Berlin - Es waren Tage fast wie im Rausch. Silber, Silber, Silber und Bronze, eine Medaille überraschender als die andere. Doch diese so erfolgreiche WM im Februar in Cortina d’Ampezzo ist für die Alpinen des Deutschen Skiverbandes (DSV) schon wieder Schnee von gestern. Wenn am Wochenende im österreichischen Sölden wie alle Jahre wieder der Weltcup beginnt, wirft Olympia 2022 in Peking schon seine Schatten voraus. In jedem Rennen geht es um Qualifikation für die Spiele: Die deutschen Frauen und Männer müssen, um in Peking dabei sein zu können, im Weltcup einmal unter die ersten acht oder zweimal unter die ersten 15 kommen.

„Probleme gibt’s keine“, behauptete Alpinchef Wolfgang Maier vor den Riesenslalom-Rennen für Frauen (Sonnabend, 10+13.15 Uhr) und Männer (Sonntag, 10+13.30 Uhr, ARD und Eurosport) am Wochenende in Sölden mit einem Schmunzeln. Das ist eine Frage der Perspektive, denn tatsächlich stehen die Deutschen zum Saisonbeginn so gut nun auch nicht da: Von dem Quintett, das der DSV in diese ersten beiden Rennen schickt, sind jedenfalls keine Wunderdinge zu erwarten.

Stefan Luitz und Alexander Schmid garantieren keinen guten Start

Für Andrea Filser, immerhin WM-Dritte mit der Mannschaft, Marlene Schmotz und Julian Rauchfuß geht es zunächst mal darum, sich überhaupt für den zweiten Lauf der besten 30 zu qualifizieren. Die Qualifikation für Olympia scheint beim umstritten frühen Saisonstart auf dem Gletscher am Rettenbachferner erst recht nicht erreichbar. Auch die zwei Spitzenfahrer Stefan Luitz und Alexander Schmid garantieren keinen guten Saisonstart.

Luitz und Schmid wurden bei der WM ebenfalls mit Bronze im Team-Wettbewerb dekoriert, doch Sölden ist wohl nicht viel mehr als ein Aufwärmprogramm ohne große Aussicht auf Erfolg. Luitz hat auf dem Rettenbachgletscher als bestes Resultat einen 14. Platz vorzuweisen, blickt aber dennoch positiv auf den ersten Wettkampf des olympischen Winters. „Ich freue mich auf den Auftakt und möchte mit vollem Einsatz, Attacke und Selbstvertrauen gut Skifahren“, sagte Luitz. Die Vorbereitung im Sommer sei gut gewesen.

Der Allgäuer geht mit neuem Material an den Start. „Ich habe ein Setup gefunden, habe Kilometer gemacht und fühle mich wohl auf den Ski“, sagte er nach den Trainingstagen auf dem Hang in Sölden. Schmid, der bei der WM drauf und dran war, auch im Riesenslalom eine Medaille zu holen, laboriert seit dem Beginn des Sommertrainings an einer lästigen Sehnenreizung im linken Knie. „Das Rennen in Sölden kommt zwar ein bisschen zu früh, aber ich möchte beim Auftakt auf jeden Fall dabei sein“, sagte er.

Spitzenresultate erhofft sich Maier dennoch von den „Technik-Jungs“, zu denen er auch Linus Straßer zählt. Für den geht der Weltcup aber erst mit den Slaloms ab Ende Dezember so richtig los. Erfolg versprechen daher zunächst die starken Abfahrer um die WM-Zweiten Romed Baumann (Super-G) und Andreas Sander (Abfahrt), die aber auch erst Ende November in Nordamerika in den Weltcup eingreifen.

„Das ist so weit gut, was wir da machen“, sagte Maier über die Männer, allerdings bleibt die Ungewissheit über die sportliche Zukunft von Thomas Dreßen. Der beste deutsche Abfahrer und Kitzbühel-Sieger von 2018 kämpft um die Fortsetzung seiner Karriere. Er laboriert an den Folgeschäden eines kapitalen Sturzes Ende November 2018 in Beaver Creek/USA. Sein rechtes Knie ist seitdem geschädigt. Wann und ob er überhaupt zurückkommt, ist fraglich. „Mich interessiert gerade kein Zeitplan, mich interessiert nur, was fürs Knie sinnvoll ist. Da geht es nicht darum, ob ich ein Rennen früher oder später zurückkomme, sondern darum, dass das Knie überhaupt wieder wird“, sagte er vergangene Woche.

Erst einmal ohne Thomas Dreßen und Josef Ferstl

Es ist längst nicht der einzige Rückschlag für die alpinen Herren. Auch Josef Ferstl wird aufgrund einer Beinverletzung die nächsten Wochen ausfallen. Der Kitzbühel-Sieger von 2019 hatte sich am Montag im Riesenslalomtraining einen Faszienriss im Oberschenkel zugezogen, wie der 32-Jährige am Dienstag auf Instagram mitteilte. „3 bis 4 Wochen Zwangspause“, schrieb Ferstl. Dazu postete der Traunsteiner ein Bild aus einem Behandlungszimmer des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, auf dem auch sein dick bandagierter Oberschenkel zu sehen war.

Und bei den Frauen? „Da haben wir derzeit halt nur die Kira“, sagt Maier über Kira Weidle, Sensations-Zweite bei der WM-Abfahrt. Auch sie wird aber erst im Dezember in Nordamerika in den Weltcup einsteigen. Und so bleibt Maier erst mal nur sein Standardspruch über Sölden: „Wenn wir gut fahren, sagen wir, wir haben alles richtig gemacht, wenn wir nicht so gut fahren, sagen wir, jetzt haben wir noch ein bisschen was zu tun.“