Berlin - Es herrschte eisige Stille in der Arena am Ostbahnhof. Dabei hatten 13.800 Zuschauer die Heimspielstätte der Eisbären Berlin beim peinlichen 4:8 im dritten Playoff-Viertelfinale gegen Hamburg bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur gelegentlich zerriss ein wütender Sprechchor aus der Fankurve hinter dem Tor die Ruhe.

Anstatt die Eisbären-Hymne zu singen, änderten die Fans den Text in ein donnerndes: „Eure Kartenpreise sind absolute Scheiße, ihr wollt nur noch Kohle. Nicht mit uns.“ Der Streit um die Ticketpreiserhöhungen zur kommenden Saison ist zwischen den Anhängern und dem deutschen Eishockey-Meister nach wie vor in vollem Gange.

Keine Zuversicht zu spüren

Die erhoffte Annäherung blieb aus Fansicht aus, sie stellten der Clubführung nun ein Ultimatum. „Wir erwarten bis Mittwoch eine Lösung, die für beide Seiten akzeptabel ist“, sagte Gaby Franz vom Fanausschuss, „ansonsten werden wir protestieren, wie es der Verein noch nie erlebt hat.“ Bereits im ersten Heimspiel gegen die Freezers hatten rund 3000 Zuschauer die Halle aus Protest verlassen.

Eisbären-Manager Peter John Lee hatte vor dem zweiten Heimspiel gegen die Freezers noch die „ruhigen und sachlichen“ Gespräche am vergangenen Donnerstag zwischen Vertretern aus beiden Lagern gelobt. Zwar sei die „Rechenaufgabe“ bei den angedachten Preiserhöhungen noch nicht gelöst. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dies zu schaffen.“

Auf Seiten der Fans ist von Zuversicht wenig zu spüren. „Im Prinzip ist seit den Gesprächen noch nichts passiert“, schimpfte Matthias Mader, Mitherausgeber des Fanzines „Eis-Dynamo“. Und Franz ergänzte: „Wir haben verschiedene Modelle aufgezeigt. Doch unserer Hauptforderung, dass die Playoff-Tickets in den Dauerkartenpreisen enthalten bleiben, ist der Verein bisher nicht nachgekommen.“

Bisher nur Verlierer

Dass nun die Rollstuhlfahrer doch keine 272 Euro wie geplant für ihre Dauerkarte bezahlen müssen und kostenfrei bleiben, ist für die Fans nur ein lauer Versuch der Beschwichtigung. Es sind nicht nur die Preiserhöhungen für Dauerkarten von bis zu 50 Prozent, die für Empörung sorgen. Es ist der Art, wie der Verein gegen sie, die treusten Anhänger, vorgeht. „Viele Fans, die seit 20 Jahren zu den Eisbären gehen, haben große Herzschmerzen“, berichtet Franz.

Das eigentliche Feindbild der Anhänger ist aber nicht der Verein, sondern die Anschutz Entertainment Group (AEG) und dessen Eigentümer Philip Anschutz in Los Angeles. Für sie ist der Eisbären-Besitzer die treibende Kraft hinter den Ticketpreiserhöhungen, weil er so seine Investitionen wieder einspielen will.

Bislang gibt es im Ticketstreit nur Verlierer: Die Fans und auch den Verein mit seinen Spielern. In den bisherigen Viertelfinal-Duellen gegen Hamburg waren die Eisbären-Leistungen sehr schwankend. Kapitän André Rankel gab nach dem 4:8-Debakel zu: „Wir sind im Kopf nicht frei.“