IOC-Präsident Thomas Bach scheute sich zu lange vor einer Entscheidung.
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BerlinWas Shinzo Abe, der   japanische Premierminister, am Dienstag als Vision kurz skizzierte, klang – mal unabhängig von dem dabei offenkundig werdenden Mangel an Demut – wie eine Drohung. Die Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr sollten zum „Beweis“ für den Sieg der Menschheit über die Coronavirus-Pandemie werden, sagte der 65-Jährige, nachdem er sich mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dann doch noch auf eine Verschiebung der Spiele um ein Jahr, von 2020 auf 2021, verständigt hatte. Ja, wie eine Drohung klang das, weil man sich einfach nicht vorstellen mag, dass sich einer wie Bach in dem Licht eines bedeutungsschweren Neuanfangs als Hauptdarsteller drehen und wenden darf. Dass sein Auftritt bei einer bestimmt   symbolträchtigen Eröffnungsfeier gar mit Applaus bedacht wird.

Thomas Bach hat sich selbst entlarvt

Bach, 66, hat sich mit seinem Verhalten in den vergangenen Wochen nämlich als mächtigster Mann des Sports endgültig unmöglich gemacht; hat sich in einer prekären Krisensituation letztlich als ein doch sehr biederer Funktionär und Manager entlarvt, als einer, der sich offenbar weniger über das Wohl und Wehe der Sportler und Zuschauer denn um etwaige Regressansprüche Gedanken macht.

Es brauchte schon den Druck der Athleten, letztlich wohl auch den Druck des noch immer sehr einflussreichen US-amerikanischen Olympia-Komitees, dass der ehemalige Weltklassefechter endlich klein beigibt und zur späten Einsicht kommt. Und dass er mit Abe die Option einer Verschiebung wählt, wenngleich man noch gar nicht weiß, wie das Jahr 2021 so viel Sport vertragen soll.