MagdeburgEin Zyniker würde behaupten, dass Sören Bertram sich eigentlich freuen konnte. Erstmals seit dem vierten Spieltag in der Dritten Liga stand der 29 Jahre alte Flügelstürmer wieder im Kader des 1. FC Magdeburg. Noch „besser“ traf es Christian Beck: Der Kapitän des Traditionsklubs durfte nach zwei Partien auf der Bank beim Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden wieder von Beginn an auflaufen. Drei Spiele in Folge hat der 32-Jährige in seinen sieben Jahren beim FCM noch nie verpasst.

Also alles gut an der Elbe? Mitnichten! Nicht nur, dass die Magdeburger ihr Heimspiel gegen die Hessen sehr unglücklich, aber eben auch nicht unverschuldet mit 1:2 (0:0) verloren. Nein, der Klub buddelt, mitten in der sportlichen Krise, im Hintergrund schon an der nächsten Baustelle. Und die ist eng mit Bertram und Beck sowie mit Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula verknüpft.

Es war die Partie gegen Aufsteiger Türkgücü München am fünften Spieltag, vor der Magdeburgs angezählter Trainer Thomas Hoßmang zu einer so ungewöhnlichen wie potenziell unpopulären Maßnahme griff, um das Ruder für den angeschlagenen Ex-Zweitligisten herumzureißen. Hoßmang verbannte Kapitän Beck, der in dieser Saison noch kein Liga-Tor erzielen konnte, auf die Bank und Stürmer Bertram gar aus dem Kader. Auch Gjasula flog aus der Startelf. Stattdessen durften jüngere Spieler, wie der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler Andreas Müller oder der 25 Jahre alte Stürmer Daniel Steininger auflaufen. Hoßmangs Plan: Mit jungen, hungrigen und unbekümmerten Kickern einen neuen Impuls setzen.

Die Degradierung seiner Routiniers: Thomas Hoßmangs letzter Fehler?

Der Plan ging auch auf: Der FCM feierte gegen München den ersten Saisonsieg, ein 2:0, bei dem Youngster Müller die Führung erzielte. Nur war der Sieg rückblickend - die Magdeburger haben die beiden Spiele seitdem verloren - kein Befreiungsschlag und die Degradierung der Veteranen womöglich Hoßmangs letzter Fehler, ehe die sportliche Leitung der Magdeburger ihn noch in der kommenden Woche entlassen könnte.

Der 53-Jährige sah die Verjüngungskur seines Teams eben nicht als Impuls, sondern als dauerhafte Maßnahme, glaubte daran, dass die Magdeburger ohne Beck, Bertram und Gjasula bessere Ergebnisse einfahren könnten. Ein Trugschluss. Kapitän Beck hat, weil er in sieben Jahren und drei Spielklassen für den FCM die Knochen hingehalten und, ganz nebenbei, 129 Tore erzielt hat, nicht nur einen gewissen Respekt, sondern auch ein Vertrauen verdient, was auch dann aufrechterhalten werden sollte, wenn es, wie in dieser Saison, auch bei ihm nicht optimal läuft. Niemand in Magdeburg fordert für „Beckus“ eine Einsatzgarantie, doch die Degradierung war das falsche Statement.

Ähnliches gilt für Sören Bertram. Er, der trotz seiner lebhaften Vergangenheit beim Halleschen FC nie einen Hehl daraus gemacht hat, alles für den FCM geben zu wollen und dabei im Heinz-Krügel-Stadion die beste Torquote seiner gesamten Profikarriere aufs Feld gebracht hat (zehn Treffer in 41 Spielen), soll ein Faktor des Misserfolges sein? Bei Jürgen Gjasula, im Vorjahr (hinter Beck und Betram) drittbester Torschütze der Magdeburger, stellt sich die gleiche Frage. Er legte noch als degradierter Spieler nach seiner Einwechslung gegen Türkgücü das 2:0 durch Kai Brünker auf.

Fakt ist, dass alle drei in der laufenden Saison unter ihren Möglichkeiten spielen. Keiner von ihnen hat bisher ein Tor erzielt, Beck und Bertram haben nicht einmal einen Treffer aufgelegt. Viel zu wenig für die Leistungsträger, die allesamt genug Erfahrung haben, dass ihnen das keiner gesondert erklären muss. Fakt ist aber auch, dass das Unter-ihren-Möglichkeiten-Spielen auf die gesamte Mannschaft zutrifft und die Tatsache, dass das insbesondere für die drei Schlüsselspieler des Teams gilt, wiederum ein schlechtes Licht auf den wirft, der sie trainiert und zuletzt degradierte: Thomas Hoßmang. Es wäre eine Überraschung, wenn er am kommenden Sonnabend in Mannheim noch auf der FCM-Bank sitzt. Was im Übrigen auch für Sören Bertram und Jürgen Gjasula gilt.