Berlin - Am späten Dienstagabend konnte Joachim Gärtner, der vielbeschäftigte Vorsitzende des Spielausschusses des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) durchatmen. Sein Konzept, den nach zwei Runden wegen der Pandemie abgebrochenen Berliner Pokalwettbewerb (AOK-Pokal) doch noch zu Ende zu bringen, wurde angenommen. Auf einer außerordentlichen Beiratssitzung des BFV gab es 25 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen. Noch kurz zuvor stand das Konstrukt aber auf der Kippe. Was war passiert?

Berlin muss und will ja einen Vertreter – den Pokalsieger – für den nationalen DFB-Pokal melden. Nach der Unterbrechung des Wettbewerbs befanden sich noch 32 Teams im Wettbewerb, darunter fünf Regionalligisten. Letztere – Cupverteidiger VSG Altglienicke, Viktoria 89, der BFC Dynamo, der Berliner AK und Tennis Borussia – haben vom Senat eine Spielerlaubnis erhalten, die anderen 27 Mannschaften, von der Oberliga bis zur Kreisliga A, können wegen der Corona-Bestimmungen bis auf Weiteres nicht spielen.

2400 Euro Entschädigung für die Vereine, die verzichten

Nach zwei Videokonferenzen hatten sich alle nach heftigen Diskussionen auf einen Modus geeinigt. Der Cupsieger wird unter den Regionalligisten ausgespielt, die anderen Vereine verzichten und erhalten jeweils eine Entschädigung von 2400 Euro. Der Senat hat eine Ausnahmegenehmigung für vier Pokalspiele im Mai erteilt: ein Viertelfinale am 15. Mai, zwei Halbfinals am 22. Mai und das Endspiel am 29. Mai, dem „Tag der Amateure“ mit TV-Live-Übertragung in der ARD. Bereits am zurückliegenden Freitag sollte das Viertelfinale ausgelost werden, drei Teams kämen automatisch ins Halbfinale per Freilos

Trotz der Zustimmung zu diesem umstrittenen Modus aller Beteiligten hagelte es auch harsche Kritik. So bezeichnete etwa BFC-Cheftrainer Christian Benbennek den Vorschlag als „merkwürdig“ und wies darauf hin, dass sich alle in Kurzarbeit befinden. Alles müsse komplett hochgefahren werden – „und das kostet!“

Dann kam der Plan des BFV ins Stocken, da plötzlich der Oberligist Blau-Weiß 90 die Auslosung stoppte und forderte, doch noch am Wettbewerb teilnehmen zu können. Die Politik stuft nur die Regionalliga als semiprofessionell ein, die Oberliga nicht. Doch Blau-Weiß-Präsident Michael Meister, ein umtriebiger Mann, argumentierte, dass er 21 Vertragsfußballer im Kader hat. Er sieht rechtlich seinen Verein ähnlich aufgestellt wie die Regionalligisten. Blau-Weiß hatte dem Verband die Verträge seiner Spieler offengelegt.

Der Berliner Senat musste in diesem Fall schnell entscheiden, ob die Spieler von Blau-Weiß als Berufsfußballer gelten oder nicht. Die Berliner Politik lehnte den Wunsch von Blau-Weiß 90 ab. In der Oberliga gibt es keinen semi-professionellen Status und auch im Moment keine Spielerlaubnis. So war der Weg frei für den geplanten Ablauf. Am späten Mittwochabend erfolgte die Auslosung unter den fünf Regionalligisten. Im Viertelfinale trifft Viktoria 89 auf Tennis Borussia. Das erste Halbfinale bestreiten der Sieger des Viertelfinales gegen den BFC Dynamo. Im zweiten Halbfinale trifft die VSG Altglienicke auf den Berliner AK.