Berlin - Die tunesischen Fans stimmten zu Ehren von Ons Jabeur die tunesische Nationalhymne an, die Siegerin des Rasen-Turniers von Berlin kümmerte sich empathisch um ihre verletzte und enttäuschte Gegnerin. Einträchtig saßen Jabeur und Belinda Bencic nach der Aufgabe der Schweizer Tennis-Olympiasiegerin im Finale nebeneinander auf der Bank. Beim Stand von 3:6, 1:2 aus Sicht von Bencic konnte die 25-Jährige am Sonntagnachmittag bei mehr als 30 Grad nicht mehr weiterspielen.

„So wollten wir sicher beide nicht dieses Spiel beenden. Du bist so eine Kämpferin, ich bin mir sicher, dass du für Wimbledon wieder bereit sein wirst“, sagte Jabeur zu ihrer Gegnerin, die sie als „Freundin“ bezeichnete. Mit ihrem zweiten Turniererfolg im vierten Finale dieses Jahres wird sich die topgesetzte Jabeur auf Rang drei der Weltrangliste schieben. „Ich liebe dich, Berlin“, schloss sie auf deutsch unter dem Jubel nicht nur der mehreren dutzend tunesischen Fans ihre Rede.

Bencic erlebte den Schreckmoment, als sie beim Stand von 3:5 wegrutschte und längere Zeit am linken Knöchel behandelt wurde. Die 25-Jährige versuchte, stark bandagiert weiter zu spielen, leistete sich in ihrem zweiten Aufschlagspiel des zweiten Satzes drei Doppelfehler und gab enttäuscht auf.

„Du verdienst diesen Titel, ich will dir diesen Moment nicht wegnehmen“, sagte Bencic, nachdem sie schweren Schrittes auf das Podest bei der Siegerehrung gegangen war. „Hoffentlich kann ich nächstes Jahr endlich diesen Titel holen.“ Bencic musste sich damit wie im Vorjahr in Berlin erst im Finale geschlagen geben. Vor gut zwei Monaten hatte sie Jabeur im Endspiel von Charleston auf Sand geschlagen.

Sie werde sich nun weiter untersuchen lassen, pausieren und dann nach Wimbledon reisen, sagte Bencic. Sie wollte eigentlich in Bad Homburg antreten und sollte dort in der ersten Runde auf Sabine Lisicki treffen.

Jabeur spielt in Eastbourne und tritt dort im Doppel mit Superstar Serena Williams vor deren Wimbledon-Comeback an. „Ich bin wirklich glücklich, dass sie mich ausgewählt hat. Hoffentlich geben wir ein gutes Team ab“, sagte Jabeur.

Als beste Deutsche in Berlin war Andrea Petkovic im Achtelfinale ausgeschieden. Angelique Kerber hatte in der Vorbereitung auf den Rasen-Klassiker in Wimbledon (27. Juni bis 10. Juli) auf eine Teilnahme verzichtet und startet nun beim Turnier in Bad Homburg.

Für die zweite Auflage des Rasenturniers auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß Berlin zogen die Veranstalter ein insgesamt positives Fazit. „Ich bin sportlich von vorne bis hinten zufrieden“, sagte Turnierdirektorin Barbara Rittner vor dem Finale. „Ihr seid beide so große Vorbilder“, lobte sie die beiden Endspielteilnehmerinnen nach der Partie und sprach Bencic ihr Mitgefühl für die Verletzung aus. Nach offiziellen Angaben kamen insgesamt knapp 30 000 Zuschauer zu dem Turnier.