Start der ukrainischen Fußball-Liga: Ein Torschütze wird zur Symbolfigur

Yegor Nazaryna erzielt für Luhansk den ersten Treffer beim 3:1-Sieg gegen Worskla. Die Botschaft im Krieg gegen Russland: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“

Yegor Nazaryna, Schütze des ersten Tores einer besonderen Saison im ukrainischen Fußball
Yegor Nazaryna, Schütze des ersten Tores einer besonderen Saison im ukrainischen Fußballimago

Oft sind es Bruchteile von Sekunden, die einen Sportler aus der Bedeutungslosigkeit entlassen. Bei dem Fußballprofi Yegor Nazaryna war das jetzt so, in der siebten Minute des Spiels seines FK Sorja Luhansk gegen Worskla Poltawa, erste ukrainische Liga, erster Spieltag. Aus dem Mittelfeldspieler, der nur Eingeweihten ein Begriff war, wurde der Schütze des ersten Tores einer besonderen Saison.

Mitten im Krieg gegen Russland setzt die Ukraine ein Zeichen, wie so oft wird der Sport zu einem Symbol – und Nazaryna zur Symbolfigur. Zufall, dass ausgerechnet er den Premierentreffer schaffte, der 25-Jährige aus Luhansk, jener umkämpften Stadt, die für die Brutalität dieses militärischen Konfliktes steht. Ein Tor wie ein Satz: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“

Schwierig ist die Lage der Liga bereits seit 2014, als Russland die Krim besetzte. In Zeiten des Krieges ist sie jedoch bizarr. 16 Mannschaften treten an. Wie einige andere Klubs kann auch Luhansk seine Heimspiele nicht im angestammten Stadion austragen, sondern muss ausweichen: nach Uschorod, Transkarpatien. Die Mannschaft gewann am Dienstag dennoch 3:1, bejubelt nur von sich selbst, denn Zuschauer lässt das Kriegsrecht nicht zu.

Die genutzten Stadien verfügen über Luftschutzräume, aufzusuchen bei Raketenalarm, von dem Nazaryna und Kollegen diesmal verschont blieben. Alarm gab es zuvor jedoch im übertragenen Sinn. Der Fußball-Weltverband Fifa legte fest, dass Profis ukrainischer Vereine ihre Verträge kündigen und ablösefrei wechseln dürfen. Nazaryna etwa könnte zu Royal Antwerpen zurückkehren, seiner bisher einzigen Station im Ausland.

Viktor Skripnik trainiert Luhansk

Ob ihn seine historische Tat davon abhalten würde, darf bezweifelt werden angesichts der Gepflogenheiten in dem Geschäft. Eher wird Viktor Skripnik ein Argument sein, zu bleiben. Nazarynas Trainer in Luhansk verfügt als ehemaliger Mittelfeldmann von Werder Bremen über wertvolle Erfahrung und mindestens ebenso wertvolle Kontakte in die attraktive Bundesliga.

Vielleicht orientiert sich Nazaryna aber auch erst mal in der Heimat, Richtung Schachtar Donezk etwa, das an diesem Donnerstag an der Auslosung zur Gruppenphase teilnimmt. Der Ausschluss russischer Klubs ließ das Team aufrücken. Wegen des russischen Angriffs kann es ebenfalls nicht im eigenen Stadion antreten.

Bei ernsthaftem Interesse an Nazaryna sollte sich Schachtar allerdings beeilen. Noch wird sein Marktwert auf eine bescheidene Million taxiert. Aber im Sport ändern sich die Dinge ja oft sehr schnell.