Steven Skrzybski vom 1. FC Union Berlin: Ein Mann mit einer erstaunlichen Präzision

Berlin - Er weiß natürlich sofort, auf welche Frage ein Gespräch mit so einem Arbeitstitel hinausläuft. Es ist die Frage, die man als Journalist einem wie Steven Skrzybski in diesen Tagen nun mal zu stellen hat.

Denn der 24-jährige Offensivmann wollte sich bis dato ja noch nicht festlegen, ob er da bleibt, wo er nicht nur als Kind, sondern als Fußballspieler groß geworden ist; oder ob er schon im kommenden Sommer dahin geht, wo man als Mann und als Fußballspieler womöglich noch viel schneller noch viel größer werden kann. Der Arbeitstitel des Gesprächs, das im Presseraum des 1. FC Union geführt worden ist, lautet: Veränderung.

Nicht mehr nur Mitläufer

Weil kein anderer im Kader des Zweitligisten innerhalb kürzester Zeit so an Qualität gewonnen hat wie er, ist für den gebürtigen Berliner ja plötzlich alles doch ein bisschen anders. Bei den Eisernen ist er nicht mehr nur Mitläufer, sondern Vorarbeiter, nicht mehr nur ein Versprechen, sondern ein Macher.

Einer, der auch am Sonntagnachmittag (13.30 Uhr) in das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden  mit der Überzeugung geht, dass er es mit seiner Klasse für sein Team entscheiden kann. Vielleicht sogar mit seinem achten Saisontreffer oder mit seinem vierten Assist.

Entspannt, wiewohl selbstbewusst

Zu diesem Wandel passt auch sein entspannter, wiewohl selbstbewusster Auftritt in dieser Unterhaltung. Schon auf die Frage, wie sich aus seiner Sicht beim 1. FC Union in den vergangenen Jahren der Fußball, also das Spiel an sich verändert habe, gibt er Antworten von erstaunlicher Präzision und Entschiedenheit. Das hört sich dann so an: „Unter Jens Keller gibt uns das Trainerteam einen klaren Plan mit an die Hand. Mit dem Hinweis, dass man noch erfolgreicher sein wird, wenn man sich an diese Prinzipien hält.

Und diese Prinzipien sollen uns ja auch als Mannschaft charakterisieren – vielleicht sogar den Verein.“ Oder eben so: „Man muss daran arbeiten, dass man noch flexibler reagieren kann, dass es nicht nur ein Schema gibt, an dem wir uns abarbeiten können, sondern das wir uns zusammenraufen und der eine für den anderen mitdenkt.“ Und schließlich kommt er  - und das darf Coach Keller natürlich als Lob verstehen - zu folgendem Schluss: „Ja, man kann schon sagen, dass das  definitiv der modernste 1. FC Union ist, den es jemals gab.“

Aber reicht das, um ihn in Köpenick zu halten? Ist der Verein zu ähnlichen Entwicklungssprüngen in der Lage wie er selbst?

Er wollte nie weg

Seit 2001 ist er im Klub; wollte nie weg, auch nicht, als man ihn im Rahmen eines Leihgeschäftes zur Fortbildung schon mal zu einem anderen Zweit- oder gar einem Drittligisten schicken wollte. 2010 gab er sein Debüt bei den Profis, als die Kiste Bier bei der unmittelbaren Nachbetrachtung in der Mannschaftskabine noch Tradition und  noch nicht Tabu war. Seit Ende 2014, unter Norbert Düwel, wurde er endlich als Stammspieler wahrgenommen, wenngleich immer noch nicht als Führungskraft.

Eisern Union, das gilt für ihn im wahrsten Sinne des Schlachtrufs, was auch bei seiner Sicht auf die Veränderungen im Klub zum Ausdruck kommt. „Die Strukturen sind im Vergleich zu meiner Anfangszeit bei den Profis nicht mehr wiederzuerkennen, aber eines bleibt: Das sind die Menschen, die man im Laufe der Jahre kennengelernt hat und von denen immer noch sehr viele hier im Klub arbeiten“, sagt Skrzybski, der sein Umfeld offensichtlich genau beobachtet,  auch das, was sich auf den Tribünen tut.

„Wenn der Verein hohe Ansprüche hat, überträgt sich das natürlich auch auf die Fans. Und dementsprechend verändert sich natürlich auch die Erwartungshaltung. Was dazu führt, dass bei einem Spiel gegen den Drittletzten der Liga und einer schwachen Anfangsphase schon mal Unruhe aufkommt. Das wäre früher nicht der Fall gewesen, ist aber ganz normal, wenn man solche Ambitionen hat wie wir.“

Er lässt sich nicht locken

Stichwort Ambitionen. Also, Herr Skrzybski, welcher der folgenden proportionalen Satzverbindungen ist näher an der Wahrheit dran? Erstens: Je erfolgreicher Union in der Rückrunde  ist, desto wahrscheinlicher wird eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2018 hinaus. Oder zweitens: Je erfolgreicher Steven Skrzybski  in der Rückrunde der Zweiten Liga ist, desto unwahrscheinlicher wird eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2018 hinaus.

krzybski lässt sich natürlich nicht locken, sagt nur Folgendes: „Ich mache meine Entscheidung nicht nur vom Ausgang dieser Saison abhängig, nur ein Stück weit. Aber das besprechen wir intern ganz in Ruhe. Das ist ja das Schlimmste: Wenn man pokert, dadurch die Leistung nachlässt und schließlich auch die Mannschaft darunter leidet. Dass der Traum vom Aufstieg, den wir haben, durch so etwas unmöglich wird. Das könnte ich mir nie verzeihen.“