PARIS - Als hätte sie endgültig genug gehabt. Als käme es nun auch schon nicht mehr drauf an. Kaia Kanepi drosch den Ball irgendwo ins Nirgendwo. Sie beendete damit ein für sie unerfreuliches Erlebnis auf dem Court Philippe Chatrier, eine Begegnung der ungleichen Art. 2:6, 3:6 verlor die Estin ihr Viertelfinalspiel der French Open 2012. Auf der anderen Seite des Netzes triumphierte Maria Scharapowa. Einen Schrei der Erleichterung stieß sie aus, eine etwas übertriebene Geste, denn sie hatte schnell und mühelos gesiegt.

In der nächsten Runde könnte die Russin stärker gefordert sein. Im Halbfinale trifft sie heute auf Tschechin Petra Kvitova, die ihr Match gegen die Qualifikantin Jaroslawa Schwedowa aus Kasachstan für sich entschied. Kvitova hat im vergangenen Jahr in Wimbledon ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen. Am Tag zuvor hatten sich Samantha Stosur und Sara Errani für die vorletzte Runde qualifiziert, die sich ebenfalls heute gegenüberstehen.

Bescheiden und gut gelaunt

Gut gelaunt nahm Maria Scharapowa zu ihrem Erfolg Stellung. Sie lachte viel und sehr professionell. Froh sei sie, sich gegenüber ihrem beschwerlichen Drei-Satz-Sieg im Achtelfinale gegen die Tschechin Klara Zakopalova verbessert zu haben. „Ich habe versucht, etwas defensiver zu spielen, nicht so aggressiv.“ Dass sie nun dem Turniersieg wieder einen Schritt nähergekommen sei, „ist ein Erfolg meines ganzen Teams“. Ihrem Fitnesstrainer galt ein Extralob. Mit neuer Kraft sei auch ihr Spiel besser geworden.

Die French Open sind das einzige Grand-Slam-Turnier, das Maria Scharapowa bisher noch nicht gewonnen hat. 2004 hatte sie bei den All England Championship den Titel errungen, gerade einmal 17 Jahre war sie damals alt. 2006 und 2008 sicherte sie sich jeweils den Erfolg bei den US Open in New York und in Melbourne bei den Australian Open. Diesmal stehen die Chancen in Paris nicht schlecht, denn die Konkurrenz ist stark dezimiert. Serena Williams schied bereits in der ersten Runde aus, auch die Titelverteidigerin Li Na aus China und die Weißrussin Wiktoria Asarenka, immerhin die Nummer eins der Welt, haben sich frühzeitig aus Paris verabschiedet. Was Maria Scharapowa angeblich nicht interessiert. „Es war keine Gegnerin dabei, gegen die ich hätte spielen müssen.“

Der Blick geht zur Weltrangliste

Was sie interessiert, ist der Blick auf die internationale Rangliste. Würde die bisherige Zweite ins Finale einziehen, stünde sie erstmals seit 2008 wieder an der Spitze des Frauentennis. Die Sympathien der Franzosen begleiten Maria Scharapowa auf ihrem Weg. Das Publikum im Court Philippe Chatrier feierte sie mit aufrichtigem Applaus. Die 25-Jährige revanchierte sich später mit einem artigen Kompliment. Diese Menschen, diese Flair, diese Stadt: Paris sei, mal abgesehen von Tokio, der Ort, an dem sie am liebsten gastiere. Damit war fürs Erste wohl alles gesagt.