TeBe Berlin: Zurück in die Zukunft

Denis Pogomann kann sich noch gut erinnern, an jenen 11.Mai 1986: „Blau-Weiß war frisch in die Bundesliga aufgestiegen, alle waren noch betrunken. Tennis Borussia hat mit 2:1 gewonnen, obwohl sie schon in die Amateurliga abgestiegen waren.“

Wenn es in der zweiten Runde des Berliner Pokals am Freitag (Anpfiff 19.30, Mommsenstadion) zum Wiedersehen nach 26 Jahren kommt, ist die Berliner Fußballwelt eine gänzlich andere. Von der Zweiten Liga sind beide Vereine Lichtjahre entfernt.

Blau-Weiß 90 heißt inzwischen SV Blau Weiß und tummelt sich in der Bezirksliga. Nicht viel besser sieht es bei TeBe aus. Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre haben sie sich in der sechstklassigen Berlin-Liga eingerichtet. Für TeBe-Fan Pogomann mindert das nicht die Vorfreude: „Es ist schon was Besonderes, wenn die beiden Traditionsvereine wieder aufeinandertreffen.“

Klassiker vergangener Tage

Das Derby zieht. Aber nicht allein der Klassiker vergangener Tage lockt wieder mehr TeBe-Anhänger an. Es sind auch die wiedererweckten Ambitionen des Klubs. Nach Platz elf in der vergangenen Saison hält man es in dieser Spielzeit für möglich, am Ende unter den ersten sechs zu landen. Mittelfristige Aufstiegsprognosen Richtung Oberliga lassen sich den Verantwortlichen aber noch nicht entlocken. „Die Fantastereien haben wir abgelegt“, sagt Vorstandsvize Roland Weißbarth. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Wir machen jetzt einen Schritt nach dem anderen.“

Die Wirren der letzten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. „Es war wirklich nicht schön, als wir plötzlich in der sechsten Liga angekommen waren“, sagt Weißbarth. Doch er will nicht an die Schandflecken in der Vergangenheit denken. Zumal seit dem Frühjahr das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist.

„Das fühlt sich wie ein Neuanfang an“, sagt Pogomann. Plötzlich hat auch die Berlin-Liga ihren Reiz. „Für die meisten Vereine sind Spiele gegen uns Highlights. Entsprechend voll sind dann auch die Stadien. Die Schatzmeister in der Liga müssen TeBe lieben.“ Und weil gerade alles so schön ist, stimmt auch Weißbarth noch mit ein. „Manche Klubs haben gar ihr Heimrecht abgetreten, um zwei Mal im Mommsenstadion anzutreten.“

Gute Nachrichten aus der Jugendabteilung

Wie passend, dass es auch aus der Jugendabteilung gute Nachrichten gibt. Seit letzter Woche ist TeBe als einziger Amateurklub Deutschlands Inhaber eines durch den DFB zertifizierten Nachwuchszentrums. Schön wäre es, wenn sich das irgendwann auf die Qualität des Kaders auswirken würde. „Es ist ein Problem, dass Spieler nach dem Jugendbereich in die sechste Liga müssen, wenn sie bei uns bleiben. Das ist nicht gerade attraktiv“, sagt Weißbarth. Erst Anfang des Jahres sorgte für Ärger, dass Talent Nico Franke mit 13 Jahren von Hoffenheim abgeworben wurde.

Einen weiteren Rückschlag musste man jüngst hinnehmen. Der Verein zog das Frauenteam aus der Regionalliga zurück, weil sich keine schlagkräftige Truppe zusammenstellen ließ. „Eine Katastrophe“, sagt Vorstandsvize Roland Weißbarth. „Wir müssen TeBe zu einer Top-Adresse im Nachwuchs machen. Dann kommt irgendwann auch der Neustart des Frauenteams auf die Tagesordnung.“