten-Spalten

Das war dann doch delikat oder ganz einfach: professionelle Abgebrühtheit. Nicht nur, weil von der Koalition keine einzige Unternehmung zur Bekämpfung der Korruption im Sport bekannt ist. Es war auch eine Initiative des Bundesinnenministeriums, die ab 2012 weltweit zur Kürzung der Gelder für die ohnehin klamme Welt-Antidoping-Agentur (Wada) führte. In die Kuriositäten-Spalten der Zeitungen droht sich Deutschlands Nationale Antidopingagentur (Nada) zu verflüchtigen. In der Blutdoping-Affäre am Erfurter Olympiastützpunkt agiert sie inzwischen geheimer als mancher Doper. Hätten Wada und Medien nicht hingesehen, wäre es also nach Bundesregierung und DOSB-Präsident Bach gegangen, läge die Sache ohnehin längst bei den Akten und nicht beim Weltsportgerichtshof (Cas). Und wie schon in den vergangenen Jahren ist die Finanzierung der Agentur auch für das Haushaltsjahr 2014 ungesichert.

Was also ist von der neuen Beherztheit im Kampf gegen allerlei Kriminelles zu halten, das die Bundesregierung traditionell weniger im Sport als vielmehr in seinem „Umfeld“ (Merkel) verortet? Es schein ratsam, die Erwartungen tiefer zu hängen. „Die ausländischen Gäste nehmen wahr, dass sich der deutsche Sport engagiert“, steuerte am Ende noch Sportstaatssekretär Christoph Bergner (CDU) bei. Man habe „einen emotionalen Background für die Wahl von Thomas Bach geschaffen“. Gut zu wissen.