New York - Jeden Tag kommen Tausende auf dem Weg von den Tennisplätzen der US Open zu den Verpflegungsständen an den lebensgroßen Fotografien in Schwarzweiß vorbei, die auf der East Plaza zu einem sehr speziellen Jahrestag ausgestellt sind. Sie zeigen Arthur Ashe aus Richmond/Virginia, der vor 50 Jahren den Titel bei den US Open gewann.

Es war der erste Titel eines schwarzen Mannes bei einem Grand-Slam-Turnier – in den Fünfzigerjahren hatte Althea Gibson drei der großen vier Titel bei den Frauen gewonnen –, und es war der erste der Profizeit bei den US Open, also einem offenen Turnier für Amateure und Profis, damals noch nicht in Flushing Meadows, sondern im West Side Tennis Club in Forest Hills augespielt. Ashe, der damals noch als Unterleutnant zur Armee der USA gehörte und deshalb als Amateur galt, durfte das Preisgeld von 14 000 Dollar für den Sieg nicht annehmen; das landete beim besiegten Finalisten Tom Okker aus den Niederlanden. Für den Sieger blieben pro Tag 28 Dollar Spesen.

Die bewegten Bilder von damals zeigen einen schlanken, hochgewachsenen Mann, der viele Punkte mit exzellentem Serve-und-Volleyspiel macht, der eine kraftvoll elegante Rückhand spielt und sich leichtfüßig mit schnellen, kleinen Schritten bewegt. Ashe gewann später zwei weitere Grand-Slam-Titel, 1970 bei den Australian Open und fünf Jahre danach in Wimbledon, und vor allem dieser Sieg in Wimbledon war eine ganz große Geschichte. Das Finale gegen den zehn Jahre jüngeren Jimmy Connors stand für viele Gegensätze, aber vor allem für einen: Auf der einen Seite stand einer der größten Egoisten und Flegel des Tennis, auf der anderen ein Menschenfreund und Gentleman.

Dreimal die Einreise verweigert

In den frühen Siebzigerjahren war Arthru Ashe aber längst mehr als nur ein Tennisspieler, der in seiner Karriere 33 Titel und dreimal den Davis Cup mit dem US-Team gewann. Er kämpfte gegen die Apartheid in Südafrika, wo ihm dreimal ein Visum zur Einreise verweigert wurde, er dann aber schließlich doch als erster Schwarzer bei den South African Open spielte. Die schwarzen Südafrikaner feierten ihn dafür und gaben ihm in der Zulu-Sprache einen Namen: Sipho – ein Geschenk Gottes.

Nach einem Treffen mit Nelson Mandela viele Jahre danach fand er, verglichen mit Mandelas Opfern sei sein eigenes Leben nahezu von Genusssucht geprägt gewesen. „Wenn ich an ihn denke“, sagte er, „dann kommen mir meine eigenen politischen Anstrengungen kümmerlich vor.“ Es gab viele, die die Sache anders sahen. Vom früheren Botschafter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Andrew Young, stammt diese Beschreibung von Arthur Ashe: „Er nahm die Last der Rasse an und trug sie wie einen Mantel der Würde.“

Zwei Männer mit Ambitionen und Stil

Ashe kämpfte gegen Rassismus und Armut, kümmerte sich um Jugendprojekte und arbeitete nach dem Ende seiner Karriere gemeinsam mit dem Sänger Harry Belafonte 1983 in einer Initiative für Athleten und Artisten gegen Apartheid. Auf einem der aktuell bei den US Open ausgestellten Bilder des Fotografen John G. Zimmermann, der Ashe für das Magazin Time Life begleitete, ist er mit Belafonte zu sehen; zwei Männer in Schwarzweiß mit Ambitionen und Stil.

Es gab im Männertennis seither nie wieder einen Mann mit so ausgeprägtem, vielfältigen Engagement in allen Bereichen des Lebens, und man würde sich gern vorstellen, wen und was Ashe noch alles bewegt hätte, hätte sein Leben länger gedauert. Der Amerikaner James Blake, einer der wenigen schwarzen Spieler, die im Welttennis Erfolge feierten neben dem Wimbledon-Finalisten von 1996, MaliVai Washington, schreibt in seinem Buch Days of Grace Folgendes: „Ashe hat uns gezeigt, wie man Gegnerschaft zum Heilen und nicht zum Verletzen einsetzen kann. Und er hat mich gelehrt, wie ernst, einschüchternd oder erschütternd die Situation auch immer sein mag, in der du gerade bist, kannst du doch immer versuchen, die Welt auf eine positive Weise zu beeinflussen.“

Der entscheidende Nachlass

Nach einer Gehirn-Operation im Jahr 1985 erfuhr Arthur Ashe, dass er sich vermutlich bei einer von zwei früheren Operationen an seinem Herzen mit einer kontaminierten Blutkonserve mit dem HIV-Virus infiziert hatte. Doch selbst mit dieser tödlichen Bedrohung ging er offensiv um; er wandte sich an die Generalversammlung der Vereinten Nationen und forderte mehr finanzielle Mittel für die Aids-Forschung und gründete das Arthur Ashe Institut for Urban Health, um den Städtern bessere Gesundheitsversorgung zu bringen.

Ihm selbst war nicht mehr zu helfen; Ashe starb am 6. Februar 1993 mit nur 49 Jahren. Seine Witwe, die Fotografin Jeanne Moutoussamy Ashe, sagt, ihrem Mann sei nie viel daran gelegen gewesen, in den Erinnerungen der Menschen als Tennisspieler vorzukommen. „Aber das Spiel gab ihm eine Platform, über die Themen zu reden, die ihm sehr am Herzen lagen.“

Ein paar Meter entfernt von den großartigen Fotografien, die dieser Tage bei den US Open ausgestellt sind, ist eine Inschrift in großen Lettern in Steine graviert, gewissermaßen der entscheidende Teil des Nachlasses von Artur Ashe, der vor 50 Jahren als erster und bisher einziger schwarzer Mann den Titel bei den US Open gewann. Und das ist die Botschaft: From what we get, we make a living; what we give, however, makes a life.