Eingefügt in das Umfeld: Tennis funktioniert nicht nur im Steffi-Graf-Stadion, sondern entfaltet auch im Hangar eine spezielle Atmosphäre.
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BerlinDrückende Bässe und etwas sanftere, elektronischere Stücke wechselten sich ab und klangen wie ein paar Werke aus Paul Kalkbrenners Erfolgsfilm „Berlin Calling“. Gepaart mit ein paar Lichteffekten erinnerte das musikalische Doppel  aus den Boxen im Hangar sechs in Tempelhof eher an eine Chillout-Party an einem frühen Sonnabendvormittag in einem Berliner Szeneclub als an ein Tennisturnier. Während die Clubszene der Hauptstadt noch immer auf ihren Restart warten muss, hat der Tenniszirkus am Freitag seinen zweiten Schritt gemacht. Nach Rasentennis im altehrwürdigen Steffi-Graf-Stadion steigt der zweite Teil der Berliner Einladungsturniere bis Sonntag auf eigens dafür ausgelegtem Hartplatz. Und in bewusst gewähltem Ambiente. „Wir wollten ein urbanes Flair für Tennis schaffen, damit man Tennis den Menschen näher bringt, die den Sport vielleicht nicht so gut kennen“, sagt Edwin Weindorfer.

Der Turnierveranstalter passte sich dann auch gleich optisch den eigenen Absichten an. War er im Steffi-Graf-Stadion im schicken Grunewald noch mit den zum Anzug passenden Lederschuhen unterwegs, schwebte er im Hangar mit lila-weißen Sneakers über die Veranstaltungsfläche. Von seinem Sitzplatz aus konnte er nicht nur das Tennis auf dem Court zwischen den beiden beweglichen Tribünen, sondern durch das offene Hangar-Tor auch das Treiben auf dem Tempelhofer Feld sehen. 

Während dort Jogger, Radfahrer und weitere Sportler ihren üblichen Betätigungen nachgingen, wurde drinnen Tennis gespielt. „Die Location ist cool, deshalb freue ich mich drauf. Vielleicht spielt man nur einmal in seinem Leben in einem Hangar, deshalb will ich jedes Detail genießen“, sagte Dominic Thiem nach seinem Turniersieg auf Rasen am Mittwoch. Er und auch der Rest des Teilnehmerfeldes waren bereits in den Vortagen von der etwas anderen Location angetan und nutzten sie für Selfies vor oder neben einem Flugzeug.

Der Hangar hat sich in den vergangenen Jahren durchaus schon als Austragungsstätte für Sport bewährt. Aber: Während Sportarten wie Trial oder Streetball per se als urban gelten, haftet an Tennis noch immer ein anderer Ruf. Hinter großen Zäunen und auf einem schicken Clubgelände meist abgeschottet von der Außenwelt, wirkt Tennis noch immer elitär und alles andere als urban. Selbst ein früherer Weltklassespieler wie Andre Agassi wurde in seiner aktiven Zeit durch seine langen Haare und bunten Klamotten als „Tennispunk“ bezeichnet. Um den Sport einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und Nachwuchs zu gewinnen, wird in Deutschland seit einigen Jahren mit Street-Tennis eine vereinfachte Variante angeboten, die schnell mal auf einem Schulhof oder der Straße aufgebaut werden kann.

Auch wenn im Berliner Hangar an diesem Wochenende auf den Originalmaßen eines Tennisplatzes gespielt wird, haben die Veranstalter viel getan, um die urbane Idee nach außen zu transportieren. Wird in Berlin der Boden von neuen Sportanlagen gerne mal im schlumpfigen Blau gestaltet, wurde der Einzelplatz in zwei Grautönen an die Umgebung des Hangars mit seiner Betonoptik angepasst. Den Spielern, die in ihrer Karriere schon viel herumgekommen sind und viel gesehen haben, hat es jedenfalls gefallen. „Das ist ein spezieller Platz mit einer wunderschönen Aussicht“, sagte der 18-jährige Jannik Sinner, nachdem er das erste Turnierspiel am Freitag gewonnen hatte. Nur der Einblick war auch hier nicht ganz so einfach, schließlich ist der Zugang durch einen Zaun nicht einfach so möglich zudem sind die Ticketpreise nicht gerade günstig. Dennoch zeigt das Turnier, dass Tennis auch in einem weniger elitären Umfeld eine anziehende Wirkung haben kann.