Stephan Fürstner, 29, erlebt in diesen Tagen ein Déjà-vu. Wie schon vor vier Jahren steht der Mittelfeldspieler nach 22 Spieltagen mit seinem Team nämlich auf Platz drei der Zweitliga-Tabelle, mit dem klitzekleinen Unterschied, dass er damals mit Greuther Fürth zu diesem Zeitpunkt der Saison drei Punkte mehr gesammelt hatte als mit dem 1. FC Union in dieser Spielzeit. Mit seinen Erfahrungswerten ist er also nicht nur für die Mitspieler und den Trainer, sondern vor dem Heimspiel heute Abend gegen Würzburg auch für die Berliner Zeitung der perfekte Ansprech- beziehungsweise Gesprächspartner. Ach ja, auch weil Fürth am Ende der Saison 2011/12 Zweitligameister in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Herr Fürstner, Sie wissen, was zu tun ist, um in die Erste Liga aufzusteigen …

… wir müssen möglichst viele Punkte holen.

Dachte ich mir.

Okay, der Schlüssel zum Erfolg ist sicherlich, ganz bei sich zu bleiben. Also die ganzen Störmomente auszublenden, mit denen man jetzt konfrontiert wird. Man muss aber auch demütig sein; muss zugleich aber auch schauen, dass man weiterhin die Gier hat und die Freude am Spiel nicht verliert.

Klingt kompliziert. Ist Yoga das richtige Mittel? Immerhin stand es am Dienstag mal wieder auf dem Trainingsplan.

Nur mit Yoga wird es bestimmt nicht klappen. Aber so ein guter Mix aus An- und Entspannung tut uns bestimmt allen gut. Und auf eine gewisse Art und Weise beflügelt uns das bestimmt.

Kann man das mit dem Demütigsein jüngeren Spielern verklickern?

Demut hat jeder in sich. Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht. Und so sind in diesem Moment die Trainer und die älteren Spielern, die so etwas womöglich schon mal erlebt haben, natürlich gefragt, dass man diese Erfahrungswerte weitergibt. Aber eins steht über allem: Man muss allen klarmachen, dass es sich lohnt, hier und jetzt alles zu investieren.

Am vergangenen Freitag gegen die Löwen war nach dem 2:0 plötzlich alles anders. Der Torjubel, die Reaktion der Fans – alle haben in diesem Moment gespürt, dass der Aufstieg nicht nur ein Traum, sondern eine Möglichkeit ist.

Es war ein besonderes Spiel, das steht außer Frage. Freitagabend, diese besondere Atmosphäre, und dann werden wir für den hohen Aufwand, den wir gegen eine schwer zu bespielende Mannschaft betrieben haben, mit diesem 2:0 belohnt – das hat sicher besondere Emotionen freigesetzt. Und es war tatsächlich ein besonders leidenschaftlicher Moment. Aber alle müssen jetzt weiterhin auf Anschlag sein.

Sie sind mit Fürth vor vier Jahren in die Bundesliga aufgestiegen, ein Verein, der zuvor auch nie in der Bundesliga gespielt hatte und sich deshalb besonders nach ihr sehnte. Es gibt also Parallelen zu Union, oder?

Von der Situation, wie man in die Saison gestartet ist, gibt es bestimmt Parallelen. Man hat eine gute, sehr gut funktionierende Mannschaft, die eine gute Hinrunde spielt. Und dann nach der Winterpause entwickelt man so einen Glauben. Und plötzlich ist auch das Gefühl da, dass man das schaffen kann, dass man Teil dieser Geschichte werden kann. Und Woche für Woche bestätigen wir dann auch noch dieses Gefühl durch Leistung. Insofern sind sicher Parallelen da. Ich erzähle ja immer noch gerne von dieser Zeit mit Greuther Fürth. Wie sie einen bewegt und geprägt hat. Und da hätte ich wirklich noch mal Bock, bei so einer Geschichte dabei zu sein.

Die Rahmenbedingungen sind aber doch ein wenig anders.

Sicher, in Fürth waren wir immer die Kleinen, die Unaufsteigbaren, die zwar immer eine gute Rolle gespielt haben, mehr aber auch nicht. Deshalb hat auch immer ein Tick Selbstbewusstsein gefehlt, weil man sich kleiner geredet hat, als man war. Hier bei Union ist das ein bisschen anders. Wir haben uns klar positioniert. Und wir haben eine andere Stadt dahinter; auch noch mal ein anderes Stadion, was immer noch ein paar Prozent bringt.

Was hat sich im Team seit der Winterpause de facto verändert?

Wir haben in den Bereichen an uns gearbeitet, die wir verbessern mussten und konnten. Und da gab es ja einige, was für den Außenstehenden gar nicht so leicht auszumachen ist. Wir haben viel an der Fitness gearbeitet, weil das die Basis für unser laufintensives Spiel ist, aber auch daran, wie man als Mannschaft noch besser zusammenarbeitet. Und das ist jetzt tatsächlich zu erkennen. So macht jedenfalls das Quälen mehr Spaß.

Was hat sich dadurch für Sie auf Ihrer Position, also im zentralen defensiven Mittelfeld, verändert?

Das Spiel läuft jetzt viel öfter vor mir ab, weil wir nicht mehr so häufig dieses Kick and Rush haben. Man hat nicht mehr so oft den Vollsprint in beide Bewegungen, weil wir wesentlich mehr in die frühe Balleroberung investieren. Mit unseren drei Angreifern, die enorm schnell sind, ständig anlaufen und Ballverluste provozieren. So bleibt viel weniger bei uns in der Defensive hängen. Das ist wirklich ein Segen.

Sie haben schon Bundesliga gespielt, haben also eine Ahnung davon, was ihren Reiz ausmacht. Das noch mal erleben zu dürfen …

… ist sicherlich mein großer Ansporn. Man hat sich als Kind ja beim Fußball angemeldet, um sich eines Tages in der besten deutschen Liga zeigen zu dürfen. Und diese Sehnsucht treibt einen immer noch an.

Das Gespräch führte Markus Lotter.