Berlin - Dummheit ist nicht strafbar. Doch Dummheit schützt auch nicht vor Strafe. Zumindest dann nicht, wenn eine gewisse Zurechnungsfähigkeit vorausgesetzt werden kann. Wie bei jenem 35 Jahre alten Kölner Fußballzuschauer, der im Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach einen Böller in den Innenraum des Stadions geworfen haben soll. Jetzt hat eine Kommission des FC den Mann mit einem bundesweiten Stadionverbot bis 2022 belegt haben.

Zwölf Menschen wurden verletzt, mussten in einer Klinik behandelt werden. Eine Tat wie diese, ausgeführt mit einer Waffe, als die ein Böller zu gelten hat, machen sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Dafür sieht die deutsche Rechtsprechung eine Haftstrafe von mindestens drei Monaten vor.

Im Februar wurde ein Anhänger von Eintracht Braunschweig mit drei Monaten Freiheitsentzug bestraft, auf Bewährung allerdings, weil niemand zu Schaden gekommen ist. Dummheit ist offenbar stärker als die abschreckende Wirkung solcher Urteile. Diesen Schluss legt jedenfalls die Attacke von Köln nahe.

Dummheit schadet nicht nur dem Dummen selbst und vor allem jenen, die direkt betroffen, weil getroffen wurden. Sie schadet ebenso einer Diskussion, die seit geraumer Zeit im Fußball geführt wird: der Debatte um das Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien.

Böllerwürfe sind lebensgefährlich

Im Kern lautet der Vorwurf derjenigen, die Bengalos und Rauchtöpfe auf den Tribünen ablehnen, die Stadien würden in rechtsfreie Räume verwandelt. Sie sehen Gefahren für Leib und Leben. Die Befürworter dagegen halten eine lebendige Fankultur für bedroht.

Kriminelles Verhalten steht als Argument gegen Kriminalisierung. Kapitulation rufen die jene, die Verbote eingehalten sehen wollen. Kapital die anderen, die mehr als eine Millionen Euro Strafzahlungen der Bundesligisten binnen einer Saison für rausgeschmissenes Geld halten. Law and Order versus Legalize it.

Es ist eine Debatte, die dringend geführt werden muss und die nach einem tragfähigen Kompromiss verlangt. Der lässt sich nur im Dialog finden.

Im Fall von Böllerwürfen und anderen lebensgefährlichen Dummheiten gibt es nur eine Art der Verhandlung: vor Gericht.