Berlin - Da stand Tom Brady also wieder, nach dem 55. Super Bowl, auf dem Rasen des Raymond James Stadium, und reckte die Vince-Lombardy-Trophy in die Höhe. Die Trophäe, von der Tausende professionelle Footballspieler träumen, sie nur ein einziges Mal berühren zu dürfen. Für Brady war es das siebente Mal. Dass er – logisch! – auch zum fünften Mal zum wertvollsten Spieler des Spiels gewählt wurde, war nur eine Randnotiz.

Nicht wenige dachten im vergangenen Sommer, dass der 43-Jährige seine schon damals historische Karriere bei den New England Patriots nun im Rentnerparadies Florida bei den Tampa Bay Buccaneers ausklingen lassen wolle. Sonne, kühle Drinks, ein bisschen Football. Sein Ruf war ohnehin manifestiert. Die, denen er Titel geschenkt hatte, vergötterten ihn. Der Großteil respektierte ihn aufgrund seiner beeindruckenden Vita. Der Rest hasste ihn für sein Zahnpasta-Lächeln, sein ewiges Gewinnen und seine Sympathie für Donald Trump, die er, als die „Black Lives Matter“-Bewegung im vergangenen Sommer an Bedeutung gewann und sich auch die NFL positionierte, mal eben noch schnell revidierte.

Doch was Brady in Tampa vollbracht hat, ist die vielleicht größte Errungenschaft seiner Karriere. Mit einem bestenfalls durchschnittlichen Team und ohne seinen kongenialen Trainer-Partner Bill Belichik führte er die zuletzt mittelmäßige Mannschaft zum zweiten Titel nach 2003. Dabei gelang es ihm, aus Spielern wie dem eigenwilligen Mike Evans, dem skandalträchtigen Antonio Brown sowie den alternden Stars LeSean „Shady“ McCoy und Rob Gronkowski, den Brady zum Rücktritt vom Rücktritt überzeugte, ein Team zu formen, das den Ball nach seinen Regeln spielt, um dann schließlich das zu tun, was er all die Jahre in New England getan hat: den Mannschaftssport American Football zur One-Man-Show zu machen. Das klingt irgendwie unsympathisch? Willkommen in der Welt von Tom Brady! Aber: Der unglaubliche Erfolg gibt ihm recht. Nun schon zum siebenten Mal.