Berlin - Dirk Schimmelpfennig blickte sichtlich angespannt in den leeren Raum, Thomas Weikert zuckte neben ihm leicht genervt mit den Schultern. Der erste Corona-Fall eines Athleten im deutschen Olympiateam durch Eiskunstläufer Nolan Seegert und ein Angriff zur Unzeit aus der Heimat zwangen die beiden Delegationsleiter in die Defensive. Kurz vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele am Freitag spielt der Sport im „Team D“ nur eine Nebenrolle – die Vergangenheit holte den DOSB ein.

In einem Interview attackierte Ex-Präsident Alfons Hörmann seinen Nachfolger Weikert, stellte ihn als Intriganten und Lügner dar. Er gehe „aus guten Gründen davon aus“, sagte Hörmann der Augsburger Allgemeinen und der Allgäuer Zeitung, dass Weikert „aktiv“ an der Kampagne beteiligt gewesen sei, die zu seinem Sturz geführt hatte. Ein heftiger Vorwurf an den Neuen auf dem Podium, der sich trotz aller Probleme so sehr auf die Spiele gefreut hatte.

Corona, klar. Die Menschenrechtsverletzungen der Gastgeber. Der Datenschutz. Mit vielem hatte Weikert gerechnet – damit, dass ihn bei seinem ersten virtuellen Auftritt in China die Ära Hörmann und die Führungskrise im DOSB einholen würden, wohl nicht. „Ich kenne keine Kampagne“, sagte er schmallippig. Von dem Treffen im März 2021, bei dem laut Hörmann der „Schlachtplan“ zum Königsmord ausgearbeitet worden sei, habe er gehört, sei aber nicht dabei gewesen.

Viel mehr wollte Weikert zur Attacke aus dem Allgäu gar nicht sagen, es gibt dringendere Fragen, denn Corona schlug ein zweites Mal im deutschen Team zu, erstmals bei einem Athleten. Der 29-jährige Seegert, der im Paarlauf und beim Teamevent starten soll, sei „weiterhin symptomfrei“ und befinde sich in einem Isolationshotel, so der DOSB. Es droht weiteres Ungemach: Aktuell gebe es noch „einen bestätigten sogenannten Close Contact“ – ebenfalls in der Teilmannschaft Eiskunstlauf.

Seegert hat am Freitag (13.20 Uhr Ortszeit) seinen ersten Einsatz mit seiner Partnerin Minerva Hase im Rahmen des Teamevents. Ob er sich bis dahin freitesten kann oder aber das ohnehin nicht als Medaillenkandidat geltende deutsche Team mit einem Streichergebnis in den Wettbewerb startet, ist noch offen: Seegert braucht zwei negative, aufeinanderfolgende Tests mit einem 24-Stunden-Intervall, um aus der Quarantäne entlassen zu werden. Die Betroffenen werden zweimal täglich getestet.

„Wir haben vorher gesagt, dass es schwierig wird, die Athletinnen und Athleten ohne das Virus fliegen zu lassen“, meinte Schimmelpfennig, „insgesamt ist die Bilanz mit ganz vielen, die negativ anreisen und bleiben, sehr erfreulich.“ Bis Mittwoch hatten 274 der 403 Vertreter des deutschen Teams Peking erreicht. Am Donnerstag werden weitere 85 Teilnehmende erwartet, darunter die Eishockey-Mannschaft.