Fußballtennis ist eine Spaßübung, aber Steven Skrzybski hat dem Spiel übers Netz eine wichtige Erkenntnis zu verdanken. Immer hatte er gegen André Hofschneider verloren, wie alle Unioner. Vor etwa fünf Jahren wendete sich das Blatt. Nicht weil Skrzybski ein paar Trickschüsse einstudiert hatte. Das Geheimnis war eine veränderte Wahrnehmung: Er sah auf der anderen Seite nicht mehr eine respekteinflößende Trainergestalt, sondern einen älteren, langsameren Gegner. Seither ist Skrzybski im Fußballtennis unbesiegt.

Union vor dem Abstieg retten

Auf ähnliche Weise haben auch diejenigen ihren Schrecken verloren, an denen der inzwischen 25-Jährige beim richtigen Fußball vorbei muss, um Tore zu schießen. Er hat die Ehrfurcht abgelegt und steht so jetzt vor seiner größten Aufgabe: den 1. FC Union vor dem Abstieg zu retten.

Wenn einer die nötigen Tore für den Klassenerhalt schießt, dann Steven Skrzybski. Von den 15 Union-Treffern, seit nach den Vorgaben von André Hofschneider gespielt wird, gehen acht auf sein Konto. „Er ist ein kompletter Spieler geworden, der in dieser Liga seinesgleichen sucht“, lobte Hofschneider jüngst seinen Musterschüler.

Viele Jahre war der jetzige Chefcoach als Co-Trainer von Uwe Neuhaus für die Förderung des jungen Talents aus der Union-Jugend verantwortlich, legte vor dem Profitraining Extraschichten mit Skrzybski ein. „Am Anfang war es vielleicht so, dass ich mehr davon überzeugt war als er selber“, erinnerte sich Hofschneider und fügte an: „Mittlerweile hat er Vertrauen in seine Qualitäten.“

Leistungsträger und letzte Hoffnung

Dieser Prozess war langwierig. Im Sommer wird Skrzybski 18 Jahre bei den Eisernen sein, und er hat diese Zeit gebraucht, um seine Rolle im Klub zu finden und das Selbstverständnis als Nachwuchshoffnung abzulegen. 2011 Profidebüt, 2015 Stammspieler, jetzt Leistungsträger und letzte Hoffnung auf Tore.

Der Reifeprozess ist rechtzeitig abgeschlossen, um den Eisernen nun in der größten Not zu helfen. Auch wenn es wahrscheinlich das Letzte ist, was er für Union tut. Nach der Saison zieht es ihn wohl zu einem anderen Klub in die Bundesliga. Dass das seinen Eifer nicht im Geringsten mindert, hat er gegen Duisburg vorbildlich bewiesen. Die Beziehung zu Union im Allgemeinen ist so besonders wie die zu André Hofschneider im Speziellen. „Wichtig ist für mich, dass ich mich hier nicht verstellen muss“, sagte der Angreifer.

Finaler Entwicklungsschub

Den finalen Entwicklungsschub brachte eine persönliche Krise. Als er unter Hofschneider-Vorgänger Jens Keller nicht mehr in der Startelf ran durfte und Tore als Argument offensichtlich nicht zählten, brach er im November aus dem gewohnten Union-Kosmos aus: Er äußerte öffentlich sein Unverständnis. Das war keine Rebellion. Das verstanden alle, weil Skrzybskis Mannschaftsgeist über alle Zweifel erhaben ist und er niemanden persönlich kritisierte.

„Als Mensch bringt es einen weiter, wenn man seine Meinung vertritt und nicht nur nach der Pfeife anderer tanzt“, erklärte Skrzybski im Magazin Kicker, warum ihm der Ausbruch aus dem Kommunikationskäfig genutzt hat. Er konnte sich die Worte auch deshalb leisten, da seine Taten die Waage halten. „Er ist ein Spieler, der eine Meinung haben darf“, findet Hofschneider, der Skrzybski sofort in die Startelf zurückholte und auf die Einschätzung des Stürmers vertraut, wenn er die Trainingsintensität plant. Denn er weiß, dass Skrzybskis Antwort auf Ehrlichkeit und Ehrgeiz basiert.

Skrzybski auf sich allein gestellt

„Er ist unglaublich gereift, weil er unablässig weiterarbeitet“, lobt Sebastian Polter. Als beide Stürmer gemeinsam attackierten, schafften sie sich gegenseitig Räume, die Aufmerksamkeit der gegnerischen Abwehr wurde gespalten. Aufgrund von Polters Verletzung ist Skrzybski jedoch momentan ziemlich auf sich alleine gestellt. Das erklärt zum Teil, warum sich die Abteilung Torproduktion von Union so schwertut. Selbst der gereifte Skrzybski braucht nämlich etwas Schützenhilfe. Von der gab es zuletzt nicht viel.