Als Aisam Quereshi und Rohan Bopanna im September des vergangenen Jahres das Doppel-Endspiel der US Open erreicht hatten, war auf der Ehrentribüne eine kleine diplomatische Sensation zu bestaunen: Einträchtig saßen dort in der spätsommerlichen Hitze der pakistanische und der indische UN-Botschafter zusammen, um das ebenso ungewöhnliche wie unkonventionelle „Friedens-Doppel“ zu bestaunen – jene bemerkenswerte Allianz zweier Spieler, die sich trotz waffenstarrender Feindschaft ihrer beiden Nationen auf der Tour der Tennisprofis verbündet hatten.

Später in jenem Jahr bekamen die beiden stillen Helden im Schatten der großen Tennisstars dann sogar den „Arthur Ashe Humanitarian Award“ überreicht, die höchste Auszeichnung, die der Tennisbetrieb jenseits rein sportlicher Belobigungen zu vergeben hat.

„Ich bin ziemlich geschockt"

Doch in diesen Tagen der auslaufenden Saison, in einem Moment, in dem der elegante Pakistani und der dynamische Inder auf den Centre Courts gerade neue persönliche Bestmarken erreicht hatten, neigt sich die kurze, aber eindrucksvolle Zeit des asiatischen Duos nun allzu plötzlich dem Ende entgegen. Und der große Traum, den Quereshi und Bopanna (beide 31) lange Zeit träumten, das Projekt eines Tennismatchs am einzigen indisch-pakistanischen Grenzübergang Wagah, dieser Traum scheint genau so vorüber wie künftige Titeljagden bei Grand-Slam- oder Masters-Wettbewerben.

„Ich bin ziemlich geschockt, dass unsere Partnerschaft vorbei ist“, sagt Quereshi, so etwas wie der Pressesprecher der beiden außerordentlichen Tennis-Aktivisten, die weltweit große Popularität gewonnen hatten.

Nach den US Open hatte Bopanna seinem Mitstreiter relativ schnöde die Nachricht überbracht, dass er in der Saison 2012 mit dem indischen Altmeister Mahesh Bhupathi ans Werk gehen wolle, einem legendären Veteranen der Doppelszene. Ihm sei schon klar gewesen, dass sich Bopanna mit seinem Landsmann Bhupathi für die Olympischen Spiele habe einspielen wollen, sagt Quereshi, „aber ich dachte, dass sie dafür drei, vier Turniere vorher brauchen würden. Und nicht, dass das unser Doppel deswegen komplett auseinanderreißt.“

Selbst die indische Tageszeitung India Today kommentierte die Entscheidung des Inders Bopanna inzwischen als „Schlag aus dem Nichts, den niemand erwarten konnte.“ Andere indische Journalisten spekulieren unter dem Schutz von Anonymität darüber, „dass auch politischer Druck ausgeübt worden sein könnte“: „Manchen war dieses Doppel ein Dorn im Auge, das steht fest.“

Impulse für wahre Völkerverständigung

Dabei hatten Quereshi und Bopanna auf den größten Tennisbühnen der Welt immer wieder Impulse für wahre Völkerverständigung geliefert – unbeeindruckt von der politisch brisanten Großwetterlage zwischen ihren Heimatländern. Ausdrücklich mit Erlaubnis des All England Lawn Tennis and Croquet Club breiteten die Profis auf einem ihrer Spielplätze in Wimbledon ein Banner aus, das den Schriftzug „Stop War, start Tennis“ trug. Gefeiert wurden sie dafür nicht nur in den Medien rund um den Erdball, sondern auch einmütig von indischen und pakistanischen Fans am Rande der Courts. „Das Schönste ist, dass man gar nicht mehr sagen kann, aus welchem Land unsere Fans kommen“, sagte Bopanna dazu.

Dem Inder scheint es im Moment selbst ein wenig unangenehm zu sein, in die Rolle des Spielverderbers geraten zu sein – warum auch immer, wie auch immer. „Ich fange die neue Saison mit einem neuen Partner an“, sagte Bopanna mit gereiztem Unterton dem Blatt Indian Express, „das ist alles. Ich muss mich nicht rechtfertigen für diese Entscheidung.“

Als „IndoPakExpress“ waren sie mit dem Motto über die Kontinente gereist: „Wir wollen Grenzen und Gräben überwinden und Mauern in den Köpfen einreißen.“ Sie wurden dafür nicht nur von den Vereinten Nationen offiziell gewürdigt, sondern gewannen aus ihrer einzigartigen Liaison auch so viel sportliche Stärke, dass sie aus dem grauen Mittelfeld der Doppelszene in die Weltspitze aufrückten. Vor ein paar Wochen gewannen sie in Paris-Bercy, schon im Bewusstsein der besiegelten Trennung, noch ihren ersten Masters-Titel. Der Start beim World Tour Finale in London war der letzte, große Lohn für ein großes gemeinsames Jahr, ein Beweis, wie hartnäckig und ausdauernd gut sie zusammengespielt hatten 2011.

In der Weltrangliste noch auf dem fünften Platz

Die Weltranglisten-Tabelle für die Saison weist das „Friedens-Doppel“ auf dem fünften Platz aus. Es dürfte das letzte Zeugnis gemeinsamer Arbeit gewesen sein. Auch Quereshi hat mittlerweile einen neuen Partner gefunden, Jean-Julien Rojer von den Niederländischen Antillen.

Eine große Geste hat er für den alten, abtrünnigen Weggefährten aber noch parat gehabt: „Ich habe ihn zu meiner Hochzeit Mitte Dezember eingeladen. Ich denke, er wird auch kommen“, sagt Quereshi, „vielleicht können wir ja doch Freunde und Botschafter für den Frieden bleiben.“

Wenn, dann aber nicht mehr auf derselben Seite des Tennisnetzes.