SV Babelsberg 03: Murren an der Basis

Berlin - Die Umfragewerte bedeuten keine Mutmacher für die Profis des Drittligisten SV Babelsberg 03. Die Märkische Allgemeine aus Potsdam fragt auf ihrer Homepage: a) Schafft Babelsberg eine Überraschung und steigt in die Zweite Liga auf? (7,3 Prozent Ja-Stimmen), b) Bleibt man in der Dritten Liga ? (53,2 Prozent) oder c) Steigt das Team gar in die Regionalliga ab? (39,5 Prozent/Stand: 31. Oktober).

Die Mannschaft von Trainer Christian Benbennek (39) steht auf Platz 17 und hat zuletzt vier Spiele in Serie nicht gewinnen können. Die sportliche Misere und die Tatsache, dass der Verein noch immer keinen neuen Hauptsponsor gefunden hat, trieben einige Mitglieder und Fans nun auf die Barrikaden. Sie planten gar eine kleine Revolution gegen den Geschäftsführer und Manager Klaus Brüggemann. Der hatte zusammen mit Benbennek, der zuvor bei Eintracht Braunschweig II unter Vertrag stand, das Team mit einem Lizenzspieler-Etat von 2,2 Millionen Euro zusammengestellt. Mit dem Abstieg, so das offiziell verkündete Ziel, wollte man so schnell wie möglich nichts zu tun haben.

Auf der jüngsten Mitgliederversammlung forderte das Gros der Anwesenden nun überraschend vom Vorstand „die Beurlaubung des Geschäftsführers zu prüfen“. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Begründet wurde das mit der „nicht ersichtlichen Tätigkeit des bestbezahlten Angestellten des Vereins“. Der würde seinen Aufgaben bei der Akquise von Sponsoren nicht genügend nachgehen. Der 53-jährige Brüggemann, einst Präside bei Hertha BSC, der im Juni 2011 sein Büro im Karl-Liebknecht-Stadion bezog und einen Vertrag bis 2014 besitzt, zeigte sich geschockt von den extremen Forderungen eines Teils der Basis.

Gewonnener Machtkampf

„Das war nackte Polemik. Meine Person und der Verein wurden geschädigt.“ Brüggemann, der angetreten war, den Verein zu professionalisieren, wird von Teilen der Fangemeinde auch nachgetragen, dass er im April 2012 maßgeblich an der Entlassung des beliebten Trainers Dietmar Demuth, 57, beteiligt gewesen sein soll. Demuth trainierte das Team von 2007 an. Einige Mitglieder fordern mehr Transparenz vom Geschäftsführer. Brüggemann reagierte gereizt: „Ich muss nicht zu jedem Scheiß, der im Fanforum geäußert wird, Stellung nehmen.“ Außerdem, so der Manager, „gibt es in Potsdam keine Gönner und Mäzene, die den Fußball unterstützen.“ Brüggemann forderte nach den Attacken auf seine Person vom Vorstand, klar Stellung zu beziehen. Das ist geschehen. Aufsichtsrat und Vorstand sprachen ihm einstimmig das Vertrauen aus. Die offizielle Stellungnahme liest sich dennoch seltsam. Darin heißt es unter anderem, dass es dem Verein nicht gelungen sei, „die positiven Aspekte der Arbeit von Brüggemann angemessen zu kommunizieren.“ Mitglieder und Fans sollen zudem „künftig zeitnah und persönlich“ über dessen Arbeit informiert werden – was immer das auch konkret heißen mag.

Der Konflikt scheint erst einmal gelöst, Brüggemann hat die erste Machtprobe gewonnen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Auseinandersetzung weiter schwelt, ist groß. Viele Mitglieder lieben den SV Babelsberg als Kiezklub und fühlen sich in einer kuscheligen Nische wohl. Der Manager aber will professionellere Strukturen – eigentlich ist das ein Richtungsstreit. Übers Tagesgeschäft will Brüggemann der Basis nicht ständig Auskünfte geben. Das sei bei keinem Profiklub üblich. Die Mannschaft hatte sich in einem Offenen Brief pro Manager und pro Trainerteam ausgesprochen. Wahrscheinlich hilft aber nur sportlicher Erfolg, damit der Manager und seine Kritiker wieder näher zusammenfinden.