Berlin - Peter Knäbel statt Ralf Rangnick. Die pannenreiche Suche des FC Schalke 04 nach einem neuen Sportvorstand ist zu Ende. Nach der bitteren Absage von Wunschlösung Rangnick setzt das abgeschlagene Tabellenschlusslicht der Fußball-Bundesliga nicht unerwartet auf eine interne Lösung und befördert Peter Knäbel zum Vorstand Sport und Kommunikation. Das teilte der Revierclub am Mittwoch offiziell mit. Der 54-Jährige war seit 2018 als Technischer Direktor für den Juniorenbereich auf Schalke tätig und übernahm nach der Trennung von Jochen Schneider am 28. Februar interimistisch dessen Aufgaben.

„Zusammen mit meinem Team will ich nun alles dafür tun, dass wir unsere Kräfte bündeln, um gemeinsam eine erfolgreichere Zukunft von Schalke 04 zu gestalten“, sagte Knäbel in der Mitteilung. Der Verein lud am Mittag zu einer digitalen Pressekonferenz (13 Uhr) ein. „Peter Knäbels Arbeit ist geprägt von strategischem Denken und einer klaren Handschrift. Wir haben großes Vertrauen, dass er den Umbau der Lizenzspielerabteilung erfolgreich leiten wird“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Buchta zu der Entscheidung.

Buchta hatte sich bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand in den vergangenen Wochen salopp formuliert eine blutige Nase geholt, als eine Initiative öffentlichkeitswirksam vorpreschte und Ralf Rangnick ins Spiel brachte. Im Zuge dessen offenbarte sich ein großer Dissens im Aufsichtsrat. Dem Vernehmen nach war auch Rouven Schröder ein Kandidat, der sich im vergangenen Dezember nach dreieinhalb Jahren vom FSV Mainz getrennt hatte. Der 45-Jährige stand aber laut Informationen des Fachmagazins Kicker nicht mehr zur Verfügung.

Auf Knäbel wartet jede Menge Arbeit. Schließlich steht nach dem wohl kaum noch vermeidbaren Abstieg ein radikaler Umbau des Kaders an. Dabei ist angesichts des hohen Schuldenstandes von rund 240 Millionen Euro viel Einfallsreichtum vor allem bei der Entwicklung von Talenten gefragt. Nicht zuletzt deshalb kam Knäbel seine Erfahrung im Juniorenbereich zugute.

Der in Witten geborene ehemalige Profi, der nach dem Ende seiner Profikarriere beim FC Basel und beim Schweizerischen Fußballverband Technischer Direktor war und weitere Erfahrungen als Sportdirektor beim Hamburger SV sammelte, tritt sein neues Amt mit einem Handicap an. Nach Meinung vieler Fans, die sich in einer Online-Petition mit über 50.000 Unterschriften für die Rückkehr des einstigen Trainers Rangnick stark gemacht hatten, dürfte Knäbel nur die zweite Wahl sein.

Es spricht für Knäbel, dass er als Sportdirektor beim HSV 2015 bewies, dass man auch mit einem abgespeckten Etat einen negativen Trend stoppen kann. Obwohl die Aufwendungen für den Profikader um zehn Millionen Euro reduziert wurden, beendeten die Hamburger nach zuvor zwei Jahren in der Relegation die Saison als achtbarer Zehnter. Gleichwohl läutete die peinliche „Rucksack-Affäre“ das vorzeitige Ende seiner Tätigkeit an der Elbe ein.