Berlin - Es hatte etwas von einer konspirativen Zusammenkunft am Mittwochabend. Im Club Bi Nuu, in den Katakomben des U-Bahnhofes Schlesisches Tor, waren die treuesten Anhänger der Eisbären Berlin zusammengekommen. Mehr als 500 Männer und Frauen. Sie schmiedeten einen Plan. Einen Plan, der nächsten Mittwoch umgesetzt werden soll, wenn mit den Playoffs die entscheidende Phase der Saison beginnt. Sobald die Partie gegen die Hamburg Freezers losgeht, wollen die Fans geschlossen die Halle verlassen und das Match per Public Viewing außerhalb der Arena am Ostbahnhof verfolgen. Damit wollen sie gegen ein Vorhaben der Klub-Führung protestieren.

Sitzplatz bis zu 40 Prozent teurer

Was war passiert? Die Anschutz Entertainment Group (AEG) und die Eisbären Berlin GmbH haben vorige Woche eine Erhöhung der Dauerkartenpreise für Sitzplätze für die Spielzeit 2013/14 um bis zu 40 Prozent angekündigt. Zudem sollen Stehplatz-Dauerkarten nicht mehr für Halbfinal- und Finalpartien in den Playoffs sowie Matches der European Trophy gelten. Rollstuhlfahrer, bislang kostenlos dabei, müssen künftig bis zu 270 Euro aufwenden. Mit den Erhöhungen soll ein Teil des Minus von zwei Millionen Euro, das die Eisbären jährlich einfahren, ausgeglichen werden.

Susanne Wegener vom Fanbeirat fasst die Stimmung zusammen: „Was hier passiert, ist ein massiver Vertrauensbruch. Jahrelang hat man gesagt, die Dauerkartenbesitzer sind das Herz der Arena.“ Die Erhöhungen wirkten wie eine Keule – „das ist genau das Gegenteil“.

Michael Rosin, einer von 22 Rollstuhlfahrern mit Dauerkarte, sagt: „Die Eisbären sind für viele von uns eine Gelegenheit, am normalen Leben teilzunehmen. Viele können es sich dann nicht mehr leisten hierherzukommen und verlieren wichtige Kontakte. Das ist unsozial.“

Eisbären-Geschäftsführer Billy Flynn, gegen den sich der Zorn vor allem richtet, versteht die Fans: „Sie sollen protestieren. Ich wäre auch unzufrieden.“ Doch an einer Preiserhöhung führe kein Weg vorbei. „Wir waren sechsmal Deutscher Meister. Das hat sportlich Sinn gemacht, wirtschaftlich aber nicht. Es ist Zeit, einen Schritt zu machen.“ Dabei wirkt er wie ein Getriebener des eigenen Erfolgs. „Wir haben die besten deutschen Spieler. Die wollen wir unbedingt in Berlin halten.“ Zumindest bei den Rollstuhlfahrern lenkt er ein. „Wir müssen eine Lösung finden. Wenn jemand keine Arbeit hat, soll er auch weiterhin zu den Eisbären kommen können.“

Verhärtete Fronten

Derzeit sieht es nicht so aus, als ob schnell Bewegung in die Sache kommt. Bis zum Start der Playoffs wird das von Fanseite ohnehin kategorisch ausgeschlossen. „Vor Mittwoch rühren wir uns nicht. Wir müssen schon klarmachen, dass es so nicht geht“, sagt Susanne Wegener. Die Geschäftsführung wiederum sieht die Bringschuld bei den Fans. „Wenn Vorschläge kommen, sprechen wir darüber“, sagt Flynn.
Dass die Preiserhöhung ausgerechnet jetzt, kurz vor den Playoffs, bekannt wird, ist überrascht.

Und auch gefährlich, weil man gerade jetzt die Fan-Unterstützung besonders braucht. Zumal die Argumentation für den Klub nicht leichter wird. Seit Donnerstagabend steht fest, dass die AEG nicht verkauft wird, sich die Besitzverhältnisse der Eisbären nicht ändern. Noch am Dienstag hatte Flynn den Schritt damit begründet, dass man von einem neuen Eigner nicht abhängig sein will. Über die wahren Hintergründe kann also nur spekuliert werden. Das Misstrauen der Fans dürfte so jedenfalls nicht geringer werden.