Er sagt, er sei erleichtert, aber auch traurig darüber, dass es jetzt vorbei ist. Thomas Sobotzik klingt leise am Telefon. Er wägt ab, was er sagt. Und eigentlich will er gar nichts sagen. Er hat deshalb eine Stellungnahme verschickt, in der er mitteilt, warum er am 4. September darum gebeten hat, als Geschäftsführer des Chemnitzer FC freigestellt zu werden.

Thomas Sobotzik war bei einem Auswärtsspiel als „Judensau“ beschimpft worden 

Dass er sich dafür eine Woche Zeit genommen hat, lässt darauf schließen, dass er seine Worte abgewogen hat. Die Hauptaussage des Schreibens, das auch die Berliner Zeitung per Mail bekommen hat, steht in der Überschrift, von ihm selbst mit Anführungszeichen als Zitat kenntlich gemacht: „Ich wollte mich den zunehmenden Bedrohungen nicht mehr aussetzen!“

Gemeint sind damit Vorfälle wie jener am 24. August beim Auswärtsspiel des Chemnitzer FC gegen Bayern München II. Dort war Sobotzik als „Judensau“ beschimpft worden. Von mitgereisten „Fans“ des eigenen Vereins. Außerdem gab es Hakenkreuz-Schmierereien im Fanblock.

Thomas Sobotzik will Richtung Westen umziehen 

Er habe schon vor einigen Wochen mit dem Insolvenzverwalter Klaus Siemon über das Aufhören gesprochen, schreibt Sobotzik in seiner persönlichen Erklärung. Der Chemnitzer FC war im Frühjahr trotz Insolvenz in die dritte Liga aufgestiegen. Das habe es noch nie im deutschen Fußball gegeben, so Sobotzik.

Umso härter traf ihn der Hass der Fans. Er nennt das Spiel am 4. Mai in Meuselwitz als „einschneidendes Erlebnis“. Damals hatte die Mannschaft den Aufstieg klargemacht und Sobotzik ging in die Fankurve, weil ein Platzsturm drohte. Dort habe man ihn beschimpft und mit Bierbechern beworfen. Daran hätte sicher der hartgesottenste Trainer zu knabbern. Sobotzik wirkt aber eher wie ein zugewandter Geschäftsführer. Die Spieler der Mannschaft, die er seit 2018 formte, seien ihm fast wie Kinder ans Herz gewachsen, sagt er.

Doch vorbei ist vorbei. Sobotzik will nächste Woche Richtung Westen umziehen. Dem Verein hatte er angeboten noch einige Zeit zur Verfügung zu stehen, aber „längstens bis 15. September“.