BerlinDiesen Tag haben die Profis der Eisbären lange herbeigesehnt. Wenn sie am Freitagabend, um 19.30 Uhr, im Wellblechpalast zu Hohenschönhausen auf die Schwenninger Wild Wings treffen, ist das noch nicht der offizielle Saisonstart für die Berliner. Dennoch fühlt sich der erste Auftritt im sogenannten MagentaSport Cup, benannt nach der übertragenden Internetplattform, an wie der Start in eine neue Phase dieses bislang so schwierigen Eishockeyjahres. „Für uns beginnt die Saison an diesem Freitag“, sagt entsprechend Stürmer Parker Tuomie, der die Eisbären seit dem Sommer verstärkt.

Dieses Turnier, das am Mittwochabend mit der Partie zwischen den Fischtown Pinguins und den Krefeld Pinguinen (3:1) begonnen hat, soll am 12. Dezember einen Sieger finden. Zum einen sind diese 32 Tage als eine Art Generalprobe zu verstehen für den Start in die richtige Saison, der nach zweimaliger Verschiebung kurz vor Weihnachten dann endlich erfolgen soll. EHC-Trainer Serge Aubin hebt allerdings auch den Wettbewerbscharakter hervor. Er sagt: „Du musst Spiele gewinnen, um weiterzukommen. Das ist ein ungewöhnliches Turnier, aber wir leben in einem ungewöhnlichen Jahr, wir nehmen das gerne mit.“

Die Branche vermittelte Verzagtheit

Wichtig werden die sechs Gruppenspiele – die Gegner heißen Schwenningen, Mannheim und München – und die avisierte K.-o.-Runde auch, um den Fortschritt nach sieben Wochen Training zu überprüfen. „Wir haben schon die ganze Zeit über Videoschulungen, wo uns das Trainerteam aufzeigt, wo was gut klappt oder schiefgeht“, sagt Routinier Frank Hördler, 33, der die Mannschaft als Kapitän anführen wird. „Aber es fehlt bislang einfach die Konstanz durch die großen Pausen zwischen den Spielen.“ Fünf Tests haben die Berliner bestritten, davon drei gewonnen und zwei verloren, das letzte Spiel in Bad Nauheim liegt bereits zehn Tage zurück. Am vergangenen Wochenende weilten neun Teamkollegen beim Deutschland Cup in Krefeld.

Der Spielrhythmus des Turniers, bei dem acht Vereine aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vertreten sind, weicht vom Spielbetrieb in der Liga ab. Dennoch bringt er den Spielern und auch den Fans das Gefühl zurück, dass ihre Sportart noch lebt. Während die anderen großen Mannschaftssportarten mit unterschiedlichen Konzepten und Modellen bereits Aufmerksamkeit generieren konnten, vermittelte die Branche vor allem Verzagtheit. Was an den Eisbären natürlich auch nicht spurlos vorübergegangen ist.

Hördler, der 2003 seine erste Saison für die Berliner bestritt und als Letzter der einst so erfolgreichen Meisterära übriggeblieben ist, kennt die Stunden des Triumphs genau wie die Momente der Enttäuschung. Der Verteidiger war in seiner Karriere aufgrund von Verletzungen zu Zwangspausen gezwungen. Monate ohne konkrete Perspektive, wie es für sich und die Kollegen weitergeht, empfand er als überaus belastend. Entsprechend hat sich auch die Wahrnehmung des Alltags verändert. „Wir haben gelernt, nicht so weit nach vorne zu schauen, sondern uns auf das zu konzentrieren, was als Nächstes vor uns liegt“, sagt er. „Man lernt, Kleinigkeiten mehr wertzuschätzen.“ Das gilt familiär wie sportlich.

Dass Hördler die Eisbären nun als Kapitän aufs Feld führt, spricht für die Wertschätzung, die ihm das Trainerteam und die Kollegen entgegenbringen. Nach 17 Jahren hatten sich die Wege der Eisbären und seines Vorgängers und langjährigen Weggefährten André Rankel getrennt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Amt eines Tages übernehme“, sagt er. Eine Rolle, die vor allem wichtig werden dürfte, wenn im Dezember tatsächlich der reguläre Spielbetrieb beginnen sollte.

Die Vereine gehen ein Wagnis ein

Die letzten Signale deuten darauf hin, dass ein Großteil der Vereine bereit ist, das Wagnis einzugehen, zur Not auch mit Geisterspielen loszulegen. Obwohl das Eishockey mehr noch als die anderen großen Mannschafts-Hallensportarten auf Zuschauereinnahmen angewiesen ist. „Die jüngsten Infos treiben die Motivation unglaublich hoch“, weiß Hördler.

Dass ein Eisbären-Spiel in einer leeren Arena eine gänzlich andere Veranstaltung ist als eine Eishockeyparty, bei der die Fans lauthals „Wir wollen die Eisbären sehen“ schmettern und ihrem Team vom ersten Bully bis zur Schlusssirene zur Seite stehen, ist allen Beteiligten klar. Dennoch steht zunächst mal eines im Vordergrund: „Die Jungs wollen rausgehen und das machen, was sie lieben“, sagt Trainer Aubin. Und auch deshalb ist das Spiel gegen Schwenningen am Freitag nicht zu unterschätzen.