New York - Noch einmal ein paar kurze Trippelschritte, bevor man sich zum Aufschlag an der Grundlinie platziert, noch einmal sich das Handtuch vom Balljungen geben lassen, zwei Sekunden, um sich zu sammeln. Das darf noch nicht das Ende sein, nach diesem zähen Ringen, nach all den Anstrengungen – ist es aber: Maria Scharapowa verliert durch eine zu lang geratene Vorhand den Punkt, den Satz und das Spiel, 6:3, 2:6, 4:6 gegen Viktoria Asarenka, die erst einmal ein Freudentänzchen hinlegte und im Finale der US Open auf die dreimalige Siegerin und Vorjahresfinalistin Serena Williams aus den USA trifft.

Die 30-Jährige ließ in ihrem Halbfinale von Beginn an keine Zweifel aufkommen, dass sie auch den vierten Vergleich mit Sara Errani gewinnen wollte. Die an Nummer zehn gesetzte Italienerin, die im Achtelfinale Angelique Kerber ausgeschaltet hatte, war in ihrem ersten Halbfinale in Flushing Meadows überfordert und verlor in 64 Minuten mit 1:6, 2:6. Asarenka hat von zehn Vergleichen mit Williams einen gewonnen.

Scharapowa als Teilzeitspielerin

Zuletzt benötigte Maria Scharapowa immer etwas Anlauf, um ins Spiel zu kommen. Wen wundert’s, entwickelt sich die 25-jährige Russin doch immer mehr von der Voll- zur Teilzeit-Tennisspielerin. Da ist das Business, das sie immer mehr in Anspruch nimmt, als gefragtes Covergirl, als Testimonial oder eben als Inhaberin der Süßigkeitenfirma Sugarpova.

Und da ist die Liebe, die – wie Ende vergangener Woche zu erfahren war − ihr erst neulich mal wieder abhanden gekommen ist. Wie gesagt, das alles macht sie für gewöhnlich zu einer Spätstarterin mit dem Hang zum Dreisatzmatch.

Gegen die an Nummer eins gesetzte Weißrussin Viktoria Asarenka, die auf dem Weg ins Halbfinale im bisher wohl besten Spiel des Turniers Titelverteidigerin Samantha Stosur aus dem Wettbewerb gekreischt hatte, war sie allerdings sofort bei der Sache. Sie war es, die unter der unbarmherzigen Sonne, bei über 30 Grad Celsius ohne erfrischendes Lüftchen, schnell an Dominanz gewann. Die den richtigen Spirit zum Auftakt des Champion Weekends mit ins Arthur Ashe Stadium gebracht hatte.

Mit ihrem ersten Aufschlag verschaffte sie sich immer wieder in eine gute Feldposition, um sich mit dem zweiten Schlag doch zumeist erfolgreich an einem Winner zu versuchen. Mit kühlem Kopf und einer erstaunlichen Frische verfolgte sie ihren Spielplan.

Dagegen wirkte Asarenka, die mit dem Sieg bei den Australian Open ins Jahr gestartet war und eine stabile Saison hatte folgen lassen, zunächst fahrig. Mit einem Doppelfehler schenkte sie ihrer Widersacherin das Break zum 0:2, wenig später mit einem weiteren das Break zum 1:5. So eröffnete sich nach 40 Minuten für Scharapowa die Chance zum Satzgewinn, sie schlug ein Ass, 6:3, und schlug sich ihre zarte Faust gegen den Oberschenkel.

Hang zur Wankelmütigkeit

Allerdings hatte die glamouröseste Spielerin auf Tour bereits im achten Spiel ihren Hang zur Wankelmütigkeit angedeutet. Es gibt eben auch eine Maria Scharapowa, die sich innerhalb von wenigen Minuten in Folge einer plötzlich auftretenden Konzentrationsschwäche um das zäh Erarbeitete bringen kann. Und so kämpften die beiden Kontrahentinnen – begleitet von einem schrillen Mix aus Heul- und Quietschlauten − zu Beginn des zweiten Satzes Tennis mehr als dass sie es spielten.

Es war Viktoria Asarenka, die als Erste einen Ausweg aus dem Fehlerfestival fand, die über zwei, drei gelungene Aktionen wieder Vertrauen und Sicherheit gewann. Aber Scharapowa konnte ihr folgen. Erst jetzt hatte dieses Halbfinale die Qualität, die man von einem Grand-Slam-Halbfinale erwarten darf. Innerhalb von Sekunden wechselten die beiden nun die Rollen im Katz-und-Maus-Spiel, wobei Asarenka des Öfteren das bessere Ende für sich hatte, der Gewinn des zweiten Satzes war die logische Konsequenz.

Der Trend setzte sich trotz zäher Gegenwehr von Scharapowa im dritten fort. Asarenka blieb die Spielerin mit der kleineren Fehlerquote, mit der größeren Stabilität in einem Spiel der Nerven.