Thomas Müller ist beim FC Bayern derzeit wieder bester Laune.
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BerlinWenn Karl-Heinz Rummenigge Antwort auf eine Frage gibt, setzt er gern mal mit einem „Am Ende des Tages ...“ an, unabhängig von der Tageszeit, also gern auch mal spät abends, aber auch unabhängig von der Fragestellung.   Mitunter eröffnet der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern seine Ausführungen aber auch gern wie folgt: „Ich möchte   Jogi Löw da grundsätzlich keine Ratschläge geben, aber ...“. Was Rummenigge mit diesen rhetorischen Kniffen bezwecken will, leuchtet einem nicht so recht ein. Aber sei’s drum. Am Ende des Tages hat er aus seiner Sicht sowieso immer Recht und der Bundestrainer einen Ratschlag nötig. Natürlich auch im Fall Thomas Müller.

Der 30-Jährige wurde von Joachim Löw ja im Nachgang der Weltmeisterschaft 2018 als verzichtbar erachtet, hat aber in den vergangenen Wochen so gespielt hat, dass er für den einen oder anderen und natürlich auch für Rummenigge im Hinblick auf die Besetzung des Kaders für die Europameisterschaft 2020 als unverzichtbar erscheint. Ja, es ist sogar in den Boulevardmedien so eine Art Kampagne (inklusive Leserumfragen) in Gang gesetzt worden, die Löw zu einem Sinneswandel bewegen soll. Und Rummenigge spielt da natürlich gerne mit, betonte am Montag in einem kurzen Interview mit Sport 1 noch mal, dass Löw erfahren genug sei, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, zudem habe Löw ja große Erfolge mit der Nationalmannschaft gefeiert, er aber sage immer: „Wenn einer top spielt – und ich hoffe, dass Thomas weiter top auf diesem Niveau spielt –, dann wird da möglicherweise noch ein Umdenken stattfinden.“

Probleme in der Defensive

Für Müller selbst ist die Diskussion um seine Person eine tolle Sache, womöglich auch eine Genugtuung. Er kann es so halten, wie es ihm die Torwartlegende Sepp Maier nahegelegt hat („Wenn man ihn schon einmal entsorgt hat, dann soll Jogi ihm den Buckel runter rutschen ... Ich würde lieber zum Golfen gehen. Die fahren ja sowieso gleich wieder heim und dann ist wieder Müller schuld“) oder einfach abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Fakt ist, dass Löw beim Relaunch der Nationalmannschaft weniger in der Offensive denn in der Defensive mit einem Qualitätsmangel zu kämpfen hat. Die Namen sprechen für sich: Hier Serge Gnabry, Leroy Sané, Marco Reus, Julian Brandt und Timo Werner, dort Matthias Ginter, Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Niklas Stark und Robin Koch. Insofern wäre eine Rückholaktion von Mats Hummels wohl zielführender, aber Hummels ist am Ende des Tages im Gegensatz zu Müller eben kein Volksfußballspieler.