Verstärkt die Berliner: die Niederländerin Britt Eerland.
Foto: Imago Images

BerlinNoch hat sich die neu formierte Mannschaft nicht in Berlin versammelt. Die Spielerinnen trainieren individuell in ihren Heimatorten. Aber bald wird Irina Palina, die langjährige Cheftrainerin des deutschen Tischtennis-Meisters TTC Berlin Eastside, ihre Spitzenkräfte zusammenrufen und auf die kommende Saison einschwören. Die Termine für die neue Spielzeit stehen fest und sind durch ein Hygienekonzept des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) untermauert. 

Am 5. September erwartet der TTC in eigener Halle am ersten Spieltag der Bundesliga das Team des TSV Schwabhausen. Einen Tag danach steigt in der Halle am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg das Qualifikationsturnier für das nationale Pokalfinale, das Final Four. Zwölf Mannschaften treffen dabei in vier Dreier-Gruppen aufeinander. Nur die Gruppensieger dürfen zum Finale nach Hannover reisen, das im Januar 2021 geplant ist. TTC-Manager Andreas Hain sagt: „Als Pokalverteidiger wollen wir den Pott in Berlin behalten. Ganz klar.“

Hain gehörte zur Taskforce des DTTB, die bereits im Mai ein Hygienekonzept zum Schutz vor Covid-19 ausgearbeitet hatte, das weiter modifiziert worden ist. Da Tischtennis ein Individualsport ist und zudem kein Kontaktsport, ist das blitzschnelle Schmettern unter den aktuellen Bedingungen des Infektionsschutzes eine besonders geeignete und sichere Sportart. Schon durch die Länge des Tisches von 2,74 Meter ist der nötige Abstand der Spieler garantiert. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle Maßnahmen aufzuzählen (etwa Abstand von 1,5 Metern auch in den Spielpausen, kein Anhauchen des Balles oder Abwischen des Handschweißes am Tisch, gute Belüftung der Hallen etc.), aber das DTTB-Konzept dient durchaus als Vorbild auch für andere Sportarten. Hain sagt: „Das ist ein gut durchdachtes Konzept, aber wir rechnen noch einmal mit Einschränkungen, wenn die Urlaubszeit vorbei ist und vielleicht neue Hotspots entstanden sind.“

Der TTC ist am 6. September nicht nur Teilnehmer an der Qualifikationsrunde für den Pokal, sondern auch Ausrichter. „Wir werden alle Hände voll zu tun haben, um die neue Normalität bei einem solchen Turnier sicherzustellen“, sagt Präsident Alexander Teichmann. Sportlich schickt der TTC eine Mannschaft in die Spielzeit, die nicht so spektakulär besetzt ist wie das Team in der Vorsaison.  Manager Hain: „Als das Coronavirus kam und das Transferfenster offen war, gab es keine Klarheit, ob unsere Sponsoren durchhalten. Eine seriöse Planung war sehr schwer. Wir haben uns auf gute Spielerinnen konzentriert, die keine lange Anreise nach Berlin haben und nicht von weither einfliegen müssen.“

Fu Yu, 41, die starke Chinesin mit portugiesischem Pass, die auf Madeira lebt, hat Berlin verlassen (und sich DJK Kolbermoor angeschlossen), ebenso gegangen ist die hochtalentierte Rumänin Bernadette Szöcs, die die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Zudem hat die temperamentvolle Schwedin Matilda Ekholm ihre Karriere beendet. Sie lebt derzeit in New York. Und die Ungarin Gina Pota, die seit 2007 beim TTC am Ball war, sechsmal die Meisterschaft gewann und viermal die Champions League, hat im Juni in Budapest ihre Tochter Regina zur Welt gebracht. Ob sie noch einmal nach Berlin zurückkehren wird ist völlig offen – wohl eher nicht.

Dafür hat der TTC in der Holländerin Britt Eerland, 26, eine Akteurin verpflichtet, die zur europäischen Elite zählt und seit Jahren auf hohem Niveau spielt. Die 30. der aktuellen Weltrangliste nahm schon an acht Weltmeisterschaften teil und belegte 2020 beim European-Top-16-Turnier in Montreux Platz zwei. Eastside bediente sich dabei bei TuS Bad Driburg, wo Eerland die Nummer eins war. Der Verein zog sich wegen wirtschaftlicher Probleme in Corona-Zeiten ebenso aus der Bundesliga zurück wie der TV Busenbach. Von dort holte Manager Hain die ehemalige deutsche Internationale Jessica Göbel, 38, nach Berlin. Weiter im neuen Team stehen nach wie vor die Deutsche Meisterin Nina Mittelham, 23, und die deutsche Nationalspielerin Shan Xiaona, 37. Viel Erfahrung also beim TTC. Hain ist sich sicher: „Es wird schwer sein, uns zu schlagen.“

Die gute Nachricht: Stand heute sind die Sponsoren dem Verein treu geblieben. Nach der Hinrunde der Bundesliga steht im Dezember/Januar eine zweite Transferperiode an. TTC-Manager Hain: „Wir haben Kandidatinnen im Auge, die uns bei Bedarf massiv verstärken können.“