Berlin - Er wurde als Matchwinner gefeiert, erhob aber keinen Anspruch auf einen Stammplatz. Auf die Frage, ob er sich mit seinen beiden Treffern zum 2:0 (0:0) über den FC Ingolstadt kurz nach seiner Einwechslung nicht dauerhaft als Joker empfohlen habe, reagierte Thorgan Hazard mit einem schelmischen Lächeln. „Wenn ich immer zwei Tore mache, kann ich auf der Bank bleiben – kein Problem“, scherzte der belgische Nationalspieler bei Sport1. Für seine beeindruckende Ausbeute in nur 19 Minuten Spielzeit hatte er eine einfache Erklärung: „Manchmal ist es leichter, wenn du von der Bank kommst. Dann ist der Gegner schon müde.“ Dass er seinen zweiten Treffer aber aus einer Abseitsposition erzielte, hatte er offenbar auch erkannt. „Das war Glück, dass es keinen Videobeweis gab“, sagte er bestens gelaunt.

70 Minuten müht sich Borussia Dortmund vergeblich

Die Einschätzung von Hazard passte zu diesem Pokalspiel. Über 70 Minuten lang bemühte sich der drückend überlegene BVB vergeblich um einen Treffer, ehe sich in der abgekämpften Ingolstädter Deckung die nötigen Lücken auftaten. Die nutzte der eigentlich nicht für seine Abschlussstärke bekannte Reservist im Stil eines echten Torjägers. „Ich hoffe, dass ihm das einen Schub gibt. Wir brauchen in den nächsten Wochen viele unterschiedliche Torschützen“, kommentierte Trainer Marco Rose in Anspielung auf den langen Ausfall von Erling Haaland.

In seiner Not rückte der Coach von seinem Vorhaben ab, Spieler wie Marco Reus und Hazard komplett für die kommenden anspruchsvolleren Aufgaben gegen Köln, Amsterdam und Leipzig zu schonen – und wurde für die späte Einwechslung der beiden Offensivkräfte in der 71. Minute belohnt. Dass sich sein um elf angeschlagene Profis dezimierter Kader im Duell mit Ingolstadt lange Zeit schwer tat, konnte Rose locker verschmerzen: „Wir haben das sehr seriös gemacht und ganz wenig zugelassen. Ich finde, es war eine sehr reife Leistung.“

Die wollten allerdings nicht viele Zuschauer sehen. Gegen den Zweitligisten waren lediglich 25.813 Besucher im Stadion, obwohl 67.000 zugelassen waren. Vor der Corona-Pandemie gehörte der BVB mit einem Schnitt von 80.000 Zuschauern regelmäßig zu den am besten besuchten Vereinen in Europa. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hält den für Dortmunder Verhältnisse geringen Fanzuspruch gegen den FC Ingolstadt allerdings nicht für besorgniserregend. „Im Vergleich zu anderen Stadien finde ich 25.000 sogar viel. 2006 haben wir auch in der 2. Runde gegen Unterhaching gespielt, da hatten wir 18.000 Zuschauer. Insofern ist das eine große Steigerung“, sagte Zorc der Bild. Zum geringen Zuspruch könnte der dichte Terminkalender der Borussia beigetragen haben. Neben dem Duell mit Ingolstadt stehen binnen einer Woche weitere Heimspiele gegen den 1. FC Köln (Sonnabend) und Ajax Amsterdam (Mittwoch) an.

Die, die auch gegen Ingolstadt im Stadion waren, konnten zwar kein rauschendes Fußballfest, aber zumindest das Erreichen der nächsten Pokalrunde erleben. Nach dem Abpfiff gab es von ihnen sogar für einen Spieler mehr Applaus, als für den Doppeltorschützen Hazard: Jude Bellingham. Ungeachtet der anhaltenden Terminhatz bewegte sich der erst 18 Jahre alte englische Nationalspieler gegen Ingolstadt erneut im Vollgas-Modus. Auch nach dem Schlusspfiff pflegte er seinen Ruf als mannschaftsdienlicher Spieler und lobte Hazard: „Ich freue mich sehr für Thorgan. Er wurde oft von Verletzungen zurückgeworfen und macht heute zwei Tore.“

Mit seiner unbekümmerten und kämpferischen Art ist Bellingham in Dortmund zu einem Publikumsliebling geworden. „Den Jungen Fußball spielen zu sehen, macht richtig Spaß. Er strahlt Verantwortung aus und ist ein kleiner Drecksack gegen den Ball. Er macht alles das, was man sich als Trainer wünscht“, schwärmte Rose.

FC Liverpool ist wohl an Jude Bellingham interessiert

Die gute Form des Jungstars schürt neuerdings vor allem auf dem Boulevard Spekulationen über das wachsende Interesse von Topklubs wie Liverpool. Doch die Sorgen, dass es Bellingham schon im kommenden Sommer zurück in seine englische Heimat ziehen könnte, scheinen in Dortmund gering. „Wir wissen, dass Jude langfristig an uns gebunden ist, da diskutieren wir auch gar nicht lange“, sagte Rose mit Verweis auf den Vertrag des Mittelfeldspielers bis 2025.

Ähnlich deutlich äußerte sich der aktuelle Dortmunder Lizenzspielerchef und künftige Sportdirektor Sebastian Kehl: „Es gibt keine Schmerzgrenze, es gibt keine Ausstiegsklausel. Er wird hier geliebt, er genießt es, er ist genau am richtigen Platz. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Jude diesen Verein in nächster Zeit verlassen wird.“