Die Oberliga-Mannschaft von Stern 1900 spielt ganz normal, Frauen, Junioren, Kinder und Herren unterhalb der Berlin-Liga dürfen bislang nur in einer einfachen Runde antreten.
Foto: Matthias Koch

BerlinDie gute Nachricht für Amateurfußballer kam diese Woche vom BFV, dem Bayerischen Fußball-Verband. Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und Präsident des BFV teilte mit, im Freistaat habe der Ministerrat beschlossen, „dass der Wettkampfspielbetrieb im bayerischen Amateurfußball mit einer begrenzten Zahl an Zuschauern analog zum Kulturbetrieb zum geplanten Datum am 19. September 2020 im Freistaat wieder aufgenommen werden kann. Diese Erlaubnis gilt für Frauen und Männer, Juniorinnen und Junioren.“ BFV und Vereine hatten sich abgestimmt, zusammengearbeitet, die politisch Verantwortlichen überzeugt, die unterbrochene Saison wie gehabt zu Ende zu spielen.

Bei einem anderen BFV, dem Berliner Fußball-Verband dagegen, rebelliert die Basis weiter. Der Verein SFC Stern 1900 hat vor dem BFV-Sportgericht Einspruch gegen die vom BFV verordnete „einfache Runde“ eingelegt. Der Klub und sein Präsident Bernd Fiedler fordern eine Rückkehr zum alten Rahmenterminkalender. „Änderungen mit so weitreichenden Beschlüssen wie im ‚10-Punkte-Plan‘ den Vereinen vom Präsidium mitgeteilt, durften wegen des nicht vollständig besetzten BFV-Beirates schon deshalb nur über einen weiteren außerordentlichen BFV-Verbandstag vorgenommen werden“, lautet der formale Vorwurf. „Die Mitgliedschaft in unserem Verein rebelliert regelrecht“, sagt Fiedler, „weil das Präsidium des BFV völlig an der Basis vorbei eine Entscheidung getroffen hat.“

Am 1. September hatte der BFV verkündet, unterhalb der Berlin-Liga sei für Männer, Frauen und Junioren lediglich eine Einfachrunde der Saison 2020/2021 spielbar: Lediglich drei Spiele pro Tag seien pro Sportplatz erlaubt, Duschen dürfte nicht benutzt werden. Am 5. September begann der Spielbetrieb. „Alternativlos, wie Präsident Bernd Schultz gesagt hat, ist diese Entscheidung nicht“, meint Fiedler. Das sei nur alternativlos, wenn man die Beamten der Sportämter gewähren lasse. Hauptkritikpunkt sind die von den Sportämtern diktierten drei Spiele pro Tag.

Laut Fiedler habe der BFV in Berlin, anders als der BFV in Bayern, absolut verpasst, das Votum der Vereine einzuholen. „Aber wenn man gegenüber der Politik nicht bereit ist, Druck aufzubauen, passiert nichts“, sagt der Steuerberater, der seit 1989 dem SFC Stern 1900 in Steglitz-Zehlendorf vorsteht. Er ist schon öfter als Kritiker von BFV-Präsident Bernd Schultz in Erscheinung getreten. Auch jetzt, wo das Präsidium vom BFV-Sportgericht dazu aufgefordert ist, bis kommenden Dienstag eine Stellungnahme zum Einspruch abzugeben, sagt Fiedler: „Ich habe gehört, dass Schultz Ende der Woche drei Wochen im Urlaub ist. Er war weg, als es um die Schiedsrichter ging, er war weg, als es um den Rücktritt seines Vizepräsidenten ging. Krise kann der BFV nicht.“

Am Donnerstag kommender Woche will das BFV-Sportgericht über die Klage von Stern 1900 entscheiden. Fiedler hätte bei einer Abweisung die Möglichkeit, vor das Verbandsgericht zu gehen. „Die Mütter und Väter in den Vereinen fragen: Wofür zahlen wir noch Beitrag? Alle sind demotiviert. Die Gastronomie hat deutlich weniger Publikum. So gehen die kleinen Vereine kaputt.“ Die Reaktionen, die er auf die Klage bekommen habe, sagt Fiedler, lauteten: „Endlich mal nicht nur Worte, sondern eine Tat.“