Hat sich unbeliebt gemacht: Toni Kroos.
Imago Images

MadridIn Spanien ist Fußball-Nationalspieler Toni Kroos wegen seiner ablehnenden Haltung zu einem Gehaltsverzicht in die Kritik geraten. Der Mittelfeldspieler von Rekordmeister Real Madrid wird von Medien und Fans unter anderem als unsolidarisch und realitätsfremd getadelt, nachdem er sich gegen eine Kürzung seiner Bezüge in der Corona-Krise ausgesprochen hatte.

Eigentlich ist Kroos, der in Greifswald aufwuchs und seine Karriere bei Hansa Rostock begann, bekannt für sein soziales Engagement, für Projekte hinter denen er steht. Er hat seit 2015 eine Stiftung, die gesundheitlich stark beeinträchtigten Kindern, Jugendlichen und deren Familien in Köln, Düsseldorf und Berlin Unterstützung bietet. „Er muss auf die Erde zurückkehren. Er hat eine Gefühlslosigkeit gezeigt, die mir wehtut“, sagte der in Spanien bekannte Journalist Tomás Roncero von der Zeitung AS in einer TV-Talkrunde in der Nacht zum Mittwoch.

Kroos habe gezeigt, „dass er sich nicht um das Unternehmen schert, das ihn bezahlt“. Das sei „wie eine Ohrfeige“, meinte der frühere Torhüter und ehemalige Trainer Jorge D'Alessandro in derselben Sendung. „Dieser Mann lebt doch in einer Blase, in einer anderen Welt.“

"Wie eine Spende ins Nichts"

Der 30 Jahre alte Kroos hatte im SWR-Podcast „Steil extra!“ gesagt: „Auf das Gehalt zu verzichten, ist wie eine Spende ins Nichts oder an den Verein, wobei es hier nicht nötig ist.“ Gleichzeitig hatte er seine Meinung begründet: „Was ich besser finde, ist, schon das volle Gehalt zu bekommen, aber dann mit dem Gehalt vernünftige Sachen zu machen und links und rechts zu helfen“, sagte Kroos am Dienstag im SWR-Podcast: „Es gibt viele Stellen, wo es nötig ist.“ In den Online-Ausgaben der spanischen Medien kritisierten zahlreiche Leser Kroos' Haltung. „Er sollte sich schämen, sich einer Gehaltskürzung zu widersetzen, wenn viele nichts zu essen haben“, schrieb ein Leser von AS. Ein anderer forderte: „Ein bisschen Solidarität, bitte.“ Spanien ist eines der vom neuartigen Coronavirus am schwersten betroffenen Länder in Europa.

Der spanische Rekordmeister hat sich mittlerweile mit seinen Spielern auf eine Kürzung der Gehälter geeinigt. Laut Informationen der spanischen Sportzeitung Marca sollen die Spieler in den Verhandlungen von Kapitän Sergio Ramos vertreten worden sein. Vorerst beträgt die Reduzierung zehn Prozent. Sollte die Saison 2019/20 abgebrochen werden, würde die Kürzung bei 20 Prozent liegen, teilte der Verein mit. Von der Maßnahme sind auch die Basketball-Profis betroffen. Von dem eingesparten Geld sollen die finanziellen Einbußen der zahlreichen anderen Angestellten des Vereins gemildert werden.