Nur gut, dass Jürgen Klopp sich auskennt. Nicht, dass der Trainer von Borussia Dortmund schon mal länger in Neapel gewesen wäre, aber er hat dort einst ein Boot nach Ischia bestiegen, erzählte er am Dienstagmorgen, bevor er die Chartermaschine nach Italien betrat. Ach ja, und Neapel, das sei ja vor allem der SSC und Diego Armando Maradona, sagte Klopp, was Mittelfeldspieler Nuri Sahin als Vorabinfo zum Champions-League-Auftakt heute im San-Paolo-Stadion (20.45 Uhr/ZDF) dankbar entgegennahm. Napoli, Napoli – die Italiener sind den Borussen unbekannt, schwer also die Motivation. Aber jetzt, mit dem Hinweis auf den Argentinier und seine Zeit beim SSC: „Der Trainer hat uns daran erinnert, dass Maradona hier gespielt hat. Es ist uns deshalb eine Ehre.“

Man kann den Fokus des jungen Türken auf die etwas verstaubte Geschichte des Gegners als Leichtsinn auslegen, Naivität geht auch. Aber der Hinweis auf den monumentalen Fußballer, der in Neapel verehrt wird wie nur noch Jesus am Kreuz und die Heilige Mutter Gottes, ist eine bedenkliche Motivationshilfe. Denn was sind schon die Erinnerungen an Maradona, zwei Meistertitel, einen Pokal und den Gewinn des Uefa Cups vor über 20 Jahren gegen die aktuellen Fakten des Gegners? Neapel im Jahr 2013 ist Tabellenführer der Serie A, hat alle drei Saisonspiele gewonnen, neun Tore geschossen, nur zwei kassiert und wird von Rafael Benítez trainiert, der eine seltene Beziehung zum Europapokal unterhält. 2005 gewann der Spanier mit dem FC Liverpool die Champions League, zwei Jahre später stand er mit den Reds erneut im Finale. Er holte 2004 den Uefa-Cup mit dem FC Valencia und 2013 die Europa League mit Chelsea.

Feiner Fuß

Und Neapel hat seine Reihen mit Spielern aufgefüllt, die zu kennen sich lohnt. Drei kamen von Real Madrid, einer aus Liverpool. Der spanische Feinfuß José María Callejón (9,5 Millionen Euro Ablöse, drei Saisontore bislang), Nationalverteidiger Raúl Albiol (zwölf Millionen), Stürmer Gonzalo Higuaín (37 Millionen, zwei Treffer) sowie Spaniens Nationaltorwart Pepe Reina leihweise aus England. Fehlt in der Liste der betrachtenswerten Neapel-Profis nur noch Marek Hamsik, Slowake, 25, Kapitän und hängender Stürmer, um den sich nach dem Abgang von Edinson Cavani (64 Millionen Euro, Paris St. Germain) alles dreht. Hamsik schoss in den ersten Spielen vier der neun Tore.

Beim Blick allein auf die Offensivabteilung des SSC kann Sahin von Glück sagen, dass ihm Männer vorstehen, die sich nicht nur geehrt fühlen, im San Paolo Gast zu sein, sondern die wissen, wem sie da begegnen. Neben Klopp war das Reinhard Rauball. Der Klubpräsident hat erkannt: „Das wird ein Kräftemessen auf allerhöchstem Niveau“