Matthias Opdenhövel schickte nach der „Sportschau“ ein eigenes „Sorry für den Spoiler“ per Twitter raus.
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BerlinFür das größte Missgeschick des Wochenendes ist ein nicht näher benannter Tontechniker der ARD verantwortlich: Noch bevor in der „Sportschau“ die Zusammenfassung des Fußballspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern gezeigt wurde, hörte man den Moderator Matthias Opdenhövel von einem Sieg der Gladbacher reden. Zwar lief Werbung, seine Worte galten nur den Kollegen – aber sein Mikrofon war an. Die Redaktion und der Moderator entschuldigten sich.

Einst wäre das richtig schlimm gewesen. Es hätte sich um Geheimnisverrat gehandelt, vergleichbar mit dem verfrühten Öffnen von Adventskalendertürchen. Damals nämlich, als die Bezahlsender noch nicht alle Spiele live anboten und Internetseiten nicht das Geschehen kommentierten. Als man das Radio tagsüber stumm ließ und um 18 Uhr neugierig die Glotze einschaltete.

Matthias Opdenhövel schickte nach der „Sportschau“ ein eigenes „Sorry für den Spoiler“ per Twitter raus. „95% der Leute wissen das Ergebnis doch sowieso, für 5% war halt nur die Spannung weg“, antwortete jemand milde. Ein anderer ergänzte: „Und diese 5% sind über 55 Jahre alt und haben eh kein Smartphone.“

Tatsächlich ist sonst das Smartphone der Spielverderber, auch bei Direktübertragungen. Denn der Toralarm – sofern man ihn für Lieblingsmannschaften eingeschaltet hat – meldet sich Sekunden vor dem Bild. Der wahre Fan aber will das Tor sehen und nicht erzählt bekommen.

Noch ulkiger gestaltet sich das Zusammenleben mit Menschen, die sich Sportsendungen noch mit einem Videorekorder aufnehmen oder in der Mediathek nachschauen. Ich habe mal einen Kollegen um eine selbstempfundene Freude gebracht, als ich ihm nachmittags zu einem Sieg von Energie Cottbus per WhatsApp gratulierte. Zum Glück spielt Cottbus jetzt unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle. Und leider arbeitet der Kollege nicht mehr hier.