Stefan Bötticher will bei der Bahnrad-WM in Berlin viele schnelle Runden drehen.
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Berlin - Stefan Bötticher betrachtet Stefan Bötticher. Der eine trägt lange Hose und Hemd, der andere ist in Arbeitskluft auf einem Foto zu sehen: im schwarz-rot-goldenen Trikot und Seite an Seite radelnd mit dem Australier Matthew Glaetzer, seines Zeichens Weltmeister im Bahnradsprint von 2018.

Ende Februar werden sich beide möglicherweise erneut duellieren. Dann im Berliner Velodrom. Denn vom 26. Februar bis 1. März wird zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder eine Weltmeisterschaft im Bahnradsport in der Hauptstadt ausgetragen, für die jenes Plakat mit Bötticher und Glaetzer wirbt. Nach der Europameisterschaft 2017, dem Weltcup 2018 und der Deutschen Meisterschaft im Vorjahr ist die WM das vierte Radsport-Highlight im Berliner Velodrom in den vergangenen Jahren, lobt der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping. Zur WM in diesem Jahr werden Radsportler aus 40 Ländern erwartet.

Bötticher plagten gesundheitliche Probleme

Die Chancen der deutschen Bahnradsport-Elite sind schwer einzuschätzen. Zu groß war die Dominanz vor allem der Niederländer in den vergangenen Jahren. Doch zu dem erweiterten WM-Kader, den der BDR am Montag präsentierte, gehören mit Theo Reinhard und Roger Kluge die amtierenden Weltmeister im Zweiermannschaftsfahren (Madison), ebenso medaillendekorierte Athleten wie der olympische Bronzemedaillengewinner Maximilian Levy und die vierfache Weltmeisterin Lisa Brennauer sowie die aufstrebende Jugendfraktion im Frauensprint mit Lea Sophie Friedrich, Pauline Grabosch und Emma Hinze. Auch Stefan Bötticher schaffte den Sprung in das erweiterte Aufgebot. Er könnte im Velodrom gleich in drei Disziplinen an den Start gehen, im Sprint, im Teamsprint und im Keirin.

Der 28-Jährige war 2013 Weltmeister im Sprint und Teamsprint sowie 2018 Dritter der Europameisterschaft geworden. Dazwischen aber lagen schwierige Jahre mit gesundheitlichen Problemen. „Das ist zum Glück längst vorbei, ich fühle mich wieder sehr gut in Form und möchte mit um die Medaillen sprinten“, sagt er. Ein bisschen sei es sogar so wie 2013, „aber damals war ich viel unbekümmerter als heute“.

In diesem Jahr geht es in Berlin nicht nur um WM-Medaillen, sondern auch darum, die letzten wichtigen Qualifikationspunkte für einen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Tokio zu holen. „Ich bin jetzt 28 und es ist vielleicht die letzte Chance für mich, bei Olympia dabei zu sein“, sagt er. Das erhöhe den Druck. Der Fokus in Berlin liege auf dem Teamsprint. Die deutschen Sprinter wollen mit einem guten Abschneiden möglichst viele Startplätze für Tokio sichern. Da ist es von Vorteil, wenn man die Bahn besser kennt als die Konkurrenz.