Bernd Thissen/dpa
Felix Sturm versucht sich in seiner Ringecke wieder zu sammeln.
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Ein Cut über dem linken Auge von Felix Sturm blutet und hätte fast zum Technischen K.o. geführt.
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Istvan Szili (l) reißt in der Schlussrunde bereits zehn Sekunden vor dem Gong triumphierend die Arme nach oben.

Dortmund - Zu einem spontanen Karriereende wollte sich Felix Sturm nach der krachenden Niederlage gegen Istvan Szili nicht verleiten lassen.

Er wolle das jetzt in Ruhe mit der Familie und dem Promoter besprechen, gab der 43-Jährige zu Protokoll und blieb dabei so unentschlossen wie zuvor in den zwölf Runden im Ring. Bei einem Sieg gegen den Ungarn in der Dortmunder Westfalenhalle hätte Sturm zum sechsten Mal um einen WM-Gürtel boxen können. Daraus wird nun nichts.

„Für Felix war das die letzte Chance“

Und so gab ihm sein Promoter Ludger Inholte einen unverblümten Hinweis drauf, wie es nun weitergehen sollte. „Sich mit 43 von unten hochzuarbeiten ist schwierig. Ich denke, es liegen jetzt eher im sportlichen Managementbereich die Aufgaben vor ihm“, sagte der Immobilienunternehmer. „Für Felix war das die letzte Chance.“ Inholte selbst gab zu, mit so einem Ausgang des Kampfes nicht gerechnet zu haben.

Sturm ließ sich im Ring gelinde gesagt ordentlich verprügeln. Szilis Sieg war nie in Gefahr, auch wenn einer der drei Punktrichter den Kampf recht abenteuerlich mit einem Unentschieden bewertete. Statt Sturm wird nun der ebenfalls von Inholte promotete Szili gegen den Briten Lerrone Richards um den WM-Titel im Supermittelgewicht des kleinen Verbandes IBO kämpfen. Sturm war bereits fünfmal Weltmeister, allerdings bei den bedeutenden Verbänden WBA, WBO und IBF.

Der Kampf verlief für Sturm anders als erwartet

Gegen den vier Jahre jüngeren Ungarn lief es von Anfang an nicht nach Plan. Dann kam auch noch ein Malheur in der dritten Runde hinzu. Szili traf Sturm in einer Aktion mit dem Kopf, der Ringrichter sah zurecht keine Absicht darin. Einen Cut über dem linken Auge trug der Ex-Champion dennoch davon und war am Ende sauer. „Es war leider sehr unsauber, der Ringrichter hat das leider laufen lassen. Aber ich bin Sportsmann und akzeptiere das Urteil“, sagte der Leverkusener. Sturm gab allerdings auch zu, dass der Kampf völlig anders als erwartet gewesen sei.

Davon beeindruckt und behindert durch den Cut fand Sturm nie seinen Rhythmus. Die siebte Runde musste 38 Sekunden vor dem Ende sogar unterbrochen werden, Sturm stand wegen der Blutung am Kopf vor dem Technischen K.o. Erst mit dem Einverständnis des Ringarztes durfte Sturm den Kampf fortsetzen. Am Verlauf änderte das nichts. Szili boxte weiter munter drauf los und riss in der Schlussrunde bereits zehn Sekunden vor dem Gong triumphierend die Arme nach oben.

Warum Sturm so gehemmt und passiv war, verriet er unmittelbar nach dem Kampf nicht. Der frühere Schwergewichtler Axel Schulz hatte bei Bild TV eine mögliche Erklärung parat. „Vielleicht war der Druck zu groß, er wollte seine letzte große Chance nutzen“, sagte der Publikumsliebling. „Ich habe mich auch mal an einem Comeback versucht und damals ist alles auf mich eingestürzt.“