Taiwo Awoniyi stand am Wochenende gegen Mönchengladbach gleich in der Startelf.
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Berlin-KöpenickAls Taiwo Awoniyi in der vergangenen Woche als Zugang beim 1. FC Union vorgestellt wurde, hatte die Leihgabe des FC Liverpool einen ganz besonderen Klang. Ein Hauch von Weltklassefußball wehte durch Köpenick, auch wenn Awoniyi, wie man schnell erfuhr, nie für das Team von Trainer Jürgen Klopp aufgelaufen ist. Dass er nur wenige Tage später nicht mehr die einzige Leihgabe des FC Liverpool sein würde, hätte sich zu diesem Zeitpunkt wohl keiner bei den Eisernen ausgemalt. Mit dem extrovertierten Loris Karius hat der Nigerianer jedoch, abgesehen vom laufenden Vertrag beim englischen Meister, nur wenig gemein.

Während Karius gerne in der Öffentlichkeit steht, sich und seinen Körper am liebsten auf Instagram präsentiert, meidet der 23-Jährige die große Bühne, wirkt schüchtern und sehr demütig. Mit 18 Jahren wechselte er aus seiner Heimat in die englische Arbeiterstadt, durfte aufgrund seiner Herkunft, die im britischen Fußball eine Arbeitserlaubnis voraussetzt, aber nicht für die Reds auflaufen. „Es hat dann auch keinen Sinn gemacht, in der Jugendakademie zu bleiben, wenn ich nicht spielen darf“, erklärt Awoniyi in einem Videogespräch. Stattdessen ging es für ihn zunächst zum FSV Frankfurt, später Jahr für Jahr zu einem anderen Verein in den Niederlanden und Belgien. Eine schwere Zeit: „Es war hart, immer woanders zu spielen. Aber so ist es im Leben: Manchmal läuft es gut, manchmal nicht.“ In der vergangenen Saison lief er schließlich für den FSV Mainz 05 auf, auf den er nun am Freitag (20.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) mit den Eisernen trifft.

Trotz nur eines Treffers in zwölf Spielen und einer schweren Gehirnerschütterung in der Partie gegen Augsburg erlebte er da, wie er sagt, „eine sehr schöne Zeit“. Überhaupt versucht Awoniyi stets das Positive in seiner komplizierten Situation zu sehen. Selbst die Tatsache, dass er in Liverpool bislang nie eine Rolle gespielt hat, sieht er nicht mit Groll: „Ich bin Liverpool eher dankbar, dass sie mich überhaupt verpflichtet haben. Wenn sie das nicht getan hätten, würde mich heute vielleicht niemand kennen.“

Ein gewisser Bekanntheitsgrad ist für Awoniyi unabdingbar, wenn er in die nigerianische Nationalmannschaft berufen werden und so seinen Traum vom Debüt in der Premier League aufrecht erhalten will. „Ich spiele in der Bundesliga, einer der besten Ligen der Welt. Wenn ich regelmäßig eingesetzt werde und meine Leistungen zeige, habe ich vielleicht eine Chance.“

Trotz offiziell vier gemeinsamer Jahre in Liverpool kennt Taiwo Awoniyi Loris Karius übrigens nur flüchtig. „Wir haben eigentlich erst vor kurzem das erste Mal zusammen trainiert, weil wir davor immer verliehen waren.“ Nun sind sie offiziell Teamkollegen - in Köpenick!