Hatte das Gefühl, was sagen zu müssen: Thomas Kraft.
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BerlinManchmal muss es auch mal laut werden. Herthas Ersatzkeeper Thomas Kraft, 31, ist ein Anhänger dieser Kommunikationsstrategie. Oft schreit er im Training – für einige Mitspieler zu oft. Seine Motivation ist keine schlechte Laune, er will seine Kollegen antreiben. „Spannung hochhalten“, sagen Fußballer gerne. Vergangenen Freitagabend, um 21.20 Uhr, hatte der Meister der burschikosen Kraftausdrücke sein größtes Konzert in seinen neuneinhalb Jahren Dienstzeit bei Hertha BSC. 

Das Publikum war eher klein. Es war die Mannschaftskabine im Düsseldorfer Stadion. Nach dem desaströsen 0:3-Pausenstand gegen Fortuna, welcher an die 0:5-Heimpleite gegen Köln sechs Tage zuvor erinnerte, brüllte Kraft seine Kollegen an, rüttelte sie wach und forderte endlich eine Trotzreaktion. Das zeigte Wirkung Nummer 1. Hertha startete eine Aufholjagd und holte mit gütiger Mithilfe der Düsseldorfer, welche ein Eigentor und einen Elfmeter beinhaltete, noch ein 3:3. Abschlachten oder aufwachen

Lob von Trainer Alexander Nouri

„Ich bin einer der ältesten und erfahrensten Spieler bei uns und ich hatte einfach das Gefühl, etwas sagen zu müssen. So wie wir in der ersten Hälfte gespielt haben, mussten wir uns die Frage stellen, ob wir uns weiter abschlachten lassen wollen oder als Mannschaft endlich aufwachen“, erklärte Kraft nach dem Spiel.

Interimstrainer Alexander Nouri lobte den Ersatzkeeper, der für den spätestens seitdem 0:5 gegen Köln verunsicherten Stammtorwart Rune Jarstein zwischen den Pfosten stand: „Dass Thomas Kraft noch mal einen Impuls freigesetzt hat, einen Appell an die Mannschaft richtete. Großer Respekt dafür. Das hat gefruchtet.“

Wirkung Nummer 2: Der Ersatzmann kann beim Heimspiel am Sonnabend gegen Bremen auf einen Stammplatz hoffen. Die Torwartfrage ließ Nouri offen und verwies auf die Meinung von Torwarttrainer Zsolt Petry und die des Keepers selbst: „Wir werden das mit den Torhütern besprechen und dann eine Entscheidung treffen.“