Tischtennis: Wie der TTC Eastside in neue Dimensionen vorstoßen will

Was haben die millionenschweren Fußballer des FC Bayern mit den Tischtennis-Frauen des TTC Berlin Eastside gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts, aber immerhin gewannen beide Klubs schon die Champions League und mischen in ihrem jeweiligen Metier seit Jahren in der absoluten europäischen Spitze mit. Weitere Vergleiche verbieten sich – wirtschaftlich liegen mehrere Welten zwischen den beiden Klubs.

Dennoch zieht Andreas Hain, der in der internationalen Tischtennis-Szene glänzend vernetzte Manager des TTC Eastside, einen Vergleich mit dem FC Bayern, wenn es um die eigenen Zukunftsplanungen und Visionen geht. „Anfang und Mitte der Siebzigerjahre bewegten sich etwa Bayern und Borussia Mönchengladbach sportlich und finanziell auf Augenhöhe“, sagt Hain, „aber wo stehen die beiden Klubs heute?“

Seine Antwort: „Bayern ist allen anderen Konkurrenten, auch Mönchengladbach, meilenweit enteilt.“ Soll heißen: Auf dem Zenit der sportlichen Entwicklung müssen neue Ideen für die nahe Zukunft her. Hain meint, wenn man wie Bayern und eben auch Eastside sportlich ganz oben angelangt ist, muss man sich rechtzeitig fit für die kommende Zeit machen, „damit wir auch in fünf oder in zehn Jahren noch Spitze sind“.

Der Aufbau eines modernen Trainingszentrums auf dem Gelände an der Paul-Heyse-Straße in Prenzlauer Berg soll daher Gestalt annehmen. Dort befinden sich die Geschäftsstelle von Eastside, die Zentrale des Berliner Tischtennis-Verbandes, dazu die Große Spielhalle, die Eastside oft nutzen kann, und die Trainingshalle. Die für Sport zuständige Senatsverwaltung wird in den kommenden Jahren die Trainingsstätte des Vereins, die sogenannte Große Turnhalle, im Sportkomplex Paul-Heyse-Straße in wesentlichen Bereichen sanieren und modernisieren. Tischtennis wird wegen der intensiven Nutzung natürlich davon profitieren, wobei auch für Sportler, Sportlerinnen und Zuschauer eine größere Barrierefreiheit erzielt wird. Das betrifft zuvorderst die im Moment bestehende Trainingshalle, die später für sämtliche Tischtennis-Akteure – Spielerinnen von Eastside, Nachwuchsathleten wie Freizeitspieler – genutzt werden soll.

Das Projekt befindet sich in der Planungsphase. Diese Vorstellungen werden mit den Ideen des Berliner Tischtennis-Verbandes, des Berliner Behindertensportverbandes und dem Aushängeschild TTC Eastside abgestimmt und in Einklang gebracht werden. Der TTC würde in Zukunft gern eine Halle zur Verfügung haben, in der vielleicht gut 500 Zuschauer beste Sicht bei Bundesliga und internationalen Auftritten haben. Ob dies realisierbar ist, bleibt jedoch fraglich.

Standortvorteil Berlin nutzen

TTC-Präsident Alexander Teichmann sagt: „Wir haben in den zurückliegenden Jahren alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: die Meisterschaft, den nationalen Pokal und die Champions League. Um dieses Level zu halten, müssen wir den für viele Spielerinnen attraktiven Standortvorteil, den die Stadt Berlin bietet, noch besser nutzen und ausbauen.“ Eastside will einen Weg finden, dass gestandene Spitzenspielerinnen und auch Nachwuchstalente vor Ort noch intensiver trainieren können. „In einem Trainingszentrum. Wir wollen zunehmend junge Akteure aus Berlin und dem Umland gewinnen und entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf Mädchen und Frauen.“

Das folgt der Tradition des Vereins. „Eines Tages“, sagt der Präsident, „sollen die besten jungen deutschen Spielerinnen nicht nach Kolbermoor oder anderswohin gehen, sondern bei uns schmettern.“

Noch sieht die gängige Praxis in der Bundesliga so ähnlich aus wie beim TTC. Zahlreiche ausländische Spielerinnen werden zu den Partien eingeflogen und verlassen die Stadt relativ schnell wieder. Als Eastside vor einer Woche in der Champions League gegen Cartagena aus Spanien antrat und 3:0 siegte, kamen etwa die drei Protagonisten Matilda Ekholm aus Stockholm, Gina Pota aus Budapest, aber auch die deutsche Nationalspielerin und frisch gebackene Europameisterin Nina Mittelham aus Willich nahe Düsseldorf, wo sich das Leistungszentrum des DTTB befindet, für kurze Zeit nach Berlin. Eastside will in Zukunft in einem eigenen TT-Zentrum auch lokale Talente ausbilden. „Wann hatten wir zuletzt eine deutsche Meisterin aus Berlin?“ fragt Teichmann und weiß keine Antwort. „Vielleicht kommt diese 2024 aus der Hauptstadt und vom TTC …“

Erst der tiefe Blick ins Archiv bringt Aufschluss. 1979 war es Gabriele Geißler vom einem der Eastside-Vorgänger, der BSG Außenhandel Berlin, die DDR-Meisterin wurde. Aus dem Westteil der Stadt holte 1962 Uschi Fiedler-Matthias (Grün-Weiß Berlin) den deutschen Titel im Einzel. Daniel Gansen, der Präsident des Berliner Verbandes, sagt: „Wir begrüßen die Eastside-Pläne, da sie unseren Sport voranbringen wollen und bessere Möglichkeiten des Trainings vor Ort bringen.“

Internationale Zugkraft

Es geht auch darum, international konkurrenzfähig zu bleiben. Manager Hain sagt: „Im Moment rüsten viele Vereine in der Champions League sportlich und wirtschaftlich auf. Einige haben längst einen höheren Etat als wir.“ Dazu zählen der Titelverteidiger Dr.Casl Zagreb aus Kroatien, Tarnobrzeg aus Polen und sämtliche Vereine aus Frankreich wie Étival-Clairefontaine, St. Quentin und Metz. Eastside, das am Wochende klar mit 3:0 in Étival-Clairefontaine siegte, will sich auf drei Schwerpunkte konzentrieren: a) Aufbau des Trainingszentrums, b) Weiterentwicklung der Mannschaft, c) Ausrichtung von Events wie das Final Four oder die Deutschen Meisterschaften.

In Sachen Aufbau eines Trainingszentrums ist der international renommierte Trainer Peter Engel involviert. Engel, einst als Aktiver auch Deutscher Meister im Einzel und mit 40 Länderspielen für Deutschland in seiner Vita, trainierte später u. a. die Frauen-Nationalmannschaften der Niederlande, von Spanien und Indien. Viele Jahre arbeitete er erfolgreich im Tischtennis-Leistungszentrum in Barcelona. „Durch unseren guten Ruf in der Szene und die Zugkraft der Metropole Berlin besteht international großes Interesse, bei Eastside zu trainieren“, sagt Alexander Teichmann, „auch unsere Aktiven bekommen dann im Gegenzug unterschiedliche Sparringspartner, Abwehr-und Offensivspieler oder Penholder-Spieler. Das bringt alle sportlich enorm voran.“

Eine erste internationale Einheit gab es bereits in der Paul-Heyse-Straße, die nächste ist für Januar 2019 geplant. Manager Hain: „Die Spielerinnen, die uns als Sparrings-Partner zur Verfügung standen, kamen aus Tschechien, Indien, den Niederlanden, Deutschland, Schweden und Serbien. Dazu melden sich einzelne Spitzenleute aus weiteren Ländern.“ Den Machern des TTC Eastside schwebt vor, dass an der Paul-Heyse-Straße ein Treffpunkt der besten Tischtennis-Spielerinnen aus vielen Ländern entsteht und durch die harte Konkurrenz während des Trainings möglichst viele Aktive aus Berlin an die Spitze gelangen. Ein starker Plan, der aber einen langen Atem braucht.