Paris - Es verging in den vergangenen Monaten kaum eine Woche, in der es keine Neuigkeiten von Naomi Osaka gab. Hier ein neues Cover-Shooting, da ein weiterer Sponsorenvertrag. Die 23 Jahre alte Japanerin ist der Tennis-Superstar, auf den die Damen-Tour WTA so lange voller Sehnsucht gewartet hat. Zwar gibt es da immer noch Serena Williams, doch hinter der inzwischen auch schon 39 Jahre alten Amerikanerin klafft eine große Lücke.

Osaka will einen anderen Umgang herbeiführen

Die ständig wechselnden Grand-Slam-Turnier-Siegerinnen zeugen zwar von einem spannenden Wettbewerb, trugen aber lange nicht dazu bei, dass sich eine Spielerin als neues Aushängeschild positionieren konnte. Erst Osaka, inzwischen vierfache Grand-Slam-Turnier-Siegerin und mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 37 Millionen Dollar bestbezahlte Sportlerin der Welt, schlüpfte in die Rolle als neues Role Model der Branche. Vor allem, weil Osaka, Vater aus Haiti und Mutter aus Japan, auch abseits des Platzes etwas zu sagen hat.

Im vergangenen Jahr sorgte sie beim von Cincinnati nach New York verlegten Turnier für Aufsehen, als sie zum Halbfinale zunächst nicht antrat, um auf die Polizei-Gewalt gegen Schwarze in den USA aufmerksam zu machen. An jenem Tag wurden daraufhin alle Matches abgesagt. Bei den danach folgenden US Open trug sie rund um jedes Spiel eine Maske, auf der der Name eines Opfers geschrieben stand.

Osaka erhält Geldstrafe von 15.000 Euro

Osakas Worte haben Gewicht und Substanz – umso trauriger, dass die Nummer zwei der Welt während der French Open mit Ausnahme der kurzen Siegerinterviews nach den Spielen schweigt. Ein paar Tage vor dem zweiten Grand-Slam-Turnier der Saison kündigte die Japanerin völlig überraschend in den sozialen Medien an, dass sie in Paris nicht mit Journalistinnen und Journalisten reden werde. Sie wolle damit auf die mentalen Anstrengungen hinweisen, denen die Tennisprofis in ihren vielen Pressekonferenzen ausgesetzt sind.

Im Tennis ist es so, dass die Topstars dazu verpflichtet sind, nach jedem Spiel zur Pressekonferenz zu erscheinen. Anders als im Fußball, wo sich Superstars wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo auch einmal wortlos davonschleichen können, wenn ihnen nicht nach reden zumute ist, müssen Osaka und Co. zu den Medienrunden erscheinen – sonst gibt es eine Geldstrafe.

So ziemlich jeder Top-Profi hat eine solche Geldbuße auch schon mal in Kauf genommen, wenn er nach einer bitteren Niederlage keine Lust auf die Fragerunde hatte. Doch Osakas Boykott hat eine neue Dimension, weil es eine bewusste Entscheidung ist und keine aus der Emotion heraus. Und nach wie vor rätseln fast alle in der Branche, was wirklich die Beweggründe der Japanerin sind. Einen speziellen Vorfall gab es zuletzt eigentlich nicht, weshalb sich die Solidarität der Kolleginnen und Kollegen auch in Grenzen hält.

Die Macher der vier Grand-Slam-Turniere erhöhten am Sonntag den Druck auf Osaka. Für das Schwänzen der PK gab es 15.000 Dollar Strafe. Für den Fall, dass die viermalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin auch im weiteren Verlauf des Sandplatz-Events die Medien boykottiert, drohen weitere, deutlich härtere Sanktionen. Auch ein Ausschluss von den French Open und eine Sperre bei folgenden Grand Slams wurden ausdrücklich nicht ausgeschlossen.