Stuttgart - Eine gute Nachricht hatte der Mittwoch für die Stuttgarter schon vor dem Spiel gegen den FC Bayern bereitgehalten. Timo Werner, 17, eines der größten deutschen Sturmtalente, kann sich auch für die kommende Saison nichts besseres vorstellen, als beim VfB zu spielen – abgesehen von einer WM-Teilnahme vielleicht. Die zweite gute Nachricht aus Sicht der Schwaben − das war überraschend − hielt das Spiel bis zur Nachspielzeit bereit.

Doch dann setzte Thiago zu einem Seitfallzieher an und bescherte dem FC Bayern einen glücklichen 2:1 (1:1)-Sieg in Stuttgart. Der Vorsprung des Tabellenführers auf den Zweiten Bayer 04 Leverkusen beträgt nun 13 Punkte, ein bisher einmaliger Abstand. „Wir standen sehr sehr kompakt, haben leidenschaftlich gearbeitet gegen den FC Bayern und gute Aktionen nach vorne gehabt“, sagte Stuttgarts Trainer Thomas Schneider, „wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt.“

Dass die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola gestern lange auf das beinahe vergessene Gefühl einer Niederlage zusteuerte, lag maßgeblich an Vedad Ibisevic. Sein Tor in der 29. Minute gab dem keck auftretenden VfB den Glauben, einen Ertrag gegen die scheinbar übermächtigen Münchner sichern zu können. Claudio Pizarro sorgte in der 76. Minute für den Ausgleich, ehe Thiago die Pointe gelang.

Eine Chance zuviel

Die mögliche Überraschung hatte sich recht früh angedeutet. Denn die Vorgabe, die Sportvorstand Fredi Bobic in Auftrag gegeben hatte, war beim VfB schnell zu erkennen. „Wir haben gar nichts zu verlieren. Ich erwarte, dass wir mutig an die Sache herangehen und uns gut präsentieren“, hatte Bobic gesagt. Allen voran Werner mit einem Schuss nach einem Konter (8.) und einem Kopfball (11.), der Rafinha an den Arm flog und einen Strafstoß nach sich hätte ziehen können, zeigte die geforderte Courage. Und das, obwohl beim VfB-Kapitän Christian Gentner kurzfristig verletzt ausgefallen war.

Die spielerisch zunächst gewohnt dominanten Münchner schien das anfangs noch wenig zu irritieren. Doch spätestens nach dem Rückstand durch Ibisevic gab es häufig Momente der Unordnung in der gleichen Formation wie beim 2:0-Auftakterfolg in Mönchengladbach. Der durch den fixierten Sommertransfer von Borussia Dortmunds Angreifer Robert Lewandowski verstimmte Mario Mandzukic beobachtete von der Bank aus knapp eine Stunde lang, wie den Kollegen der Zug zum Tor abging.

Abgesehen von Xherdan Shaqiris vergebener Großchance hatten die Münchner nicht viel anzubieten. Sie kreiselten viel um den Strafraum, das Bällchen rollte, doch zu Abschlüssen kamen sie kaum. Das hatte auch viel mit dem großen Engagement der Stuttgarter zu tun. „Man kann die Bayern nicht 90 Minuten vom Tor weghalten“, sagte Schneider, „ich glaube, wir haben nicht viele Chancen zugelassen − nur leider die eine zuviel.“