Deutsche Tennisprofis: Triste Aussichten in New York

Aus deutscher Sicht sind die Erwartungen bei den US Open gering: Kerber und Zverev fehlen. Die anderen hatten Lospech. Daher schauen alle auf Serena Williams.

Wird nach den US Open ihre Weltkarriere beenden: Serena Williams.
Wird nach den US Open ihre Weltkarriere beenden: Serena Williams.dpa/Seth Wenig

Alexander Zverev arbeitet im Kraftraum für sein Comeback, Angelique Kerber ist schwanger. Die beiden besten deutschen Tennisprofis sind weit weg von den US Open, die aus deutscher Sicht zu einer tristen Veranstaltung werden könnten. Neben dem Fehlen der Topspieler sorgte das Lospech für Ernüchterung vor dem Turnierstart an diesem Montag in New York.

„Die deutschen Herren und Damen sind nicht gerade vom Losglück geküsst worden“, sagte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. Es wäre eine Überraschung, sollte das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres in der zweiten Woche noch mit deutscher Beteiligung über die Bühne gehen. „Das darf nicht unser Anspruch sein“, meinte Kohlmann, „aber in dieser speziellen Situation ist es das, was man leider hinnehmen müsste.“

Tatjana Maria könnte für eine Überraschung sorgen

Ein Blick auf die Weltrangliste zeigt, wie schwer es die acht deutschen Profis haben. Oscar Otte ist vor dem Turnierstart auf Rang 41 am besten platziert, doch dem Vorjahres-Achtelfinalisten fehlt nach seiner Knieverletzung Spielpraxis. Außerdem ist sein polnischer Auftaktgegner Hubert Hurkacz die Nummer zehn der Welt.

Womöglich können die Frauen wieder die Bilanz aufhübschen, so wie es Tatjana Maria (Halbfinale) und Jule Niemeier (Viertelfinale) beim Grand Slam in Wimbledon getan haben. Maria (35) sei mit ihrem Kämpferherz „immer für eine Überraschung gut“, meinte Frauentennis-Chefin Barbara Rittner, der erneute Einzug ins Halbfinale sei auf Hartplatz aber „wohl nicht zu wiederholen“.

Jule Niemeier hat auf Hartplatz noch Luft nach oben

Zumal Marias starke Auftaktgegnerin am Montag (17.00 Uhr MESZ/Eurosport), die griechische Weltranglistendritte Maria Sakkari, auf Revanche aus ist. In London verlor sie gegen die Deutsche. „Wimbledon hat mir gezeigt, dass ich mit den Besten mithalten kann. Dass ich sie sogar schlagen kann“, sagte Maria selbstbewusst.

Bei Niemeier (23), die in der ersten Runde gegen die frühere Australien-Open-Gewinnerin Sofia Kenin aus den USA antritt, dürfe die Öffentlichkeit „nicht den Fehler machen, sich vom Wimbledon-Turnier blenden zu lassen“, warnte ihr Trainer Christopher Kas. Andrea Petkovic, die zum Auftakt gegen die Schweizer Olympiasiegerin Belinda Bencic Außenseiterin ist, sieht in Niemeier das Potenzial für eine „Top-20-Spielerin“. Doch auf Hartplatz habe die Dortmunderin „noch Luft nach oben“, urteilte Rittner.

Ohnehin sind alle Augen auf Serena Williams gerichtet, der Abschied der Tennis-Queen dürfte emotional werden. Die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin darf zum Auftakt gegen Danka Kovinic aus Montenegro in der ersten Night Session im Arthur Ashe Stadium vor fast 24.000 Fans antreten und sich – vielleicht ein letztes Mal im Einzel – feiern lassen. Später im Turnier tritt die 40-Jährige mit ihrer älteren Schwester Venus noch im Doppel an.

Bei den Männern peilt der Spanier Rafael Nadal seinen 23. Grand-Slam-Titel an. Sein größter Rivale Novak Djokovic durfte wegen seiner fehlenden Impfung gegen Corona nicht in die USA einreisen, und der Schweizer Roger Federer hat noch immer Trainingsrückstand nach einer weiteren Knieoperation.

Einer von Nadals größten Herausforderern ist Daniil Medwedew. Der Weltranglistenerste darf seinen Titel verteidigen, weil anders als in Wimbledon, ein Start der russischen und belarussischen Spieler trotz des Krieges in der Ukraine erlaubt ist. Daher werden auch Weltranglistenpunkte verteilt.