Hertha BSC will ein bisschen „Bombonera“ nach Berlin bringen. Kein geringerer als der legendäre Stimmungstempel der Boca Juniors mitten in Buenos Aires, dem Herzensverein des 2020 gestorbenen Diego Maradona, dient dem neuen Entwurf für die geplante neue Heimspielstätte des Fußball-Bundesligisten als Vorbild. „Das steht dort mitten in einem Wohnviertel und ist baulich entsprechend angepasst“, sagte Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller am Freitag im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. „Unser Stadion sähe ähnlich aus“, betonte er.

„La Bombonera“ (zu deutsch: die Pralinenschachtel), ein Stadion, in dem Fußball gelebt wird. Die Häuser im längst hippen Kunstviertel der Metropole stehen praktisch in Armweite. In Berlin soll ein neues Stadion auf dem Lindeneck im Olympiapark entstehen. Seit Jahren will die Hertha ein reines Fußballstadion. Seit Jahren bekommt sie das Olympiastadion mit über 70.000 Plätze nur sehr selten mal voll.

Die Kosten dürften sich auf 250 Millionen Euro belaufen

Die neue Arena würde 45.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Damit ging Hertha in seinen Planungen noch einmal um 10.000 Plätze runter. Bei internationalen Spielen, von denen die Herthaner zuletzt vor allem nur träumen durften bei zwei Spielzeiten Abstiegskampf, könnten 36.500 Fans ins Stadion. Die Kosten würden sich nach Angaben des bald scheidenden Schiller auf 250 Millionen Euro belaufen.

Bezahlt werden soll es mit „geringen Eigenmitteln“, einer höheren Leihe, sowie dem Rest als Hypothekendarlehen. Die Finanzierung sei absolut darstellbar, sagte Schiller. Auch wenn mehrere Jahre in der zweiten Liga gespielt würde. Die Refinanzierung erfolge ausschließlich durch Fußballspiele.

Unterstützung von Innensenatorin Spranger

„Ich bin davon überzeugt, dass Hertha ein Fußballstadion bekommen sollte“, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger, die die Stadionfrage auch zur Chefinnensache mache. Die SPD-Politikerin kündigte zu Beginn der über vierstündigen Sitzung am Freitag an, eine Steuerungs- und Projektgruppe einzuberufen, die sie leiten werde. Sie soll nach der Sommerpause im Parlament eingerichtet werden.

Sie hatte in der langjährigen Debatte um den Standort für ein reines Fußballstadion für den Berliner Bundesligisten vor einigen Wochen einen Bau am Rande des Maifelds ins Spiel gebracht. Dieses werde natürlich kleiner, nicht so groß wie das benachbarte Olympiastadion.

Ganz außen vor wäre die aktuelle Heimspielstätte übrigens auch bei dem neuen Stadion nicht. Drei Topspiele könnten dort weiterhin angepfiffen werden, so die Hertha-Überlegungen.

Protest eines Reitvereins

Um den Eingriff in die Struktur des denkmalgeschützten Maifeldes gering zu halten, soll die Südseite des Stadions nur halb so tief gestaltet werden, wodurch das neue Stadion die Ähnlichkeit mit dem Estadio Alberto Jacinto Armando von Boca bekommen würde. Eine große Leinwand am Stadion auf der Südseite soll in Berlin zudem die Möglichkeit zum Public Viewing geben.

Doch alles ist erst mal nur Planung. Vieles muss weiter besprochen, geprüft und geklärt werden. Sei es das Thema Großveranstaltungen mit hohen Lärmemissionen, die jährlich auf dem Gelände des Olympiaparks steigen würden, der Protest eines Reitvereins oder auch der Denkmalschutz. Sie hätten nicht darüber gesprochen, in Lindeneck ein Stadion zu installieren, hieß es vom Direktor des Landesdenkmalamtes, Christoph Joachim Ulrich Rauhut. Der Landeskonservator sah durchaus auch einige schwere Punkte, die einen Bau verhindern könnten. Er betonte, dass die Entwicklungen begleitet werden und denkmalverträgliche Lösungen gefunden werden müssten, damit Berlin seine Bombonera bekommt.