Wie geht es für den Traditionsklub Tennis Borussia Berlin weiter?
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Berlin-WestendAm Sonnabend gegen 14.50 Uhr war die lila-weiße Welt bei Tennis Borussia in Ordnung. Zumindest rein sportlich gesehen. Die Mannschaft von Cheftrainer Dennis Kutrieb bezwang den starken Aufsteiger MSV Pampow mit 4:1. Das Gäste-Team aus dem 3 000-Einwohner-Örtchen nahe Schwerin hatte bis zur Halbzeit ein 0:0 gehalten. TeBe aber ging auch im achten Heimspiel im Mommsenstadion als verdienter Sieger vom Platz und verbleibt an der Tabellenspitze der Oberliga Nordost.

Doch der sportliche Erfolg übertüncht die zahlreichen internen Probleme des Traditionsvereins. Die Gemengelage ist brisant und unübersichtlich. Sie besteht aus Gerüchten, Vorwürfen, besorgten Mitgliedern und unzufriedenen Spielern samt Trainer.

Mitte voriger Woche schickte Erhard Ruppert, seit Ende der Siebzigerjahre Jahre Anhänger von TeBe und Vereinsmitglied eine brisante zweiseitige Mitteilung an Berliner Medien. Ruppert, seit vielen Jahren Journalist beim ZDF, bezeichnet sich als „Sprachrohr einer Gruppe von TeBe-Mitgliedern“, die auf die schwelenden Probleme aufmerksam machen will. Der Kern ihres Schreibens lautet: „Der ehemalige Bundesligist steht mehr denn je vor einer ungewissen Zukunft, in finanzieller und deshalb auch in sportlicher Hinsicht. Die sich aktuell in der Verantwortung befindlichen Personen können die mit den Vorgängern getroffenen finanziellen Absprachen zwischen den Spielern und dem Verein offenbar nicht einhalten. Damit könnte trotz Platz eins in der Liga der Traum vom Aufstieg in die Regionalliga schon in der nahen Winterpause platzen.“

Die Gruppe sei in „großer Sorge“ und „maßlos traurig“ ob der Entwicklung. Der Vereinsführung wird vorgeworfen, kein finanziell tragfähiges Konzept zu besitzen. Um alle diese Mutmaßungen und auch vielen Gerüchte zu verstehen, ist ein kurzer Rückblick auf die turbulenten Ereignisse, die den Verein in diesem Jahr bewegten, nötig.

Training unter Profibedingungen

Im Mittelpunkt stand Jens Redlich, Chef der Fitnessstudio-Kette „Crunch-Fit“. Der großgewachsene Mann, Ende 30, ist seit 2016 Hauptsponsor des Vereins und wurde 2017 zum Vorstandschef gekürt. Redlich handelte nach dem Prinzip „Wer das Geld gibt, muss auch das Sagen haben.“ Zunehmend traf er damit auf den Widerstand der starken Fanszene von TeBe, die die Entwicklung des Vereins gern mitgestalten und auch mitbestimmen möchte. Nach den schlimmen Erfahrungen mit Sponsoren und Investoren in der Klubgeschichte der Lila-Weißen, wie etwa mit der „Göttinger Gruppe“, nahmen auch die Ängste bei Anhängern und Mitgliedern zu, erneut allein von einem Geldgeber wie Redlich abhängig zu sein. Der hat nach eigenen Angaben seit 2016 rund 2,8 Millionen Euro in den Verein gesteckt.

Ende Juli aber verlor Redlich „über Nacht“ seinen Chefposten. Die Aufsichtsräte Franziska Hoffmann und Christian Gaebler hatten eine Änderung im Vereinsregister vornehmen und Redlich als Vorsitzenden streichen lassen. Als Nachfolger wurde Günter Brombosch, TeBe-Urgestein und viele Jahre Lehrkraft an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, eingesetzt. Der Hintergrund: Redlich hatte im November 2018 per Mail seinen Rücktritt erklärt und zwei Tage später widerrufen.

Wir werden die finanzielle Basis dafür schaffen, suchen intensiv neue Sponsoren. Das wird aber ein Kraftakt.

Günter Brombosch steht als Präsident von TeBe Berlin vor einer wahrhaft großen Herausforderung.

Redlich ging im Sommer vor Gericht, wollte seinen Posten zurück. Das Amtsgericht Charlottenburg lehnte am 11. September seinen Antrag ab. Nach dieser juristischen Niederlage blieb Redlich lediglich Hauptsponsor und kündigte an, seine finanziellen Verpflichtungen bis Saisonende erfüllen zu wollen. „Das ist auch zu hundert Prozent geschehen“, sagte Redlich nun der Berliner Zeitung. Dessen Nachfolger Günter Brombosch wirft der alten Führung indessen vor, kostspielige Altlasten hinterlassen zu haben. Erschwerend für Brombosch und seine Führungscrew kam hinzu, dass sich viele Spieler und auch Trainer Dennis Kutrieb im lange schwelenden Machtkampf pro Redlich positioniert hatten. Schließlich hatte der sie mit stattlichen Gehältern ausgestattet, damit sie unter Profibedingungen trainieren können.

Nun wirft die Gruppe um Erhard Ruppert dem aktuellen Vorstand vor, ein Dutzend Sponsoren verprellt zu haben. Zudem seien die November-Gehälter für die Mannschaft noch offen oder verspätet gezahlt worden. Letzteres konnte Brombosch entkräften. Am 1. und am 2. Dezember wurden die Gehälter „leicht verspätet“ an 34 Personen – Mannschaft und Trainerstab – überwiesen. Der Berliner Zeitung liegen diese Dokumente vor.

Im Pokal geschwächelt

Das Hauptproblem scheint im Moment die Tatsache zu sein, dass die Oberligaspieler samt Trainer Verträge besitzen, die unter Jens Redlich abgeschlossen wurden und gültig sind. „Die sind für Oberliga-Verhältnisse außerordentlich hoch“, so Brombosch. Diese Vereinbarungen hatte der aktuelle Vorstand bei Amtsübernahme nicht vorliegen, „weil die Geschäftsstelle in einem katastrophalen Zustand hinterlassen wurde“, klagt Brombosch. Der sagte den Spielern zu, diese Vereinbarungen aus der Redlich-Zeit bis Jahresende 2019 einzuhalten. Mitte Dezember wolle man sich aber mit der Mannschaft treffen, um den Spielern neue, „faire Angebote“ zu unterbreiten. Das alte Salär aber könne man sicher nicht zahlen.

Ob diese unsichere Perspektive die Mannschaft schwächeln ließ, wie bei der Niederlage im Berliner Pokal gegen den Landesligisten Stern Marienfelde (1:3) ist nicht verbrieft. Fakt ist aber, „dass sich einige Spieler bei anderen Vereinen über Berater anbieten und Zusagen haben wollten, im Winter ablösefrei gehen zu können“, sagt Brombosch. „Das wollen wir nicht, aber wir halten auch niemanden gegen seinen Willen.“ Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen Brombosch und Kutrieb angespannt ist. „Wir umarmen uns nicht, gehen aber fair miteinander um“, beschreibt der TeBe-Chef die Lage.

Brombosch will trotz der Probleme nicht vom sportlichen Ziel – Aufstieg in die Regionalliga – abweichen. „Wir werden die finanzielle Basis dafür schaffen, suchen intensiv neue Sponsoren“, kündigt er an, „das wird aber ein Kraftakt.“ Sein Vorgänger Jens Redlich sagt nun, er habe vor der jetzt eingetretenen Situation gewarnt. Der Unternehmer hat inzwischen zahlreiche Anfragen anderer Vereine bekommen, die auf finanzielle Unterstützung und dessen Know-how hoffen. Redlich hält sich zurück und erklärt: „Für mich ist das alles zu frisch, ich bin emotional mit Tennis Borussia noch sehr verbunden.“