Herthas Arne Maier zieht ab, aber nicht weg!
Jürgen Engler

BerlinEiner der klügsten deutschen Denker, Johann Wolfgang von Goethe, sagte: „Mit Ungeduld bestraft sich zehnfach Ungeduld; man will das Ziel heranziehen und entfernt es nur.“ Der Genius Leonardo da Vinci meinte: „Die Ungeduld, die Mutter der Torheit, preist die Kürze.“ Bei Hertha BSC gab es in der vergangenen Woche das große Lehrstück über die Ungeduld. Arne Maier, 21, war der Hauptakteur. Der Jungprofi hatte bei Hertha im Kopf schon gekündigt. Der Mittelfeldspieler wollte nur noch weg, weil er keine Chance mehr sah. Doch beim 0:0 gegen Schalke 04 spielte Maier wieder.

Freitagabend, 63. Minute gegen den Klub aus Gelsenkirchen. Für Maier wurde sein Verlangen nach einem schlimmen halben Jahr wahr. Endlich wieder im blau-weißen Trikot spielen. In der Hinrunde spielte er gerade mal 20 Minuten beim 0:4 in Augsburg und eine Minute beim 1:0 in Leverkusen. Schuld daran war nicht seine Leistung oder mangelndes Vertrauen des Trainerstabs, sondern schlichtweg eine Knieverletzung im Sommer.

Doch Maier glaubte nach den Wintertransfers, die Hertha getätigt hatte, plötzlich, dass er keine Zukunft mehr bei seinem Heimatverein hat. Er bat Manager Michael Preetz um Freigabe. Schnell machten ihm Preetz und Trainer Jürgen Klinsmann klar, dass er überhaupt nicht auf dem Abstellgleis stehe, sondern fester Bestandteil bei der Zukunftsplanung des Kaders ist. Klinsmann nahm die Äußerungen von Maier nach außen gelassen und erklärte: „Damit kann ich leben, wenn sich ein Spieler mal so äußert. Es ist doch klar, dass man unzufrieden ist, wenn man nicht spielt.“

Klärendes Gespräch mit Maier

Es gab vergangene Woche ein klärendes Gespräch, plötzlich war Maier im Kader. Er spielte gegen Schalke und war happy: „Es war ein tolles Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich bleibe weiter dran und hoffe, dass mich der Trainer so oft wie möglich einsetzt.“ Zu seinem Wechselwunsch sagte er: „Die Transferphase ist immer ein bisschen heiß für jeden Spieler. Ich bin ein Spieler, der gerne spielen will. Ich denke, das habe ich deutlich damit gezeigt. Das Thema ist vom Tisch. Wie man sieht, bin ich noch bei der Hertha.“

Aus der Ungeduld wurde plötzlich das große Glück für alle. Denn in seinem 27-minütigen Auftritt gegen Schalke konnte man sehen, was in diesem Mittelfeldjuwel steckt. Dynamischer Antritt, starke Übersicht und vertikale Pässe in die Spitze, die sonst keiner im Team so präzise schafft. Gerade das Zusammenspiel mit dem neuen Stürmer Krzysztof Piatek sah vielversprechend aus. Mit den beiden hatte Hertha in dem bis dahin mühseligen Spiel plötzlich wenigstens etwas mehr Angriffsschwung. „Schalke hat am Ende zwei defensive Spieler eingewechselt. Das haben sie auch nicht ohne Grund gemacht“, sagt Klinsmann zufrieden.

Das spielt jetzt beim Pokalduell am Dienstag auf Schalke eine Rolle. Maier wurde am Freitag für Marco Grujic eingewechselt. Der Serbe kann seit Wochen nicht mehr überzeugen. Es ist jetzt Maiers Chance, Grujic aus der Stammelf zu verdrängen. Für ihn kann es noch eine Saison mit Happy End werden, manchmal muss man eben etwas warten.