Der frühere Präsident von Tennis Boruissa, Jens Redlich, ist an diesem Mittwoch vor dem Amtsgericht Charlottenburg mit einer Klage gescheitert. Der 38 Jahre alte Betreiber einer Fitness-Kette wollte wollte seinen Posten als Vorstandschef bei dem Berliner Fußball-Oberligisten zurückhaben. Ende Juli hatten die beiden Aufsichtsräte Franziska Hoffmann und Christian Gaebler den Unternehmer Redlich als Vorsitzenden gestrichen.

Das Gedränge vor dem Saal 142 im Amtsgericht Charlottenburg war am Mittwochmittag riesengroß. Fans, Spieler und auch Trainer Dennis Kutrieb von Tennis Borussia wollten die Verhandlung, bei der es indirekt auch um die nahe Zukunft ihres Traditionsvereins ging, live verfolgen. Dazu kam ein Dutzend Journalisten. Der Saal war viel zu klein und deshalb mussten viele der etwa 50 Kiebitze das Geschehen im Stehen verfolgen oder vor der offen gehaltenen Saaltür.

Jens Redlich erscheint mit Anwalt

Auf der einen Seite war Kläger Jens Redlich, 38, der seinen Posten als Vorstandschef verloren hatte und diesen unbedingt wieder bekommen wollte. Redlich, ein großgewachsener, athletischer Mann, hatte einen Anwalt an seiner Seite. Juristische Gegner waren der neue Vorstandschef Günter Brombosch und die beiden Aufsichtsräte Franziska Hoffmann und Christian Gaebler. Gleich eine Riege von drei Anwälten hatte die aktuelle Führung von TeBe aufgeboten. Was war im Vorfeld der Verhandlung, die unter dem Aktenzeichen 223 C73/19 firmierte, passiert?

Seinen Posten als Vorstandsvorsitzender hatte Redlich Ende Juli verloren. Damals hatten die beiden Aufsichtsräte Franziska Hoffmann und Christian Gaebler, im Beruf Chef der Senatskanzlei, eine Änderung im Vereinsregister vornehmen lassen und Redlich als Vorsitzenden gestrichen. Der Hintergrund: Der umstrittene Unternehmer hatte im November 2018 per Mail seinen Rücktritt erklärt, zwei Tage später aber widerrufen. Das aber sei vereinsrechtlich gar nicht möglich, hieß es von Hoffmann/Gaebler. Auch die Vorsitzende Richterin ließ gleich zu Beginn durchblicken, dass es einen Rücktritt vom Rücktritt nicht gebe.

Brombosch folgt auf Redlich

Als neuer Vorsitzender wurde seinerzeit das TeBe-Urgestein Günter Brombosch eingesetzt und als Mitglied im Vorstand Steffen Friede. Pikant: Diese entscheidende Änderung wurde in dem Augenblick publik, als Redlich im Urlaub in den USA weilte. Der sprach von einem „Handstreich“ und kündigte nach kurzer Bedenkzeit („Macht mein Engagement eigentlich noch Sinn?“) rechtliche Schritte an. Redlich reichte beim Landgericht Berlin einen Antrag auf einstweilige Verfügung ein, um so schnell wie möglich seinen Posten als Chef wieder einnehmen zu können. Er fühlte sich sowieso weiter als Boss des Traditionsvereins, dessen Hauptsponsor er ja noch immer ist. Die Behörde delegierte die Angelegenheit, die deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte, zurück an das Amtsgericht Charlottenburg.

Die Auseinandersetzung vor Gericht war nun der Höhepunkt eines seit vielen Monaten schwelenden und offen ausgetragenen Richtungsstreits bei TeBe, im Moment Tabellenführer in der Oberliga Nordost. Unter Trainer Dennis Kutrieb wird der Aufstieg in die Regionalliga angestrebt. Die Spieler bei TeBe trainieren unter sehr professionellen Bedingungen – auch, weil Redlich stattliche finanzielle Mittel bereitstellt.

"Aktive Fanszene" beobachtet argwöhnisch

Der Chef der Fitnessstudiokette „Crunch Fit“ ist seit 2016 Hauptsponsor des Vereins und wurde 2017 zum Vorstandschef gekürt. Er handelt nach dem Motto „wer das Geld gibt, hat auch das Sagen“, was bei vielen Fans für Verdruss und auch Ängste sorgte. Nach eigenen Angaben hat Redlich bislang rund 2,8 Millionen Euro in den Verein investiert. Doch vor allem die „Aktive Fanszene“ des Klubs beobachtete Redlich argwöhnisch und kritisierte dessen autoritären Führungsstil.

Die Auseinandersetzung kulminierte seit der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar. Dabei soll Redlich seine Wunschkandidaten für den Aufsichtsrat mit vermeintlich bestellten neuen Vereinsmitgliedern durchgebracht haben, was dieser vehement bestreitet.

Nach dieser Versammlung wandten sich zahlreiche Fans empört vom Verein ab und versagten aus Protest die Unterstützung bei den Heimspielen im Mommsenstadion. In der so genannten „Caravan of Love“ fuhren diese Fans zu anderen, meist unterklassigen Vereinen und unterstützten diese lautstark bei deren Heimauftritten. Erst zum ersten Spiel in der neuen Saison, das TeBe mit 4:2 bei Aufsteiger Tasmania gewann, beendeten die Fans ihren Boykott. Die Mannschaft ist bislang in vier Duellen ungeschlagen.

Urteil nach 90 Minuten

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht, die einmal unterbrochen wurde, brachte zahlreiche juristische Spitzfindigkeiten. Es ging ums Vereinsrecht, um Befugnisse des Aufsichtsrates – die Anwälte beider Parteien beharkten sich. Nach 90 Minuten – passend zu einem Fußballspiel – verkündete die Vorsitzende Richterin das Urteil. Der Antrag auf Einstweilige Verfügung von Jens Redlich wurde zurückgewiesen. Der Unternehmer bekommt seinen Posten als Vorstandschef nicht zurück. Redlich zeigte sich danach äußerlich gefasst und sagte zu den Journalisten: „Ich akzeptiere das Urteil. Ich wünsche den Verantwortlichen bei Tennis Borussia viel Glück.“ Zu seinen finanziellen Zusagen stehe er weiterhin.

Wie lange das aber so bleibt, wird die Zukunft zeigen. Es darf spekuliert werden, ob Redlich noch lange weiter sein Geld in einen Verein investieren wird, in dem er nicht mehr das Sagen hat.

Derweil hat der aktuelle Vorstand um Günter Brombosch für den 1. Oktober eine ordentliche Mitgliederversammlung angesetzt. Im Mittelpunkt wird die Neuwahl des Aufsichtsrates stehen, die turnusmäßig seit Juli fällig ist. Dann soll auch die nahe Zukunft des Vereins diskutiert werden.