Der größte Wunsch von TeBe: Die Fans dürfen wieder ins Mommsenstadion kommen. 
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BerlinAuf ungewöhnliche Art und Weise aufzusteigen, ist für Tennis Borussia Berlin nicht ganz neu: Vor 27 Jahren rückte der Charlottenburger Klub nur deshalb in die Zweite Bundesliga nach, weil der 1. FC Union als eigentlicher Aufsteiger eine Bankbürgschaft gefälscht hatte und deshalb die Lizenz entzogen bekam. Der Aufstieg in die Regionalliga Nordost fühlt sich nun viel ehrlicher an. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Oberligasaison am vergangenen Freitag vorzeitig abgebrochen. Das Team hinterließ in der bisherigen Saison allerdings den stärksten Eindruck, führte die Tabelle souverän an.

Die große Party zur Rückkehr in die Viertklassigkeit nach einem Jahrzehnt Pause musste natürlich ausfallen. Alternativ deckte sich das Team zusammen mit den besonders treuen Fans im Späti von Mittelfeldspieler Rifat Gelici ein, den er zusammen mit seiner Familie im Wedding betreibt. „Es gab einiges zu trinken, aber wir haben stets auf den Abstand geachtet“, berichtet Edelfan Denis Roters, der den Klub seit 1992 durch stürmische Zeiten begleitet. Für den 44-Jährigen ist der Aufstieg auch eine Art Genugtuung, dass sich sein Herzensverein aus einer einmal mehr sehr schwierigen Konstellation befreit hat.

Als „das Einschneidendste, was ich mit dem Verein bislang erlebt habe“, bezeichnet Roters die Phase, in dem der Zwist zwischen der Vereinsbasis und dem ehemaligen Vorstandschef Jens Redlich eskalierte. Es ist gerade mal eineinhalb Jahre, als die treuen Tebe-Fans ihren Verein „verloren hatten“, wie er es empfindet. Nach einer skandalösen Versammlung im Januar 2019, auf der kurzfristig akquirierte Stimmengeber dabei halfen, einen Aufsichtsrat nach Wunsch für Redlich durchzudrücken, blieben die Anhänger den Spielen fern und tingelten als Fankarawane über die Sportplätze der Stadt. Man kam erst wieder zusammen, als im vergangenen Sommer die neuen Vorstände Günter Brombosch und Steffen Friede übernahmen und Redlich entmachtet wurde.

Anstatt sich daraufhin sportlich zu blamieren, wie der ehemalige Geldgeber prognostizierte, spielte TeBe in der Saison von Beginn an groß auf. Und entfachte eine neue Leidenschaft bei seinen Anhängern. „Wenn man eine so schwierige Phase durchgemacht, weiß man es plötzlich wieder mehr zu schätzen, seinen Verein zu unterstützen“, weiß Roters.

Der Aufstieg stellt den Klub nun vor neue Herausforderungen. Nicht selten erwachsen aus einem solchen Erfolg überzogene Erwartungen. Und gerade rund um das Mommsenstadion weiß man aus der Vergangenheit nur zu gut, wie tief der Fall sein kann, wenn man zu viele Schritte auf einmal gehen möchte. Zwei Insolvenzen hat der Klub bereits durchlaufen.

Claudio Offenberg, 63, kennt diese Geschichten natürlich alle. Der 63-Jährige ist seit dem 1. Juni als Sportlicher Leiter im Amt. Seit Ende der Siebzigerjahre trainiert der gebürtige Argentinier Berliner Vereine, darunter Herthas Jugend, den SCC Berlin sowie TUS Makkabi. In der Saison 2001/2002 stand er schon mal an der Seitenlinie von Tebe. Zuletzt gastierte er vor allem als Reporter der Fußballwoche im Mommsenstadion. „So sind wir ins Gespräch gekommen“, sagt er. „Wir sind uns alle einig, dass das Ziel nur Klassenerhalt heißen kann.“

Noch in dieser Woche soll es Klarheit darüber geben, wer als neuer Cheftrainer auf Dennis Kutrieb folgt, der künftig einen englischen Fünftligisten betreut. Markus Zschiesche gilt als heißer Kandidat. „Wir sind in Gesprächen, aber unterschrieben ist noch nichts“, sagt der ehemalige Profi des 1. FC Union dieser Zeitung. Gespräche mit den Spielern, die für den Aufstieg sorgten, werden ebenfalls geführt. Der Etat soll zwischen 500.000 und 600.000 Euro liegen. Trotz aller Ungewissheiten, die es aufgrund der Corona-Pandemie gibt. „Wann beginnt die Saison? Wie trainiert man? Das sind alles Fragen, die sich derzeit nicht beantworten lassen“, sagt Offenberg. „Selbst mit der Prognose, dass die neue Saison im September losgehen kann, sollte man vorsichtig sein.“

Die Lust auf die neue Aufgabe schmälert das nicht. Ob das Grunewald-Derby gegen Babelsberg 03, Duelle mit den Stadtrivalen oder Partien gegen Ostklubs mit großer Vergangenheit und düsterer Gegenwart: „Für uns werden das alles Highlights“, sagt Offenberg. Vorfreude hält bekanntlich lange vor.