Lisa und Thomas Müller teilen ihre Leidenschaft für den Pferdesport.
dpa

MünchenKaum war die Nachricht in der Welt, reagierte Thomas Müller durchaus angetan. „Wenn man ganz viel träumen mag, wäre das natürlich schon eine coole Sache“, sagte der Offensivspieler des FC Bayern zu einem Bericht, wonach U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz erwägt, den Weltmeister von 2014 in den Kader für das olympische Fußballturnier vom 22. Juli bis 8. August in Tokio 2020 zu berufen. Ein paar Einschränkungen äußerte Müller zwar am Montag, doch allein seine schnelle und freudige Reaktion auf dieses Gedankenspiel mit Charme dokumentierte sein Interesse.

Der kicker hatte zuvor berichtet, dass Kuntz Müller im Hinterkopf habe als einen der möglichen drei älteren Olympia-Kandidaten, die vor dem 1. Januar 1997 geboren wurden und die er nominieren darf. Bis zu diesem Mittwoch müssen alle möglichen Olympia-Spieler auf die Liste der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) gesetzt werden. Neben Müller, 30, ist auch Leverkusens Offensivspieler Kevin Volland, 27, ein Kandidat, mit dem Kuntz bereits über eine mögliche Nominierung gesprochen hat. Bereits auf der Nada-Liste stehen sollen Herthas Davie Selke, 24, Wolfsburgs Maximilian Arnold, 25, und Bremens Maximilian Eggestein, 23. Auch der bisherige Japan-Legionär Lukas Podolski, 34, und der in China spielende Sandro Wagner, 32, waren oft als mögliche Kandidaten genannt worden, spekuliert wurde über einige weitere wie über die beiden Mönchengladbacher Weltmeister von 2014, Christoph Kramer, 28, und Matthias Ginter, 25. Die vorläufige Nada-Liste umfasst ohnehin alle A-Nationalspieler und darf entsprechend mehr als drei ältere Olympia-Kandidaten beinhalten. Eine Entscheidung über den endgültigen Kader wird aber erst in einigen Monaten fallen.

Für Müller wären die Sommerspiele eine Premiere und zudem ein versöhnlicher Karriere-Höhepunkt nach seiner Ausbootung aus der Nationalmannschaft im März 2018, als ihm Bundestrainer Joachim Löw neben Mats Hummels und Jérôme Boateng unvermittelt mitteilte, nicht mehr auf sie zu setzen. Müller reagierte damals sehr enttäuscht und beklagte mangelnde Wertschätzung. Ausgeschlossen hatte er aber nie, in die Nationalelf zurückzukehren, für die im Sommer die EM ansteht.

Lisa Müller im Olympia-Perspektivkader der Dressurreiter

Für Müller hat die Aussicht auf Tokio 2020 einen besonderen Reiz, weil damit auch eine gemeinsame Olympiateilnahme mit seiner Frau möglich zu sein scheint. Lisa Müller, 30, hat es im Dressurreiten bereits in den Perspektivkader für die Spiele geschafft. Als ihr Ziel nannte sie jüngst Olympia, gab sich wegen der großen Konkurrenz dabei aber ebenso zurückhaltend wie nun ihr Mann in seiner ersten Reaktion gegenüber Sport1. „Das ist eine coole Spinnerei, aber sowohl für mich als auch für meine Frau hat das in 2020 nicht die oberste Priorität“, sagte Thomas Müller, „ich habe in den nächsten fünf Monaten erst mal sehr große Ziele mit dem FC Bayern. Meine Frau hat erst mal andere Turniere im Visier, wodurch Olympia noch in ganz weiter Ferne liegt.“ Zudem müsste sein Arbeitgeber zustimmen, Müller abzustellen. Verpflichtet dazu wäre der Verein nicht, da Olympia nicht zum Fifa-Kalender zählt. „Ich weiß nicht, welche Umstände da reinspielen müssten, dass ich Olympia spiele, wenn sich im August schon die Klubmannschaften auf die Saison vorbereiten. Das wäre ungewohnt“, sagte Müller dazu, ergänzte aber: „Sag niemals nie.“

Das gilt auch in Bezug auf seine Vereinszukunft. „Mein Fokus liegt ausschließlich darauf, die Saison erfolgreich zu bestreiten. Was dann im Sommer passiert, da werde ich mit dem Verein sprechen und mit mir selbst. Dann schauen wir mal, in welche Richtung das geht“, sagte Müller. Neben einem Wechsel sei auch eine Vertragsverlängerung über 2021 hinaus möglich. „Bei so einer Sache werfen alle Parteien ihre Argumente in den Topf. Schauen wir mal, ob man da ein Menü zusammenbekommt. Man muss halt abgleichen, was alle Parteien wollen“, sagte Müller.

Seit Hansi Flick als Chefcoach fungiert, gehört Müller wieder zur festen Bayern-Achse. Mit elf Torvorlagen gelang ihm in der Bundesliga-Hinrunde sogar ein Rekord, trotz des Bankfrustes unter Flicks Vorgänger Niko Kovac, der ihn sogar zum Notnagel herabgestuft hatte. „Wenn du nach so vielen Jahren etwas extremer auf den Prüfstand gestellt wirst, dir dann aber selber die Bestätigung herausarbeitest, dass du es schon noch drauf hast, ist das immer ein schönes Gefühl“, sagte Müller jüngst im Trainingslager in Katar, „ich habe diese Prüfung nach meinem persönlichen Gefühl gut bestanden.“ Womöglich hält 2020 für ihn nun sogar die Herausforderung Olympia bereit. Gold gewann ein deutsches Männerteam dort übrigens nur einmal, 1976 das der DDR. Weltmeister und Olympiasieger wurde also noch kein deutscher Fußballer in seiner Karriere.