Berlin - Im monatelangen Bangen um eine drittligataugliche Spielstätte hat eine letzte Wendung in der Stadionfrage Aufsteiger Viktoria Berlin wertvolle Zeit verschafft. „Ich bin jetzt sehr erleichtert, da auch der DFB die Mitteilung positiv aufgenommen hat“, sagte Viktoria-Geschäftsführer Peer Jaekel über die Nachricht der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, das eigentlich schon geschlossene Jahnstadion für die kommenden zwei Jahre den Fußballern sowie den American Footballern von Berlin Thunder zur Verfügung zu stellen. Möglich wurde die Lösung, da sich der Baubeginn für den inklusiven Jahn-Sport-Park auf 2023 verschoben hat.

Zuschauerkapazität um die Hälfte halbiert

Anstatt sich – wie zunächst vorgesehen – im riesigen Olympiastadion zu verlieren, wird die Zuschauerkapazität im Großen Stadion im Jahnsportpark, das vor 70 Jahren errichtet wurde, um die Hälfte auf etwa 10.000 Plätze halbiert. Viktoria hat sich verpflichtet, die Kosten für den temporären Betrieb zu übernehmen. „Im Gegenzug wird das Stadion mietkostenfrei zur Verfügung gestellt“, schrieb die Senatsverwaltung, die das Stadion auch für Pokalspiele sowie das Landespokalfinale wieder nutzen möchte.

Mit 1,5 Millionen Euro gab die Senatsverwaltung die Kosten für den laufenden Betrieb an, die der Aufsteiger, beziehungsweise der Investor, die SEH Sports & Entertainment Holding aus Hamburg, stemmen muss. Das Unternehmen der beiden Brüder Zeljko und Tomislav Karajica schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe, da die Holding auch als Investor in der neuen European League of Football fungiert, in der Berlin Thunder als Hauptstadtklub antritt.

Mehr Budget für Transfers

Den sportlichen Bereich tangiert die Stadionlösung weniger. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Spieler einen Verbleib vom Stadion abhängig machen“, sagte Viktoria-Sportdirektor Rocco Teichmann. Durch den günstigeren Umzug im Vergleich zum Olympiastadion könnte auch noch etwas mehr Budget für mögliche Neuzugänge zur Verfügung stehen.

Über die beiden Spielzeiten hinaus denkt dagegen Geschäftsführer Jaekel. „Kurz- und mittelfristig verschafft uns das Jahnstadion Abhilfe, wir müssen aber jetzt langfristige Szenarien aufbauen und weiterhin den Dialog suchen, welche Flächen in Berlin erschlossen werden können“, sagte Jaekel, der auf den Bau weiterer pflichtspieltauglicher Sportstätten drängt: „Das ist ein Gesamt-Berliner Thema. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass im kommenden Jahr vielleicht der nächste Berliner Regionalligist aufsteigt. Ich gehe nicht davon aus, der einzige Drittligist aus Berlin zu bleiben.“