Die Mannschaft von Tennis Borussia befindet sich in der NOFV-Oberliga-Nord in einer komfortablen Situation. Nach der Hinrunde steht das Team von Cheftrainer Dennis Kutrieb auf Platz zwei, nur einen Punkt hinter Tabellenführer Lichtenberg 47. Viele Spieler, Trainer und Funktionäre sehen TeBe als Favoriten auf den Aufstieg in die Regionalliga an, weil im Mommsenstadion unter Profibedingungen trainiert wird. Doch der Sport ist gegenwärtig in den Hintergrund gerückt. Der Grund ist der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich und großen Teilen der aktiven Fanszene. Dieser fundamentale Streit ist nun eskaliert.

Worum geht es bei dem Streit um Tennis Borussia Berlin?

Redlich, 38, ist geschäftsführender Gesellschafter des TeBe-Hauptsponsors, einer Fitness-Kette. Er stieg im April 2016 als Hauptsponsor ein und rettete den Verein Ende 2016 vor der Insolvenz. Sein Engagement knüpfte er dann an die Forderung, „mehr Kontrolle über sein Geld“ haben zu wollen. So wurde er schließlich im permanent unruhigen Verein, der etwa 1000 Mitglieder hat, 2017 zum Vorstandschef gekürt.

Ein Großteil der Fans, vor allem die engagierten Mitglieder der „Abteilung Aktive Fans“ – das sind rund 170 Anhänger – hadert schon lange mit Redlichs Auftreten, dem oft undemokratisches Verhalten und schlechter, rigoroser Führungsstil vorgeworfen wird. Die Fans werden in Entscheidungen nicht einbezogen, sind bei wichtigen Dingen außen vor.

Denis Roters, 42, ist seit 1992 Anhänger von TeBe, war einst Pressesprecher und Fanbeauftrager und gehört zu den „Aktiven Fans“. Er sagte der Berliner Zeitung: „Wir haben Angst, dass unser Verein wieder in ein finanzielles Chaos gerät, sollte Redlich einmal die Lust an TeBe verlieren. Wir wollen beaufsichtigen, was mit unserem Verein passiert. Schließlich haben wir Fans den Verein in schwierigen Situation durch unser Engagement auch mit am Leben erhalten.“ Die Treue der Fans ist ein hohes Gut bei TeBe, aber man weiß auch, dass die Regionalliga ohne gutes Sponsoring nicht möglich ist.

„Beerdingungsversammlung“ von TeBe

Roters hat viel durchgemacht mit seinem Herzensverein: Zwei Insolvenzen, schlimme Sponsoren wie einst die „Göttinger Gruppe“ und immer wieder Alleinherrscher haben ihn und viele Anhänger sensibilisiert. Roters und viele Fans befürchten nun weitere eine Fehlentwicklung. Deshalb forderte die Fanszene eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die laut Roters „immer wieder vom Vorstand verschleppt wurde.“ Zehn Prozent der Mitglieder mussten für eine Einberufung gewonnen werden, „diese Zahl haben wir weit übertroffen“. So kam es am Mittwochabend zur Versammlung im „Queens 45 BC“ an der Königin-Elisbeth-Straße, „nach der man den Verein beerdigen kann“, so Denis Roters drastisch.

Auf der Agenda standen Nachwahlen zum Aufsichtsrat, weil dieser nach zahlreichen Rücktritten von Redlich-kritischen Leuten, nicht mehr handlungsfähig war. Laut „aktiver Fans“ habe Redlich zuletzt viele Räte zum Rücktritt gedrängt. Bei TeBe hat der Aufsichtsrat eine große Bedeutung, weil der den Vorstand bestellt und ihn kontrollieren soll.

Roters, der im Verein beinahe jeden kennt, wunderte sich schon bei der Registrierung vor der Versammlung. „Plötzlich standen mit mir viele fremde Leute in der Schlange, die ich zuvor noch nie bei TeBe gesehen habe. Viele sprachen kein Deutsch und einige schienen aus Bulgarien zu sein. Es waren doppelt so viele Leute da, wie sonst.“ Der Vorwurf, Redlich habe Stimmenvolk für seine Wunschkandidaten besorgt, stand im Raum. Das Problem: Bei TeBe muss man laut Satzung nicht eine Mindestzeit Vereinsmitglied sein, um abstimmen zu können. Sofort nach Aufnahme in den Verein besitzt man volles Stimmrecht.

Zwölf Kandidaten standen auf der Liste, fünf davon von der Fanszene nominiert. Es wurden schließlich nur alle fünf Kandidaten gewählt, die der Seite des Vorstandschefs zuzuordnen sind. Roters: „Das hat allem die Krone aufgesetzt. Bei der Verkündung des Wahlergebnisses war der Saal fast leer. Zuvor hat es auch tumultartige Szenen gegeben.“

Redlich: „Hanebüchene Vorwürfe“

Redlich sagte auf Nachfrage, ihm gehe es vor allem um „professionelle Strukturen“ im Verein, damit dieser auch bei einem Aufstieg in die Regionalliga bestehen könne. Dabei seien auch viele Auflagen des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes zu beachten. „Für Fußball-Romantik, die viele Fans lieben, ist da nur wenig Platz“, sagte Redlich dieser Zeitung. „Wir sind da schon unterschiedlicher Auffassungen.“ Es habe „eine klare demokratische Abstimmung“ bei der Nachwahl zum Aufsichtsrat gegeben. Redlich nennt den Vorwurf, er habe Stimmenvolk besorgt, „hanebüchen“.

Im Übrigen sei er „kein Investor, wie oft behauptet, sondern ein Sponsor“ des Vereins. „Wenn man Angst hat, dass ich als Sponsor irgendwann gehe, mich aber gleichzeitig diffamiert, dann stimmt etwas nicht.“ Redlich sagte: „Falls ich mal aufhören sollte, geht TeBe nicht in Insolvenz.“ Er habe bis zum Ende der Saison am 30. Juni rund 2,5 Millionen Euro in den Verein investiert. „Noch denke ich nicht daran, von Bord zu gehen. Wir werden alles tun, um aufzusteigen.“ Roters, geschockt vom Verlauf der Versammlung, meint: „Wir Fans überlegen nun, was zu tun ist. Noch ist es zu früh. Aber ich habe beschlossen, in der Rückrunde nicht mehr zu den Heimspielen ins Mommsenstadion zu gehen.“