EdmontonDas Eishockey-Mutterland verliebte sich Hals über Kopf. Deutschlands Kapitän Tim Stützle hat die Herzen der kanadischen Experten und Fans bei der U20-WM in Edmonton mit seinem atemberaubenden Spielstil buchstäblich im Sturm erobert. Fünf Tore und fünf Assists in vier Partien - das 18 Jahre alte Ausnahmetalent raubt Kanada den Atem.

„Ich glaube nicht, dass es einen Spieler im Turnier gibt, der mehr bereit ist, und ich meine nicht einmal annähernd so bereit für die NHL, wie Tim“, schwärmte TV-Experte und Ex-NHL-Spieler Ray Ferraro. Vor allem in Ottawa, das Stützle an dritter Stelle im NHL-Draft ausgewählt hat, ist der Hype um den gebürtigen Viersener riesig. Er spiele „unglaubliches Hockey“, sagte Pierre Dorion, General Manager der Senators, der Stützle kurz vor dem Jahreswechsel mit einem Einstiegsvertrag über drei Jahre gebunden hat.

Doch der neue aufgehende Stern am Eishockey-Himmel von Ottawa sorgt abseits von seinen verblüffenden Qualitäten auf dem Eis für Verwirrung. Genauer gesagt die Schreibweise seines Namens. Stützle, Stutzle oder doch Stuetzle? Dieser Frage nahm sich der nationale TV-Sender TSN erst kürzlich an und versuchte Klarheit zu schaffen. Ein Wettbüro verlor gar komplett den Durchblick: Es bot eine Quote von 20:1 an, sollte „Tim Stuetzle“ die Calder Trophy 2021 als bester Rookie gewinnen. Sein „Konkurrent“, ein gewisser „Tim Stutzle“, wurde mit Quote 22:1 notiert.

Klarheit in der Causa verschafften am Ende die Senators selbst. Der Klub aus Ontario teilte mit, dass auf dem Trikot des Jungstars „Stuetzle“ stehen wird. Stützle selbst ließ die Diskussion kalt. „Am Ende will ich einfach nur in der NHL spielen. Mir ist es eigentlich egal, ob da ein U drauf steht oder ein Umlaut“, sagte er.

U20 trifft bei der WM auf Russland

Doch bis es soweit ist, und Stützle im Trainingscamp der Senators um einen der begehrten Plätze im NHL-Kader kämpfen wird, hat der ehemalige Stürmer der Adler Mannheim aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) noch mindestens eine schwere Aufgabe bei der WM im Rogers Place von Edmonton zu lösen.

Am Sonnabend (18.00 Uhr/frei empfangbar bei MagentaSport) bekommt es das Team von Bundestrainer Tobias Abstreiter, das erstmals überhaupt in der Geschichte das Viertelfinale erreicht hat, mit Russland zu tun. Die deutsche Mannschaft um Kapitän Stützle, deren Vorbereitung aufgrund einiger Coronafälle sehr schleppend verlief, hat sich im Laufe des Turniers gesteigert und rechnet sich auch gegen die favorisierten Russen etwas aus.

In den vier bisherigen Partien überragten vor allem Stützle und der von den Buffalo Sabres gedraftete John-Jason Peterka mit wunderschönen Toren und Spielwitz. „Unser Teamspirit ist da - und ich muss ein großes Lob an Tim und JJ loswerden, die beiden haben ein brutales Spiel gemacht“, sagte Simon Gnyp nach dem 5:4-Sieg gegen die Schweiz. „Wir haben als Reihe sehr gut funktioniert. JJ ist auch ein unglaublich guter Spieler und ein toller Kerl“, lobte Stützle: „Ich denke, wir können stolz sein auf das, was wir hier erreicht haben.“