Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Alle Wege führen bekanntlich nach Rom, aber die nach Köpenick respektive zur Alten Försterei sind eher wie die Wege des Herrn – unergründlich. Dass die Heimspielstätte des 1. FC Union neu bebaut wird und die Eisernen am Dienstag mit ihren Plänen (19.30 Uhr/Haupttribüne) öffentlich vorstellig werden, ist bekannt. Dass das Land Berlin aber den Köpenickern bei der Zuwegung kaum unter die Arme greifen wird, eher nicht.

Osttangente als Verkehrsknotenpunkt wird frühestens 2019 angegangen

Zumindest lässt dies eine Anfrage der Grünen an den Senat (liegt der Berliner Zeitung vor) erkennen. Kurz zusammengefasst gibt es drei Probleme: Die Osttangente als Umfahrung und Verkehrsknotenpunkt hängt im Planfeststellungsverfahren fest und wird frühestens 2019 angegangen. Solange das Ostkreuz nicht fertiggestellt ist, sind zusätzliche S-Bahnen und der Einsatz von Vollzügen am Wochenende Richtung Erkner mit dichterer Taktung nicht möglich. Und die gute alte Tram kann auch erst beim Bau der Osttangente sogenannte Aufstellgleise im Bereich der Alten Försterei bekommen, wodurch mehr Straßenbahnzüge rollen könnten.

So weit, so schlecht. Kommen wir zu den guten Aussichten. In Anlehnung an das Olympische Motto wird die neue Alte Försterei, „höher, steiler, geiler!“ Das Ballhaus des Ostens soll ab 2018 zu einem maximal 35.000 Besucher (zuvor 22.012) fassenden Tempel ausgebaut werden. Durchschnittlich 20.859 Besucher passierten zuletzt die Stadiontore. Aus 3617 Sitzplätzen müssen laut DFL-Vorgaben 8000 werden. Diese zusätzlichen 4383 Stuhlschalen können nicht allein in den Sektoren vier und fünf (Wuhleseite und Gästeblock) entstehen.

Bislang beträgt das Steh-zu-Sitzplatzverhältnis 1:5,08. Künftig wäre Unions Heimat mit dem Faktor 4 bzw. 4,375 immer noch sehr speziell. Unions Vereinsbosse denken nicht im Traum daran, sich von ihrem Ideal eines klassischen Stehplatzstadions weiter entfernen zu müssen als notwendig. Grundsätzlich soll der Ausbau bei laufendem Spielbetrieb stattfinden. Womit die Bauzeit kaum in 12 bis 15 Monaten zu schaffen ist wie 2008/09 bei der Sanierung der Stehtraversen.

Sitzplätze auf der Gegengerade

Die Dächer über den drei Stehterrassen müssten angehoben werden. Auf der Gegengerade wäre dann genug Platz für weitere Logen. Die Nachfrage nach diesen Luxusboxen ist – anders als nach der Eröffnung der neuen Haupttribüne 2012 – inzwischen sehr hoch in Köpenick. Neue Sitzplätze würden dann entlang des Spielfeldes oben aufgesetzt. Wer sich das bildlich vor Augen führen möchte, sollte sich an der Gegengerade im Hamburger Millerntor-Stadion orientieren.

Wichtiger noch für die Hardcore- Fans: Der immer wieder mal diskutierte und hochgradig unbeliebte Umzug von der Waldseite hin zur Wuhle scheint ad acta gelegt. Teile der Ultras hatten sich mit dem Fanhaus planerisch auseinandergesetzt. Und das nicht etwa auf dem Lidl-Grundstück hinter der Shell-Tankstelle, sondern am Köpenicker Forst! Dort wird dann – zur Freude aller Fans – eine reine Stehplatztribüne das lautstarke Schmuckstück der neuen Alten Försterei bilden. Sozusagen eine kleine Dortmunder Südwand im knallroten Gewand.